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Weltmeister Holzdeppe bei der WM nur Außenseiter

Leichtathletik Weltmeister Holzdeppe bei der WM nur Außenseiter

Es sind nur noch wenige Tage bis zur WM in Peking, also schwitzen die deutschen Leichtathleten gerade in einem Trainingslager auf der südkoreanischen Insel Jeju.

Peking. Dort ist es genauso heiß und drückend wie am WM-Ort, es gibt dazu noch einen schönen Blick auf das Ostchinesische Meer, aber Raphael Holzdeppe ist trotzdem nicht da. Der Stabhochsprung-Weltmeister ist genau eine Woche vor der Eröffnungsfeier am Samstag direkt in die chinesische Hauptstadt geflogen. "Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht in Peking. Meine Form stimmt, ich fühle mich gut, aber meine Vorfreude übertrifft alles", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Holzdeppes Ausgangsposition bei dieser WM ist sehr speziell. Neben Christina Obergföll und David Storl gehört er zu den drei Moskau- Weltmeistern im deutschen Team. Er tritt im "Vogelnest" also als Titelverteidiger an, was immer mit einer gewissen Erwartungshaltung verbunden ist. Auf der anderen Seite steckte der 25-Jährige noch vor einem Jahr in einer Spirale aus schwachen Leistungen und ständigen Verletzungen fest, so dass er sich selbst keinen großen Druck macht.

"Ich bin im Moment weiter, als ich das vor dieser Saison erwartet hatte. Mein Ziel war zunächst nur, wieder in die Weltspitze vorzudringen", erklärte Holzdeppe. Konkret heißt das: "Ich komme mit dem Ziel nach Peking: Ich darf meinen Titel verteidigen, ich muss es aber nicht um jeden Preis. Ich möchte nicht ohne eine Medaille wieder nach Hause kommen. Aber wenn es Silber oder Bronze werden sollte, hätte ich Silber oder Bronze gewonnen und nicht Gold verloren."

Gleich zweimal verbesserte Holzdeppe im Vorfeld dieser WM seine persönliche Bestleistung. Ende Juni übersprang er in Baku 5,92 Meter. Einen Monat später steigerte er sich bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg noch einmal um zwei Zentimeter (5,94).

Das ist noch nicht viel im Vergleich zur Weltjahresbestleistung seines Rivalen Renaud Lavillenie. Der Franzose flog in dieser Saison schon über 6,05 Meter und gilt in Peking als großer Favorit. Doch der Stabhochsprung ist eine hochkomplexe Disziplin. Wenn bei nur einer der vielen Komponenten etwas nicht stimmt, ist ein Wettkampf schnell verloren. Deshalb hat Lavillenie in seiner Karriere zwar schon einen Olympiasieg, drei EM-Titel und einen spektakulären Hallenweltrekord (6,16) erreicht. Freiluft-Weltmeister wurde er aber noch nie.

Auch Holzdeppe fiel genau in der Zeit in ein Leistungsloch, als man das am wenigsten erwarten durfte: nach seinem WM-Sieg vor zwei Jahren in Moskau. "Ich bin 2014 in eine Phase gekommen, in der mein Körper eine Pause brauchte. Und die hat er sich genommen", erklärte er.

Mittlerweile trauert er dieser Zwangspause "nicht mehr hinterher". Die habe ihn zwar "eine komplette Saison gekostet. Doch im Hinblick auf die nächsten Jahre hatte das auch Vorteile. Mein Körper war noch nie so ausgeruht", erklärte der Athlet des LAZ Zweibrücken. Mitten in der härtesten Zeit seiner Karriere wurde ihm klar: "Ich habe selbst bei meinem WM-Sieg noch nicht meine Höchstform erreicht. Ich habe noch Ziele, da ist noch viel möglich. Das ist meine Motivation."

Vor gut zwei Wochen verunglückte die Stabhochspringerin Kira Grünberg im Training, die erst 22 Jahre junge Österreicherin ist seitdem querschnittsgelähmt. Holzdeppe ist "in Gedanken oft bei Kira und ihrer Familie", dieser Unfall habe "die ganze Szene erschüttert", verriet er in einem Interview der FAZ. Doch mit Blick auf die WM lässt er im Moment nicht einmal die offensichtlichen Risiken seiner Disziplin an sich heran. "Man braucht einen gebührenden Respekt vor diesem Sport, aber Angst springt bei mir nicht mit", sagte Holzdeppe. "Denn wer richtig Angst hat, kann gar nicht erst abspringen."

dpa

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