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Bayerns Nostalgietrip: 3:0 und viel "Fußballromantik"

Fußball Bayerns Nostalgietrip: 3:0 und viel "Fußballromantik"

Nach 33 Jahren traf der SV Darmstadt in der Bundesliga erstmals wieder auf den FC Bayern. Für den Meister war es ein Ausflug wie ins Fußball-Museum.

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Die Bayern gewannen den «Nostalgietrip» in Darmstadt mit 3:0.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Darmstadt. Klagen über die Kabine gab es beim FC Bayern nicht. "Der Trainer hat ja gesagt, ich komme mit dem Putzeimerchen vorbei, aber das war gar nicht nötig", erklärte Klaus Rüdiger Fritsch, Präsident des SV Darmstadt 98, nach dem "Spiel des Jahres" lächelnd.

"Alles hat schön nach Meister Proper gerochen." Den Nostalgietrip ans Böllenfalltor konnte der deutsche Meister aus München so richtig genießen - angesichts des souveränen 3:0 (1:0)-Erfolgs und des fünften Sieges am fünften Bundesliga-Spieltag. "Die Atmosphäre ist Fußball, die Kabine ist Fußball", meinte Pep Guardiola.

Der Spanier erinnerte am Samstag daran, dass er als Trainer in der vierten Liga angefangen hatte: "Im Vergleich dazu ist dieses Szenario hier Wahnsinn!" Über den Umkleideraum im Stil der 70er Jahre war vor der Partie zwischen dem Aufsteiger und der "vielleicht besten Mannschaft der Welt" (98-Coach Dirk Schuster) viel gesprochen und geschrieben worden. Am Ende aber sind die Bayern-Profis ohne Fußpilz und frisch geduscht wieder abgereist.

Der eine oder andere hatte sich vielleicht etwas gewundert, was da alles in den engen Gängen und Winkeln der Stadionkatakomben herumsteht: ein Tischkicker zum Beispiel, ein altes Terrarium mit einer grüner Echse. Und an den Wänden hängt ein Foto mit einem Spruchband der Fans: "Hier ticken die Uhren noch anders."

Direkt unter den Stufen der Haupttribüne drängten sich im Halbdunkel nach dem Abpfiff auf wenigen Quadratmetern viele Journalisten um ein paar Bayern-Profis. "Es ist eine super Stimmung hier gewesen", sagte Thomas Müller. Er hatte vor zehn Jahren mit der B-Jugend hier schon mal gespielt und wurde diesmal bis zur 68. Minute geschont. Beim Warmlaufen mit Philipp Lahm begrüßten die "Lilien"-Fans das Weltmeister-Duo mit ironischen Gesängen: "Ihr seid nur Auswechselspieler". Müller lächelte hinauf in die Zuschauerränge und winkte kurz.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Münchner ihre Pflichtaufgabe zwischen Champions-League-Auftritt bei Olympiakos Piräus und Spitzenspiel gegen den VfL Wolfsburg am Dienstag erledigt und bleibt ungeschlagen. Vor 17 000 Zuschauern trafen der zuletzt von Franz Beckenbauer als "Standfußballer" gescholtene Arturo Vidal (20. Minute) und Kingsley Coman (62.) - beide erstmals in der Bundesliga - sowie Sebastian Rode (63.).

Beim erstmals in dieser Saison geschlagenen SV Darmstadt war dann doch deutlich zu sehen: Hier spielte ein Team mit einem Lizenzspieler-Etat von 20 Millionen gegen ein etwa 190 Millionen teures Starensemble. Die "Lilien" hatten zwar zwei Konterchancen in der ersten Halbzeit durch Dominik Stroh-Engel und Marcel Heller, hetzten ansonsten aber Ball und Gegner hinterher, bis sie nicht mehr konnten. "Da haben wir etwas optimistisch und naiv verteidigt. Dann hat es zweimal gescheppert - und das Spiel war erledigt", meinte Chefcoach Dirk Schuster zu den beiden Gegentoren nach dem Wechsel. Ansonsten sei "die normalste Sache der Welt" passiert: "Bayern München hat in Darmstadt gewonnen."

"Wir Trainer sind heute sehr, sehr zufrieden", meinte Guardiola. "Hier haben in den letzten beiden Jahren nur sehr, sehr wenige gewonnen." Die Neuzugänge Kingsley Coman und Joshua Kimmich bestritten ihre erste Partie von Anfang an. Auch Rode, der in der Jugend für die "Lilien" kickte, stand in der Startformation. Ihm attestierte Sportvorstand Matthias Sammer eine "Monstermentalität".

Ansonsten schwärmte Guardiola vom ungewohnt bescheidenen Ambiente in der maroden Arena, auch wenn er sich auf der Bank mal ein paar Steinchen aus dem edlen Lederschuh schütteln musste. Sammer hatte bereits vor dem Anpfiff versichert: "Wir fühlen uns sauwohl hier, weil es ein bisschen Fußballromantik ist."

Die berühmte Kabine wollte dann doch auch Karl-Heinz Rummenigge und seine Vorstandskollegen sehen. "Sie dürfen hier nicht rein! Sie müssen ihre Karte zeigen", meinte ein Ordnerin zu den Herren in den Anzügen freundlich. "WIR dürfen hier rein", meinte Rummenigge ebenso freundlich." Durften sie eben nicht: Die Tür mit dem Emailleschild "Kabine 1" war von innen verschlossen.

dpa

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