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Frühere chinesische Läuferin gesteht offenbar Doping

Leichtathletik Frühere chinesische Läuferin gesteht offenbar Doping

In den 90er Jahren knackte Wang Junxia die Weltrekorde über 3000 und 10 000 Meter, die noch heute gelten. Nun wirft sie ihrem Trainer vor, ihr und ihrem Team damals "große Mengen von illegalen Substanzen" verabreicht zu haben.

Peking. Die ehemalige chinesische Langstreckenläuferin und mehrfache Weltrekordhalterin Wang Junxia hat in einem Brief offenbar gestanden, während ihrer Karriere systematisch gedopt zu haben.

Sie und andere Läufer ihres Teams seien von ihrem Trainer Ma Junren dazu gezwungen worden, "große Mengen von illegalen Substanzen einzunehmen", heißt es in dem Schreiben, das auf dem chinesischen Internetportal Tencent Sports veröffentlich wurde. Chinas Leichtathletikverband prüfe den Fall und werde in den nächsten Tagen eine Mitteilung herausgeben, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Peking.

Auch der Leichtathletik-Weltverband kündigte eine Unterzusuchung an. Zunächst müsse festgestellt werden, ob der Brief echt ist, teilte IAAF-Sprecher Chris Turner mit. Käme die Anti-Doping-Kommission dann zu dem Schluss, dass ein Athlet tatsächlich eine verbotene Substanz eingenommen hat, müssten von ihm erzielte Rekorde aberkannt werden.

Wang Junxia hatte 1993 die Weltrekorde über 3000 und 10 000 Meter aufgestellt, die bis heute Bestand haben. Schon damals wunderten sich Beobachter über die erstaunlichen Leistungen des chinesischen Frauenteams. Wie Tencent weiter berichtete, sei der Brief bereits 1995 von Wang Junxia und ihren Teammitgliedern geschrieben und unterzeichnet, aber erst jetzt veröffentlich worden.

Ist das Schreiben echt, wäre es der bisher stärkste Hinweis auf die illegalen Praktiken des berüchtigten Leichtathletik-Trainers Ma Junren, der Doping stets abstritt. Das Erfolgsgeheimnis seiner schnellen Truppe sei hartes Training und Schildkrötenblut. Bereits Anfang der Woche war der heute 72-Jährige, der sich 2004 aus dem Sport zurückzog, in chinesischen Medien unter Druck geraten. Laut erstmals veröffentlichten Recherchen des chinesischen Schriftstellers und Journalisten Zhao Yu soll er Sportlerinnen geschlagen und ihnen Dopingsubstanzen sogar selbst injiziert haben.

"Wir sind Menschen und keine Tiere", heißt es in dem Schreiben weiter. Die Athleten seien zudem besorgt, ihrem Land zu schaden und den Wert der Goldmedaillen, für die sie hart gearbeitet hätten, zu schmälern.

Wie überlegen "Mas Armee" in ihrer aktiven Zeit war, zeigt auch der Fall von Wang Junxias Teamkollegin Qu Yunxia. Sie hielt fast 22 Jahre lang den Weltrekord über 1500 Meter, bevor es der Äthiopierin Genzebe Dibaba im Juli 2015 beim Diamond-League-Meeting in Monte Carlo gelang, die Zeit der Chinesin um 39 Hundertstelsekunden auf 3:50,07 Minuten zu unterbieten.

dpa

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