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Glücklicher Freimuth dankt Zehnkampf-König Ashton

Leichtathletik Glücklicher Freimuth dankt Zehnkampf-König Ashton

Brüder im Geiste und im Kampfe: Ashton Eaton und Rico Freimuth sind große Athleten. Sie treiben sich gegenseitig an. Rivalen können aber auch Freunde sein - es lohnt sich sogar: Der Amerikaner holt Gold mit Weltrekord, der Hallenser rettet mit den letzten Schritten Bronze.

Peking. König Ashton hatte glänzende Augen, und auch Freimuth II. wurde nach dem Drama in zehn Akten kurz von seinen Gefühlen übermannt.

"Dieser Zehnkampf, dieser Weltrekord, da bekam ich Gänsehaut. Das war ein legendärer Moment - und ich war dabei", sagte Rico Freimuth, Sohn des früheren Weltklasse-Zehnkämpfers Uwe Freimuth, nach dem größten Coup seiner Laufbahn: Bronze bei der Leichtathletik-WM in Peking. "Meine Karriere hat ihren Höhepunkt erreicht. Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt", meinte der Hallenser, der die Medaille mit einem irren Schlussspurt im 1500-Meter-Lauf gerade noch gerettet hatte.

Freimuth wollte das Edelmetall unbedingt, man sah es ihm an, man spürte es. Und als Platz drei schließlich sicher war, da wusste er genau, wer ihm den letzten Kick gegeben hatte. "Danke, Ashton!", sagte der deutsche Hauptdarsteller einer großen Zehnkampf-Show, die Eaton auch noch mit einem Weltrekord krönte. "Ashton ist der größte Athlet", erklärte Freimuth nicht nur einmal. Er war gerührt und fühlte sich geehrt.

Eaton und Freimuth - war das der Anfang einer wunderbaren Freundschaft? Beide Zehnkämpfer sind 27 Jahre alt, beide machen ihren Job seit Jahren mit Leidenschaft, und dass sie sich im Wettkampf nichts schenken, schließt gegenseitige Hilfe nicht aus. "Kameradschaft" - diesen Wort fiel ganz oft an jenem Abend in den Katakomben des "Vogelnest"-Stadions. Der Amerikaner und der Deutsche lieferten bei ihrem WM-Duell ein Beispiel dafür. Vor den 1500 Metern spornten sie sich an. Zuerst musste Eaton seinem Kollegen Mut machen - denn Freimuth hatte Zweifel, dass er die Medaille mit nach Hause bringt.

"Ich bin in diesem Jahr nicht gut", sagte der Hallenser. Eaton beruhigte ihn - und machte ihm Mut. "Er sagte zu mir: Rico, das ist schon okay. Du bist stark, du kannst doch schnell laufen. Du musst nur an dich glauben!" Das war der Kick, den Freimuth brauchte, um die letzten Kräfte freizusetzen. "Ich bin eine Riesenzeit gerannt."

Als er sich dann mit letzter Kraft ins Ziel warf, da war der alte und neue Weltmeister längst durch, mit dem größten Vorsprung bei einer Leichtathletik-WM hatte er sich sein zweites WM-Gold erkämpft. Noch wie in Trance bekam dann auch Freimuth mit, was in grellen Farben auf der elektronischen Anzeigetafel blinkte: "9045 POINTS - NEW WORLD RECORD". Da tobte das Stadion schon, und Freimuth keuchte noch.

Ein knappes Ding war es für beide: Eaton verbesserte seinen gut zwei Jahre alten Weltrekord um sechs Zähler, und Freimuth hätte auf den letzten fünf Metern nicht einknicken dürfen: Ganze 23 Punkte Vorsprung hatte der 1,96 Meter große Sportsoldat auf den Russen Ilja Schkurenjow. Das sind über 1500 Meter rund 3,5 Sekunden - nach zwei langen Wettkampftagen.

Freimuth Dritter, Götzis-Sieger Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied) Sechster, Michael Schrader (SC Hessen Dreieich) Siebter - die Team-WM hätten die Deutschen wohl gewonnen. Doch Eaton hat das gute Abschneiden nicht überrascht: "Sie haben immer den besten Teamgeist und die stärksten Nerven."

Der König der Athleten lag bei seinem Start-Ziel-Sieg sagenhafte 350 Punkte vor dem zweitplatzierten Kanadier Damian Warner - noch nie hatte ein Zehnkampf-Champion bei einer WM einen so großen Vorsprung. Wäre der Olympiasieger nur eine Sekunde langsamer gewesen, hätte der Weltverband IAAF die Weltrekordprämie von 100 000 Dollar gespart.

Die Bronze-Feier lief dann ganz anders, als sie sich Freimuth & Freunde vorgestellt hatten: "Ich hatte eine richtig geile Party. Bis 3 Uhr nachts war ich bei der Dopingkontrolle und musste dort fünf Proben abgeben. Als ich danach ins Hotel kam, lagen alle schon im Bett."

dpa

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