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DOSB-Chef Hörmann: "Kopf in den Sand" nicht die Lösung

Sportpolitik DOSB-Chef Hörmann: "Kopf in den Sand" nicht die Lösung

Das Referendum am Sonntag in Hamburg über ein Ja oder Nein zur Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 kommt nicht zu einem idealen Zeitpunkt: Terrorgefahr, Flüchtlingsprobleme und große Skandale im Sport. Doch DOSB-Chef Hörmann glaubt an ein Votum pro Olympia.

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DOSB-Präsident Alfons Hörmann erwartet ein Ja für die Olympischen Spiele in Hamburg 2024.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Düsseldorf. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hofft trotz der Terroranschläge von Paris beim Referendum am Sonntag in Hamburg zur Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 auf ein Ja.

"Ich stelle deutlich und klar eine positive Tendenz nach dem Motto fest: Jetzt erst recht!", sagte Alfons Hörmann im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "'Kopf in den Sand' kann nicht die Lösung sein."

Es scheint, als gäbe es keinen schlechteren Zeitpunkt für eine Olympia-Bewerbung: Terror in Paris, das Flüchtlingsproblem, der Doping-Skandal in Russland und der Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverbandes FIFA sowie die DFB-Affäre um die WM 2006 hält nicht nur die Sportwelt in Atem. Wie negativ kann sich das auf das Referendum auswirken?

Alfons Hörmann: Wir sehen in dem Projekt der Olympischen und Paralympischen Spiele genau das Gegenteil: den Aufbruch in eine gute Zeit des Sports. Angesichts all dieser Probleme ist es doch umso wichtiger, Ziele mit Hoffnungsaspekt zu formulieren und dann konsequent zu verfolgen. "Kopf in den Sand" kann nicht die Lösung sein.

Ist die Skepsis der Menschen nach dem Terror und den Sportskandalen gewachsen, ob eine Olympia-Bewerbung noch richtig ist?

Hörmann: Ich bin zurzeit viel bei Veranstaltungen in Hamburg und in ganz Sportdeutschland unterwegs und stelle dabei deutlich und klar eine positive Tendenz nach dem Motto fest: Jetzt erst recht! Meiner Meinung nach steht die Nation gerade jetzt spürbar zusammen.

Bei der jüngsten repräsentativen Umfrage haben sich nur noch 56 Prozent für eine Hamburger Bewerbung ausgesprochen, im September waren es noch 63 Prozent; bundesweit fiel die Zustimmung von 66 auf 60 Prozent. Wie passt das zusammen?

Hörmann: Diese Umfrage wurde vor den Terroranschlägen von Paris gemacht, aber erst danach veröffentlicht. Wir haben dann noch ganz kurzfristig eine bundesweite Umfrage in Auftrag gegeben, um die tagesaktuelle Stimmungslage im Land einschätzen zu können. Diese Umfrage bestätigt meine Eindrücke: Im Vergleich zu Anfang November stieg nach den Anschlägen die Zustimmung zur Olympia-Bewerbung bundesweit wieder deutlich von 60 auf 64 Prozent. Und zwei Drittel der Deutschen bewerten das Projekt so, dass nicht nur Hamburg, sondern unser ganzes Land profitieren werden. Ein sehr erfreuliches Fazit.

Olympische Spiele verhindern keine Kriege, lösen keine globalen Probleme. Sind sie nur ein Ort der Glückseligkeit auf Zeit?

Hörmann: Nein, das sehe ich nicht so. Die Olympischen Spiele sind nur die Spitze der olympischen Bewegung. Und man darf auch die Bewerbung um die Spiele nicht auf die zweieinhalb Wochen der Austragung reduzieren. Man muss das als Gesamtprojekt für die kommenden Jahrzehnte sehen. Und da stelle ich fest: Der Sport ist Völkerverständigung in Reinkultur.

Paris ist Schauplatz des Terrors gewesen, Paris ist Mitbewerber um die Sommerspiele 2024. Könnte das die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht bewegen, als Symbol der Freiheit und gegen den Terror die Spiele nach Paris zu vergeben?

Hörmann: Paris hat uns in den letzten Tagen im Sinne von Trauer und Mitleid so viel beschäftigt, dass kein Mensch im besten Sinne des Wortes einen Gedanken daran verschwendet hat, ob das, was Schreckliches passiert ist, in irgendeiner Form Auswirkungen im Guten wie im Schlechten haben könnte. Insofern beschäftigt uns rund um Paris vieles, aber nicht, ob es für jemanden Vor- oder Nachteile hat.

Was für eine Prozentzahl bei dem Referendum würde reichen und der Bewerbung auf internationaler Ebene Rückenwind geben?

Hörmann: Ganz einfach: die Mehrheit der Stimmen und eine möglichst gute Wahlbeteiligung. Die gute Wahlbeteiligung zeichnet sich deutlich erkennbar ab, so dass ich relativ zuversichtlich bin, dass wir die 50-Prozent-Marke bei der Beteiligung sozusagen übersteigen werden. Das wäre ein deutliches Signal, dass sich die Stadtgesellschaft vorbildlich mit dem Thema beschäftigt hat. Alles, was über 50 Prozent an Zustimmung liegt, gilt unter Demokraten als Legitimation, weiterzumachen. Dass jeder Prozentpunkt mehr angenehm und hilfreich und ein Bonbon wäre, ist klar.

Die Zusage des Bundes für den von Hamburg gewünschten Zuschuss von 6,2 Milliarden Euro für das Olympia-Projekt fehlt noch immer. Wird der Bund die Summe zahlen?

Hörmann: Ich mache mir keinerlei Sorgen, dass es nicht gelingen wird, eine einvernehmliche und vernünftige Lösung zu finden. Kein geringerer als SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat zuletzt in Hamburg gesagt, an diesem Thema werden Olympische und Paralympische Spiele nicht scheitern. Das ist zwar keine finale Zusage, aber eine Antwort aus einer Regierungspartei, die man als Bestätigung unserer großen Zuversicht nehmen kann, dass die Gespräche zwischen Berlin und Hamburg konstruktiv verlaufen. Vizekanzler Sigmar Gabriel hat sich zwei Wochen zuvor im gleichen Sinne geäußert.

Ist ein Finanzdesaster wie bei der Elbphilharmonie in Hamburg denkbar?

Hörmann: Ich bin auch als Unternehmer felsenfest davon überzeugt, dass der Finanzplan für das Olympia-Konzept absolut seriös gerechnet ist und dass aus der Elbphilharmonie Lehren gezogen wurden, die dort eingeflossen sind. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, würde ich es auch aus Sicht des DOSB nicht mittragen. Eine nicht ordnungsgemäße Finanzplanung ist keine akzeptable Perspektive. Soviel Egoismus trage ich in mir: Ein daraus resultierendes Negativ-Schicksal möchte ich mir und meinen Wegbegleitern ersparen.

In Hamburg stößt bei NOlympia der Host-Vertrag mit x-Garantien sauer auf. Für Kritiker ist es ein Knebelvertag, den das IOC den Städten auferlegt. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Hörmann: Ein gesundes Misstrauen ist doch nachvollziehbar und eher hilfreich. Das haben nicht nur Olympia-Gegner. Auch wir prüfen genau, was wir unterschreiben und was man ethisch-moralisch mit gutem Gewissen vertreten kann. Da ist es ein weiterer Fortschritt, dass der Vertrag vorab veröffentlicht wurde - als ein deutliches Signal, dass man nichts zu verbergen hat. Dass bei einem solchen Projekt jeder Vertragspartner Rechte und Pflichten hat, liegt in der Natur der Sache. Das IOC gibt nicht nur das Recht, Olympische und Paralympische Spiele auszurichten, sondern bringt 1,7 Milliarden Dollar als Zuschuss in die Stadt. Da ist es nur natürlich, dass es gewisse Garantien verlangt, dass die Spiele auch durchgeführt werden. Die Stadt könnte ja auch jederzeit sagen, bis hier hin und nicht weiter. Die Offenlegung hat aber viele Fragezeichen beseitigt, die vorher als nebulöse Vorstellungen im Raum standen.

Was für Auswirkungen hätte ein Nein für den deutschen Sports?

Hörmann: Wir sehen in der Olympia-Bewerbung den dringend notwendigen Rückenwind für ganz Sportdeutschland und einen wichtigen Impuls für die Sportbewegung und den Stellenwert des Sports in der Gesellschaft. Wenn dieser Impuls nicht kommen würde, werden wir den Sport trotzdem weiterentwickeln. Ich mache aber auch keinen Hehl daraus, dass uns dann wertvolle und wichtige Effekte fehlen werden. Statt mit Rückenwind werden wir in dem Fall eher im Gegenwind weiterarbeiten.

dpa

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