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Storl: "Bin ein Mensch, der Vertrauen in die Jungs hat"

Leichtathletik Storl: "Bin ein Mensch, der Vertrauen in die Jungs hat"

David Storl hat seinen dritten WM-Sieg in Serie in Peking verpasst. Im WM-Finale wurde er am Sonntag mit 21,74 Meter Zweiter hinter dem US-Amerikaner Joe Kovacs. Er habe sich "zu viel Druck im Kopf gemacht", bekannte Storl am Tag danach.

Peking. Fragen an den Vize-Weltmeister David Storl nach seiner Niederlage im Kugelstoß-Finale bei der Leichtathletik-WM in Peking gegen den US-Amerikaner Joe Kovacs:

Nach den WM-Siegen 2011 und 2013 wollten Sie unbedingt den dritten Titel in Serie gewinnen. Was ist schief gelaufen?

David Storl: Ich bin nicht reingekommen in den Wettkampf. Es war schwierig, technisch eine Linie zu finden. Außerdem habe ich mir im Kopf zu viel Druck gemacht. Die eigene Erwartungshaltung war zu hoch.

Ist WM-Silber denn nix - freuen sie sich überhaupt nicht?

Storl: Ich denke schon, dass ich mich in den nächsten Tagen über Silber freuen kann, aber ich wollte gewinnen. Das war mein Ziel. Deshalb bin ich zu recht unzufrieden, weil ich es nicht erreicht habe. Wenn ich mich nicht darüber ärgern würde, wäre es nicht das richtige Herangehen für die Vorbereitung auf die nächste Saison.

Sie waren sehr zuversichtlich vor dem WM-Finale, das sie mit einem ungültigen Versuch begonnen haben. Haben Sie sich überschätzt?

Storl: Ich hatte das Niveau für einen 22-Meter-Stoß, sonst wäre ich nicht so selbstbewusst durch die Qualifikation gegangen. Die Leistung im Finale entsprach nicht meinem Niveau. Das war wie in der Formel 1: Wenn der Reifen in der ersten Runde platzt, kommt man aus dem Tritt.

Ihr bester Stoß landete bei 21,74 Meter...

Storl: Mit dem Platz kann man leben, ich bin nur enttäuscht wie der Wettkampf verlaufen ist, weil ich die Technik verloren habe. Ich möchte nicht, dass mir das noch mal passiert.

Zehn Jahre wollen sie noch weitermachen. Geht das in einer Disziplin wie Kugelstoßen, die den Körper sehr beansprucht?

Storl: Ich hatte Glück und bin immer von größeren Verletzungen verschont geblieben. Ich werde nicht jedes Jahr Höchstniveau bringen können und muss nach Olympia dem Körper mal ein Jahr Regeneration verschaffen - aber ich denke, dass es möglich ist.

Das Knie schmerzt und hat sie zuletzt auch im Training behindert. Müssen Sie sich einer Operation unterziehen?

Storl: Im Winter wäre eine Operation mit Blick auf die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu spät. Eine OP würde Rio gefährden. Ich werde andere Wege gehen und andere Ärzte konsultieren. Ich muss im Herbst und Winter schmerzfrei werden, damit ich wieder Beinkraft aufbauen kann. Bisher habe ich nur einbeinige Kniebeugen gemacht, weil das Knie überhaupt nicht zu belasten war. Das wäre schon wichtig für Rio, dass ich das Knie belasten kann.

Kugelstoßen galt mal als eine besonders Doping gefährdete Disziplin. Für den letzten Doping-Fall sorgte der Weißrusse Andrej Michnewitsch, der bei Nachtests von Proben der WM 2005 erwischt wurde. Geht es da nun sauber zu?

Storl: Ich unterstelle niemand etwas. Die Zeiten von Andrej Michnewitsch sind, glaube ich, vorbei. Die Leistungen der Russen sind stark nach unten gegangen. Seit Michnewitsch gab es keinen positiven Doping-Fall mehr. Ich bin ein Mensch, der Vertrauen in die Jungs hat. Ich habe die 22 Meter sauber gestoßen und muss davon ausgehen, dass es auch andere können. Es bringt nichts, sich den ganzen Tag den Kopf zu zerbrechen, wer etwas genommen hat oder nicht.

Können vermeintlich große Kugelstoßer wie Randy Barnes (USA), der 1990 den noch gültigen Weltrekord von 23,12 Meter aufstellte, noch Vorbilder sein?

Storl: Ich glaube nicht, dass man den älteren Kollegen einen Vorwurf machen sollte. Es ist eine Zeit gewesen, in der es offenkundig betrieben wurde. Die Zeiten waren damals so. Die haben trotzdem trainiert und Leistungen gebracht, die keiner anderer schafft. Ich bin nicht jemand, der gegen diese Rekorde vorgeht.

Sie trauen sich auch zu, an die 23 Meter ranzukommen. Ist das ohne verbotene Methoden möglich?

Storl: Ich habe mich allein in den letzten vier Jahren rein körperlich weiterentwickelt. Ich habe mich in Richtung zum Mann hin entwickelt, mit der Kraft, die man von Natur her bekommt. Man baut das Niveau immer weiter auf, arbeitet an der Technik akribisch.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting will Doping-Sünder bei Wettkämpfen mit roten Startnummern kennzeichnen. Wie finden Sie das?

Storl: Es ist schon eine gute Idee. Man sollte es offensichtlich gestalten, wenn Leute mal positiv getestet wurden. Man sollte auch Leute, die zweimal positiv getestet wurden, von solchen Wettkämpfen ausschließen wie zum Beispiel einen Justin Gatlin, der zweimal überführt wurde.

dpa

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