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Bayer Leverkusens Elfmeter-Fluch "unfassbar"

Fußball Bayer Leverkusens Elfmeter-Fluch "unfassbar"

Nach der Trennung von Trainer Roger Schmidt sollte bei Bayer Leverkusen alles besser werden. Das 1:1 gegen Werder Bremen war aber eher ein weiterer Rückschritt.

Leverkusens Ömer Toprak (l) macht im Duell mit Florian Kainz keine gute Figur.

Quelle: Marius Becker

Leverkusen. Neuer Trainer, alte Probleme: Ohne Selbstvertrauen, Konstanz und Kreativität taumelt Bayer Leverkusen durch die schlechteste Saison seit 18 Jahren - und macht sich mit seiner Elfmeter-Seuche langsam aber sicher zur Lachnummer.

"Wenn du so ein Geschenk bekommst und nicht triffst, ist das mit unserer Vorgeschichte einfach unfassbar", sagte Sportchef Rudi Völler nach dem verschenkten Sieg beim 1:1 (1:0) gegen Werder Bremen.

Das Debüt von Trainer Tayfun Korkut hätte unter den Augen von dessen Freund Joachim Löw ein demonstrativer Neuanfang werden sollen - stattdessen sah der Bundestrainer eine Demonstration von Bayers Unzulänglichkeiten. Gipfelnd im verschossenen Elfmeter von Ömer Toprak, der in der sechsten Minute der Nachspielzeit Bayers fünften Strafstoß in dieser Saison vergab. "Ich war mir ziemlich sicher, dass ich den reinmache. Leider hat es nicht geklappt", sagte der Kapitän nach seinem Last-Minute-Missgeschick mit leiser Stimme und gesenktem Kopf." Eine weitere bittere Nachricht ereilte ihn am Tag danach.

Der 27-Jährige zog sich in der Partie einen Kapsel-Bandriss im linken Sprunggelenk zu und fällt für das Rückspiel in der Champions League am Mittwoch bei Atlético Madrid (Hinspiel 2:4) aus. Auch Bernd Leno überstand die Partie nicht ohne Blessuren: Dem Keeper wurde in der 65. Minute bei einem Zusammenprall der Nasenknorpel gebrochen und muss operiert werden. Bayer teilte aber am Samstag mit, dass Leno "voraussichtlich im Vicente Calderón auflaufen" kann.

Korkut hatte sein erstes Spiel für Bayer leidenschaftlich mitgelebt. Er tigerte wild gestikulierend auf und ab, lobte und haderte, jubelte und schimpfte. Doch nach dem Abpfiff wirkte der Nachfolger von Roger Schmidt schon sichtlich ernüchtert und behalf sich mit Durchhalteparolen. Solche Geschichten schreibe eben der Fußball, man müsse den Kopf hochhalten und nach vorne schauen.

Die Probleme sitzen deutlich tiefer, als dass sie durch eine bloße Änderung auf der Trainer-Position gelöst werden könnten. "Elfmeter sind eben Nervensache. Und die Nerven haben wir im Moment nicht", erklärte Völler. Und Toprak ergänzte: "Dass wir heute das perfekte Spiel machen, konnte niemand erwarten."

Der vermeintliche Start zur Aufholjagd in Richtung Europa blieb aus, und so wurde Korkut nach seinem ersten Spiel gar gefragt, ob er den Blick auch auf die Abstiegszone richte. "Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht", entgegnete er: "Wir schauen überhaupt nicht nach unten." Doch die Europa League ist für Bayer mit Leistungen wie am Freitag nicht mehr zu erreichen. Leverkusen wird sich am Mittwoch bei Atlético Madrid (Hinspiel 2:4) wahrscheinlich aus der Champions League verabschieden - und das wohl für mehr als ein Jahr. 

Dafür nähert sich Werder dank zweier Helden seinem Ziel Klassenerhalt immer mehr. Neben Torhüter Felix Wiedwald, der den Strafstoß parierte, war dies Claudio Pizarro. Der 38-Jährige erzielte in seinem 200. Spiel für die Bremer mit dem Bauch das 1:1 (79.). "Er bringt eine Ausstrahlung auf den Platz, vor der jeder Gegner Angst hat", lobte Wiedwald.

Eine Ode auf den Torhüter stimmte derweil Abwehrspieler Robert Bauer an. "Wiedi ist im Moment unglaublich, Wahnsinn", schwärmte er: "Vielleicht hat er so ein Spiel wie gegen Mainz gebraucht, in dem er zum Superhelden geworden ist. Seitdem rettet er uns einen Punkt nach dem anderen."

Am Freitag sorgte der lange kritisch beäugte Schlussmann auch für Erleichterung bei Maximilian Eggestein, der mit einem dummen Foul den Elfmeter verursachte. "Ich dachte nur: Scheiße, jetzt verlieren wir wegen mir", erzählte der 20-Jährige nach dem Spiel - und konnte schon wieder lachen: "Wiedi sei Dank!"

dpa

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