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Nieren-OP direkt nach der WM: Merritt schwer erkrankt

Leichtathletik Nieren-OP direkt nach der WM: Merritt schwer erkrankt

Der Amerikaner Aries Merritt ist Olympiasieger und Weltrekordhalter über 110 Meter Hürden. Bislang wusste kaum jemand, dass er schwer krank ist und in der nächsten Woche eine neue Niere bekommen soll. Bei der WM in Peking startet er dennoch.

Peking. Ohne große Mühe raste Aries Merritt am Morgen durch seinen Vorlauf über 110 Meter Hürden.

Der Amerikaner schlug den Europameister Sergej Schubenkow, nichts war ihm auf den ersten Blick anzumerken - doch seinen größten Kampf wird der Olympiasieger und Weltrekordhalter erst zwei Tage nach dieser Leichtathletik-WM in Peking führen. Am kommenden Dienstag muss sich Aries Merritt einer Nierentransplantation unterziehen. Schonungslos und zum ersten Mal öffentlich sprach er nach dem Lauf über seine schwere Erkrankung.

"Das könnten meine letzten Meisterschaften sein, falls die Operation nicht klappt", sagte der 30-Jährige. Warum er unter solchen Umständen überhaupt nach Peking geflogen ist? "Ich will nicht in meinem Haus sitzen und auf die Operation warten. Dass ich jetzt hier bin, zeigt mir, dass ich ein Kämpfer bin und dass ich alles überstehen werde, wenn ich positiv bleibe."

Die schockierende Diagnose erhielt Merritt ein Jahr nach seinen größten Erfolgen. 2012 hatte er in London Olympisches Gold gewonnen und kurz darauf in Brüssel den Weltrekord auf 12,80 Sekunden gesteigert. Bei der WM 2013 in Moskau merkte er dann, "dass irgendetwas nicht stimmt. Ich hatte keine Energie mehr, litt unter Atemlosigkeit und hatte Probleme, mich zu erholen." Zwei Monate später ließ sich der schnellste Hürdensprinter der Welt in die Notaufnahme einer Klinik in Arizona einliefern. "Als ich erfuhr, dass ich an einer Nierenkrankheit leide, brach es mir das Herz."

Ursache dafür ist eine seltene genetische Störung. Und als wäre die nicht schon schlimm genug, infizierte sich Merritt auch noch mit einem Virus, der Nieren und Knochenmark noch weiter angriff. Bei nur noch 15 Prozent lag seine Nierenfunktion damals. Von Oktober 2013 bis April 2014 lag er im Krankenhaus.

Schon einen Monat später gab der Amerikaner sein Comeback bei kleineren Meetings. Auch in der Diamond League war er im Sommer 2014 wieder dabei. Der Olympiasieger lief der Weltspitze nur noch hinterher und niemand wusste so richtig, warum. Aber für Merritt war es nur wichtig, wieder das zu tun, was er am besten kann. Das gab und gibt ihm zumindest für eine gewisse Zeit den Anschein von Normalität. "Man hatte mir schon gesagt, dass ich nie mehr wieder Rennen laufen könne", erzählte er. "Also bin ich einfach nur glücklich, dass ich immer noch das tun kann, was ich am meisten liebe."

Noch immer liegt Merritts Nierenfunktion bei unter 20 Prozent. Das geht aus einem Artikel hervor, den der Weltverband IAAF zu Beginn der WM auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Training ist nach wie vor nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Merritt selbst sieht sich aktuell bei "75 Prozent" jenes Leistungsniveaus, das er bei seinem Olympiasieg hatte.

"Mein Ziel in Peking ist das gleiche, das auch die anderen haben", sagte Merritt: "Ich will gewinnen und Weltmeister werden." Noch wichtiger ist ihm aber, im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro starten zu können. Denn das würde bedeuten, dass seine Nierentransplantation erfolgreich war.

"Bei dieser Weltmeisterschaft gehe ich jetzt Rennen für Rennen an", sagte er, das Halbfinale ist für Donnerstag angesetzt. "Wenn die WM vorbei ist, werde ich mich auf die Operation konzentrieren. Und wenn die Operation vorbei ist, auf die Reha. Wenn die Reha vorbei ist, will ich mit dem Training beginnen. Und wenn ich das erreicht habe, versuche ich alles, um fit zu werden für Rio."

Es sind große Ziele, die Merritt da hat. Aber wer hätte es schon für möglich gehalten, dass jemand mit einer schweren Nierenerkrankung im Vorlauf Europameister Schubenkow davonläuft?

dpa

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