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"Niemals" vergeben: Gretel Bergmann feiert 102. Geburtstag

Leichtathletik "Niemals" vergeben: Gretel Bergmann feiert 102. Geburtstag

Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann hätte 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin gerne Gold gewonnen. Die Nazis ließen sie aber nicht. An ihrer Stelle wurde ein als Frau verkleideter Mann nominiert. Am Dienstag feiert Bergmann ihren 102. Geburtstag.

New York. Die Stimme klingt brüchig, doch ihre Haltung ist unbeugsam und fest geblieben. "Niemals, niemals, niemals", bekräftigte die frühere Hochspringerin Gretel Bergmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur könne sie vergeben.

Am Dienstag feiert Bergmann ihren 102. Geburtstag. Die Nazis hatten sie auf hinterhältige Weise nicht nur von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin ausgeschlossen, weil sie Jüdin ist, sondern an ihrer Stelle einen als Frau verkleideten Mann an den Start geschickt.

"Mir geht es recht gut. Meine Beine wollen nicht mehr so, aber ich bin okay", berichtete Margarete "Gretel" Bergmann und sagte zu ihrem 102. Geburtstag: "Es ist passiert und ich nehme es wie es ist." Zwei Jahre vorher hatte sie es so formuliert: "Ich bin überrascht, noch zu leben, obwohl ich so viel Schreckliches erlebt habe und bei den Nazis täglich damit rechnen musste, getötet zu werden."

1937 hatte Gretel Bergmann verbittert und um ihr Leben fürchtend ihre Geburtsstadt Laupheim verlassen und war in die USA emigriert. Dort lebt die Tochter eines Fabrikanten noch heute im New Yorker Stadtteil Queens. Obwohl sie schwor, nie in die Heimat zurückzukehren, kam sie 1999 nach Deutschland, um den Georg-von-Opel-Preis als einer "Der stillen Sieger" in Frankfurt/Main entgegenzunehmen. 2012 wurde sie in die "Hall of Fame" der Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgenommen.

"Ich wollte nie endgültig zurückkehren", sagte Gretel Bergmann mit Bezug auf Helene Mayer. Die halbjüdische Fecht-Olympiasiegerin von 1928 durfte auf Druck der Weltöffentlichkeit an den Spielen in Berlin teilnehmen, flüchtete vor dem Hitler-Regime ebenfalls in die USA, kam jedoch nach vielen Jahren nach Deutschland zurück.

Für Gretel Bergmann, die 1939 Bruno Lambert heiratete, und deren Schwiegereltern sowie Verwandte von ihr im Konzentrationslager starben, war das unmöglich. Vor den Berlin-Spielen war sie eine der weltbesten Hochspringerinnen und stellte den deutschen Rekord von 1,60 Meter ein. Nur weil Amerikaner mit dem Olympia-Boykott drohten, wenn keine Juden dem deutschen Team angehören, wurde sie in die olympische Kernmannschaft beordert. Kaum war das US-Team nach Berlin aufgebrochen, wurde sie von den Nazis ausgeschlossen.

"Gold, nichts anderes wäre es gewesen", war ihre Überzeugung. Wäre ihr Leben anders verlaufen, wenn sie Olympia-Gold hätte gewinnen können? "Ich weiß es nicht", meinte Gretel Bergmann heute, fast 80 Jahre nach Hitlers Propaganda-Spielen. "Ich hatte gute Zeiten und schlechte Zeiten. Nun denke ich nicht mehr viel darüber nach."

Olympiasiegerin wurde die Ungarin Ibolya Csak, mit der Höhe von 1,60 Metern. Anstelle der Jüdin Bergmann schickten die Nationalsozialisten Dora Ratjen in den olympischen Hochsprung-Wettbewerb. Die Rivalin wurde Vierte und entpuppte sich später als Heinrich Ratjen. "Er war meine Zimmernachbarin. Ich habe nie gedacht, dass es keine Frau ist", erzählte Bergmann einmal. Sie erfuhr erst 1966 von dieser Täuschung.

Nach den Berlin-Spielen flüchtete sie in die USA, schlug sich mühsam durch und wurde 1937 und 1938 US-Meisterin im Hochsprung. "Ich habe Deutschland, die Menschen und sogar die Sprache dafür gehasst, was es mir und den jüdischen Menschen angetan hat", hatte Gretel Bergmann über Jahrzehnte immer wieder betont. "Verglichen mit dem Schicksal der sechs Millionen unschuldiger Juden, die ermordet wurden, war das, was mir widerfuhr, von sehr geringer Tragweite", schrieb Bergmann 1996 in einem Leserbrief an die "Schwäbische Zeitung".

"Es ist vorüber und ich muss es akzeptiere, was passiert ist", sagte sie nach 102 Lebensjahren. Den 103. Geburtstag hat sie aber schon fest im Blick: "Sie können mich gerne wieder anrufen - ich bin hier."

dpa

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