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Mit neuen Federn zum Höhenflug: Vanessa Low will WM-Gold

Behindertensport Mit neuen Federn zum Höhenflug: Vanessa Low will WM-Gold

Weitsprung-Weltrekordlerin Vanessa Low will bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha mit neuen Prothesen neue Erfolge feiern. In Topform ist sie. Die Umstellung auf die neuen Hightech-Konstruktionen birgt aber auch Risiken.

Hamburg. Vanessa Low hat neue Beine. Besser gesagt Unterschenkel. Die Leichtathletin, der nach einem Bahnunfall 2006 beide Beine oberhalb der Knie amputiert werden mussten, lacht zufrieden, als sie über ihre neuen Hightech-Prothesen spricht.

"Mein Laufbild ist jetzt viel runder", sagt die 25-Jährige. "Gefühlt ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht."

Nicht nur deshalb blickt die gebürtige Schwerinerin, die seit zwei Jahren im amerikanischen Oklahoma City lebt und trainiert, optimistisch auf die am Donnerstag beginnende Leichtathletik-WM der Sportler mit Handicap. Der Saisonhöhepunkt in Doha kann kommen. Soll kommen. "Ich will mir selber nicht zu großen Druck machen", erklärt Vanessa Low, "aber mit meinen Trainingsleistungen bin ich schon sehr zufrieden."

Im Sommer wagte die Weitsprung-Weltrekordlerin den Versuch und besorgte sich neue Unterschenkel, sozusagen "die Federn." Die Prothesen für den Sport sind Hightech-Konstruktionen, die aus drei Teilen bestehen: dem Schaft, in dem die Oberschenkel eingepasst werden, dem Knie, einer Art Pendel, und eben den Federn. Und die sind jetzt neu. "Ich hatte diese Federn schon bei anderen Athleten gesehen und wollte sie einfach mal ausprobieren", erzählt sie.

Low fragte dann einfach mal beim Fabrikanten an und war erfolgreich. Sie bekam einen Satz der rund 15 000 Euro teuren Teile, einfach so, Glück gehabt. "Leisten könnte ich mir das nicht", bekennt sie.

Nach der Lieferung im Sommer begannen die Feinjustierungen: Schaft, Gelenk und Federn mussten angepasst, in der Höhe verstellt und optimal miteinander verbunden werden. Das Kniegelenk wird mit Hilfe eines Öls eingestellt, damit es richtig pendelt. Die neuen Federn wiegen zudem auch noch zwei Kilogramm und sind damit doppelt so schwer wie die alten. Das sind große Anpassungen.

"Das Abrollverhalten ist anders. Ich musste auch lernen, wann das Knie jetzt einknickt", berichtet Vanessa Low. Solche Änderungen vor einem wichtigen Wettkampf durchzuführen, sind auch ein gewisses Risiko. Aber es hat sich offenbar gelohnt. "Es hat von Anfang an super geklappt - eine faszinierende Erfahrung", sagt sie.

In Katars Hauptstadt erwartet Low wieder das Dauerduell mit ihrer italienischen Rivalin Martina Caironi. Beide halten gemeinsam den Weitsprung-Weltrekord mit 4,60 Meter, über 100 Meter aber ist die Paralympics-Siegerin von London 2012 mit einer Bestzeit von 15,15 Sekunden noch deutlich schneller als Low (15,58 Sekunden).

Doch gerade für den Sprint hat Vanessa Low in diesem Jahr extrem viel trainiert. "Ich glaube, dass es ein enges Rennen werden und ich sie wirklich herausfordern kann", sagt Low. "Ich denke auch, dass in unserer Klasse Zeiten unter 15 Sekunden möglich sind. Mal sehen, wie weit Martina und ich uns pushen können."

Dass es bei einer möglichen Verbesserung ihrer Leistungen zu Diskussionen über die neuen Federn kommen kann, ist Vanessa Low klar. Aber was soll’s? "Man kann ja auch nicht jeden Menschen in einen Ferrari setzen, und der fährt dann so schnell wie Sebastian Vettel." Nein, laufen müsse sie selbst, mit Kraft, Fitness und Geschick.

Dafür trainiert sie neben ihrem Fernstudium der Medieninformatik bis zu fünf Stunden täglich in Oregon bei Coach Roderick Green, der ihr nach einem Motivations- und Leistungsloch nach 2012 wieder Mut und Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gab. Nach Doha reist sie voller Vorfreude und Spannung: "Meine Form ist richtig, richtig gut."

dpa

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