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FIFA-Skandal: Was passiert nach und mit Blatter?

Fußball FIFA-Skandal: Was passiert nach und mit Blatter?

Die erste Welle der Erregung ist nach der Rücktrittsankündigung von Joseph Blatter kaum verebbt, da kommen neue Details über das Gebaren von FIFA-Funktionären ans Licht.

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Die FIFA steht nicht nur vor personellen Veränderungen, auch strukturell wird eine Neuordnung gefordert.

Quelle: Ennio Leanza

Zürich. Mehr als die Aussagen von Chuck Blazer muss der scheidende FIFA-Chef aber wohl die Drohungen seines ehemaligen Kompagnons Jack Warner fürchten.

Abseits aller Ermittlungen um Korruption und Sumpf im Welt-Fußball läuft die Debatte über die Neuordnung der FIFA. Für eine Neuvergabe der umstrittenen Weltmeisterschaften in Russland und Katar gibt es aber noch keine rechtliche Grundlage.

 

Was bedeutet die Veröffentlichung des Gerichtsprotokolls mit den Aussagen von Chuck Blazer für die FIFA und für Blatter?

 

Nun ist es aktenkundig. Vor den WM-Vergaben 1998 und 2010 flossen Millionen Dollar aus Afrika an Funktionäre der FIFA in den USA und der Karibik. Chuck Blazer übernimmt die Verantwortung, Namen von Komplizen werden nicht genannt. Dass Jack Warner dabei war, ist aber evident. Der Name Blatter fällt nicht. Alles andere wäre auch überraschend gewesen. Der Weltverband kann sich wieder einmal rausreden, dass Blazer und Warner nicht mehr Teil der Familie sind. Eigentümlich erscheint, dass Blazer eine 10-Millionen-Zahlung aus Südafrika als Bestechung einordnet, FIFA-Generalsekretär Jérome Valcke in diesem Vorgang aber eine normale Spende für die Fußball-Entwicklung in Mittelamerika sieht.

 

Wie ernst sind die Warnungen von Jack Warner an Blatter?

 

Warner, als FIFA-Vize bis 2011 ein enger Vertrauter Blatters, ist neben Blazer die zentrale Figur im aktuellen Korruptionsskandal. Schon nach seiner erzwungenen Demission vor vier Jahren kündigte er einen "Tsunami" an Informationen an. Es kam nichts. Diesmal soll es eine Lawine sein. Die Frage ist, ob sich Warner nur interessant machen will oder ob er tatsächlich belastendes Material hat. Das könnte er im juristischen Kuhhandel für eine geringe Strafe einsetzen, sollte er an die USA ausgeliefert werden. In seiner Heimat Trinidad und Tobago ist er als Ex-Sicherheitsminister bestens vernetzt.

 

Gibt es jetzt auch Verdachtsmomente gegen das deutsche Sommermärchen 2006?

 

Bislang tauchte die WM 2006 in keinen Ermittlungsakten auf. Daher sind alle Vermutungen pure Spekulation. Im Raum steht weiter eine trotzige Aussage von Blatter aus dem Jahr 2012, als er, von deutscher Kritik gekränkt, sagte: "Gekaufte WM... Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ." Er spielte auf die ungewöhnliche Wahlenthaltung des Neuseeländers Charles Dempsey an, die die Vergabe an Deutschland erst möglich machte. Der DFB wies alle Vorwürfe empört zurück. Fragen wirft nach wie vor eine ungewöhnliche Serie von drei Testländerspielen in fünf Tagen kurz vor Weihnachten 2004 in Japan, Südkorea und Thailand auf. Kritiker sehen in ihr weiterhin eine Gefälligkeit für den WM-Zuschlag. Aber: Belegt ist überhaupt nichts.

 

Warum verkündete Joseph Blatter überhaupt seinen Rückzug?

 

Die Motive des FIFA-Dauerregenten sind weiterhin nicht zweifelsfrei geklärt. Blatter selbst spricht von der "Liebe zur FIFA", seine Tochter Corinne meint, ihr Vater wolle die Familie vor weiteren Angriffen schützen. Doch über allem schweben weiter die Berichte aus Amerika, das FBI sei auch gegen Blatter aktiv oder aktiv gewesen. Solche Ermittlungen der US-Polizei wären ein harter Schlag für den Schweizer und würden - sofern offiziell bestätigt - auch das sofortige Ende seiner FIFA-Herrschaft bedeuten. Der Plan, die FIFA noch bis zum Sonderkongress zu führen, wäre hinfällig.

 

Was ist der Stand der Schweizer Ermittlungen zu den WM-Vergaben 2018 und 2022?

 

Im Ermittlungsverfahren der Schweizer Justiz zu den WM-Vergaben 2018 und 2022 laufen offenbar die Auswertungen der Zeugenbefragungen führender Wahlmänner von FIFA-Vize Issa Hayatou bis Spaniens Spitzenmann Angel Maria Villar Llona. Auch Franz Beckenbauer steht als ehemaliges Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees auf der Zeugenliste der Schweizer Ermittler. Mittlerweile soll auch das FBI ermitteln. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

 

Welche Auswirkungen hat der Blatter-Rücktritt für die WM-Gastgeber Russland und Katar?

 

Von vielen Seiten wird nun eine Neuvergabe der umstrittenen WM-Entscheidung gefordert. Englands Regierung biedert sich schon als Ersatzgastgeber für 2022 an. Dies ist politisch motiviert. Eine neue rechtliche Grundlage gibt es nicht. Die WM-Verträge der FIFA haben nichts mit der Person des Präsidenten zu tun. Ändern könnte sich die Situation, wenn die Schweizer Justiz belastendes Material findet, gegen Blatter, Valcke oder einen Wahlmann von 2010. Der nächste FIFA-Präsident nimmt die Altlast Russland und Katar aber wohl mit in seine erste Amtszeit.

 

Was passiert jetzt bei der FIFA?

 

Blatter will bis zu seinem Abschied noch manche Reform anstoßen, die er bislang nicht forcierte - inklusive einer Amtszeitbeschränkung für seinen Nachfolger und einer Neuordnung des Exekutivkomitees. Böse Zungen könnten meinen: Er konnte das Spiel nicht gewinnen, aber seinen Nachfolgern symbolisch den Rasen kaputt treten.

Bis zum außerordentlichen Wahlkongress wird noch einige Zeit vergehen. Das Exekutivkomitee tagt erst wieder am 24. und 25. September. Das Gremium muss den Sonderkongress einberufen. Dann sind laut FIFA-Statuten noch vier Monate zur Vorbereitung notwendig. Blatter will die Geschäfte vorläufig weiter führen.

 

Wer wird Nachfolger von Joseph Blatter?

 

Die Spekulationen laufen längst. UEFA-Chef Michel Platini will sich wieder einmal nicht frühzeitig festlegen, muss aber in die Bütt, will er nicht wieder als Feigling dastehen. Der geschlagene Prinz Ali bin al-Hussein will es auch nochmal versuchen, kann dann aber wohl nicht mehr mit europäischer Wahlhilfe rechnen. Heißer Kandidat ist der Multifunktionär Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein gewiefter Machtmensch und Bündnispartner von IOC-Chef Thomas Bach.

dpa

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