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Stabhochsprung-Trainer: 100-%ige Sicherheit leider nie

Leichtathletik Stabhochsprung-Trainer: 100-%ige Sicherheit leider nie

Herbert Czingon ist ehemaliger Bundestrainer der deutschen Leichtathleten und arbeitet seit 2012 als Stabhochsprung-Trainer für den Schweizer Verband Swiss Athletics sowie den LC Zürich.

Frankfurt/Main. Mit der im Training schwer verunglückten Österreicherin Kira Grünberg arbeitete er als Teilzeittrainer und enger Berater zusammen.

Die Deutsche Presse-Agentur dpa sprach mit Czingon über das Thema Sicherheit beim Stabhochsprung.

Beim Stabhochsprung gibt es immer wieder Sicherheitsdebatten, etwa über die Einführung einer Helmpflicht. Wie kann man die Sicherheit der Athleten in diesem Sport verbessern?

 

Herbert Czingon: In diesem Fall hätte ein Helm vermutlich nicht geholfen. Bei bestimmten Verletzungen oder missglückten Landungen auf den Hinterkopf kann es sogar sein, dass ein Helm die Sache noch schlimmer macht. Vielleicht führt dieser furchtbare Fall zu der Entwicklung, die Härte oder die Beschaffenheit des Einstiegskastens zu überdenken. Aber 100-prozentige Sicherheit kann es beim Stabhochsprung leider nie geben. Das ist ein Sport, zu dem eine Risikokomponente gehört.

 

Ist das auch allen bewusst? Tun Ihrer Meinung nach gerade die Veranstalter von Wettkämpfen genug für die Sicherheit der Sprunganlagen und damit auch der Athleten?

 

Czingon: Gerade ich gelte in diesem Bereich häufig als unbequem, weil ich diese Dinge immer wieder anspreche. Aber insgesamt betrachtet muss man sagen, dass die Anlagen im Schnitt heute viel, viel sicherer sind als vor 20 Jahren. Die Regeln zur Sicherheit sind beim Stabhochsprung immer wieder verändert worden. Das kann manchmal dazu führen, dass bei einem Wettkampf eine Anlage steht, die nach Kriterien errichtet wurde, die vor zehn Jahren galten. In solchen Fällen muss man viel kommunizieren, um einige kleine Dinge noch so zu verändern, dass die Sicherheit auf dem höchsten Standard ist. Aber es ist beim Stabhochsprung nicht so wie bei Leuten, die von einem Berg springen und bei denen das Risiko mit der Zeit zur Unterhaltung der Zuschauer immer weiter erhöht wurde. Im Gegenteil: Wir versuchen, die Risiken durch immer bessere Anlagen so gering wie möglich zu halten.

 

Wie gehen die Sportler selbst mit diesen Risiken um? Ist das ein großes Thema unter den Athleten? Springt die Angst bei einigen jedesmal mit?

 

Czingon: Allen Athleten ist bewusst, dass sie sich in Risikosituationen begeben. Aber nur so ist eine möglichst sichere Ausübung dieser Sportart auch möglich. Es ist schwer zu beschreiben, aber dieses Gefühl, dass man etwas Besonderes macht, macht auf der anderen Seite auch den besonderen Zusammenhalt unter den Athleten und den Trainer in dieser Disziplin aus. Aber noch einmal: Stabhochsprung ist ein akrobatischer Sport. Jeder weiß, dass wir dieses Risiko nicht zu 100 Prozent ausschließen können. Wir sind aber alle dazu aufgerufen, in dieser Sicherheitsdiskussion nie locker zu lassen.

dpa

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