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Weltrekordler Rehm: Will mich nicht entschuldigen

Behindertensport Weltrekordler Rehm: Will mich nicht entschuldigen

Das Maßband wurde ausgerollt, quer über alle Tische - und jeder staunte, wie lang denn 8,29 Meter sind. Markus Rehm grinste, schließlich hält er ja diesen Weitsprung-Weltrekord.

Berlin. Bei einem Paralympics-Meeting in Barcelona segelte der unterschenkelamputierte Leichtathlet vor einem Monat zur Bestmarke. Doch es gab in den vergangenen Monaten nicht nur Beifall, sondern auch viel Ärger, Kritik und wohl auch Neid.

Deshalb ist Rehm, an sich ein fröhlicher Zeitgenosse, schon ein bisschen sauer. "Ich will einfach davon weg, mich für diese Leistung entschuldigen zu müssen", sagte der 26-Jährige aus Leverkusen am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Die Crux bei all den hitzigen Diskussionen, seit Rehm vor elf Monaten bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm den Titel bei den Nicht-Behinderten erobert hat: Bringt eine High-Tech-Prothese einen deutlichen Vorteil - oder ist sie für den Athleten auch ein Handicap? Der Weltmeister zählt die Nachteile auf, und er sagt ja auch: "Man muss darüber diskutieren, aber man darf nicht alles auf die Prothese reduzieren." Mit einem neuen wissenschaftlichen Gutachten sollen auch die Nachteile gewichtet werden.

Rehm durfte seinen Überraschungs-Titel von 2014 zwar behalten, deutscher Meister wird er aber nicht mehr. Denn im Juli in Nürnberg wird es einen gemeinsamen Wettkampf, aber getrennte Wertungen geben. Trotzdem freut er sich "tierisch" auf den Start in Nürnberg, wo der Weitsprung schon am Freitag als "Marktspektakel" in der Innenstadt ausgetragen wird.

Der Paralympics-Sieger, der vor knapp zwölf Jahren nach einem Bootsunfall seinen rechten Unterschenkel verlor, will sich auch künftig für offene Wettkämpfe einsetzen und in der kontroversen Diskussion auf die Kritiker zugehen. "Ich will keinen Keil zwischen die paralympischen und olympischen Athleten treiben." Am Vorabend der Internationalen Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Menschen mit Behinderungen (19. bis 21. Juni) will Rehm in Berlin deshalb das Gespräch mit seinen Sportkollegen suchen. Wegen einer Knieverletzung kann er selbst nur zuschauen.

"Lob ist schön, aber mit Kritik kann ich besser arbeiten", meinte der 8,29-Meter-Springer und erklärte eines der Probleme: "Viele Athleten haben Angst, dass sie bei gemeinsamen Wettkämpfen untergehen, wenn da ein Usain Bolt startet. Dann guckt keiner mehr auf einen behinderten Athleten."

Inklusion im Sport, Vergleichbarkeit der Leistungen bei "offenen" Wettkämpfen und Fairness - darum geht es. Rehm versteht sich daher auch als Botschafter, als Mahner und Motivator: Der Behindertensportler des Jahres 2014 will die Idee der Paralympics voranbringen und die Kollegen ermutigen: "Eine Prothese ist kein Weltuntergang", betont er, "damit kannst du viel erreichen."

dpa

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