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Kalkül oder fatale Nibelungentreue? - Zeitspiel der UEFA

Fußball Kalkül oder fatale Nibelungentreue? - Zeitspiel der UEFA

Europas Fußball-Bosse demonstrieren nach außen Einigkeit, im Innern der UEFA aber brodelt es gewaltig. Die Zukunft von Verbandspräsident Michel Platini wird auch für DFB-Chef Wolfgang Niersbach & Co. zur Moral- und Glaubensfrage. Erst einmal spielt die UEFA auf Zeit.

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UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino verkündet bei einer Pressekonferenz die Unterstützung für Michel Platini.

Quelle: Jean-Christophe Bott

Nyon. Nach dem "Gefecht von Nyon" drohen der UEFA in der Debatte um den suspendierten Verbandschef Michel Platini neue Grabenkämpfe. Mit Spannung wird nun die Sitzung der Exekutive des Weltverbandes FIFA am Dienstag in Zürich erwartet.

Auch wenn sich die 54 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union UEFA und das Exekutivkomitee mit dem deutschen Vertreter Wolfgang Niersbach zu einer gemeinsamen Erklärung pro Platini durchringen konnten, ist die sportpolitische Zukunft des 60 Jahre alten Franzosen offener denn je.

Nach dem "Gefecht" in der UEFA-Zentrale am Genfer See, wie das Gratisblatt "20 minutes" die heftigen und kontroversen Debatten tags zuvor martialisch beschrieb, wollen die Europäer vor allem eine schnelle rechtliche Klärung der Causa Platini. Der UEFA-Chef muss sich wegen der umstrittenen Zwei-Millionen-Zahlung des ebenfalls für 90 Tage suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter verantworten. Juristisch und moralisch.

Noch immer gibt es für die Öffentlichkeit keine schlüssige Erklärung dafür, warum das Geld erst knapp neun Jahre später gezahlt wurde und warum es keine schriftliche Vereinbarung darüber gab. Mit ihrer öffentlichkeitswirksam verkauften Nibelungentreue für Platini spielen die europäischen Top-Funktionäre erst einmal auf Zeit und erweisen ihrem schwer beschädigten Chef ihre Loyalität.

Doch nach aktuellem Stand der Dinge scheint es unmöglich, dass Platini nach dem Ende der Bewerbungsfrist am 26. Oktober die Integritätsprüfung der Ethikkommission überstehen und zur Wahl als neuer FIFA-Chef und Blatter-Nachfolger im Februar zugelassen wird.

Längst laufen also die Debatten über einen Plan B. Am Dienstag trifft Niersbach in Zürich seine Kollegen aus der FIFA-Regierung. Spätestens dann werden wohl weitere Weichen gestellt: Sollte es einen europäischen Alternativ-Kandidaten geben, auf den sich im besten Fall die 54 UEFA-Nationen einigen können, auch wenn dieser nicht Platini heißt? Oder ist sogar eine Unterstützung des Jordaniers Prinz Ali bin al-Hussein oder des möglicherweise kandidierenden asiatischen Verbandschefs Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa denkbar?

Kaum vorstellbar, dass die Europäer auf einen eigenen Kandidaten verzichten wollen. Gehandelt werden immer wieder die Namen des Niederländers Michael van Praag und von DFB-Chef Niersbach. Van Praag ließ immerhin durchblicken, dass er Platini zwar die Chance auf ein faires Verfahren zubillige, inhaltlich aber durchaus Zweifel an der Integrität des früheren Weltklassespielers hegt.

"Die moralische Seite dieser Angelegenheit ist natürlich sehr interessant. Erst mal will ich mich zurückhalten und das Ergebnis der juristischen Verfahren abwarten. Dann können wir auch über Moral sprechen", sagte der niederländische Verbandschef, der sich zu eigenen Ambitionen aber zunächst nicht äußerte.

Niersbach verließ die UEFA-Zentrale ohne Kommentar, er wird sich aber in den kommenden Tagen positionieren müssen. Einerseits ist der DFB-Boss Platini seit Jahren freundschaftlich verbunden, andererseits rückte er zuletzt mit der einen oder anderen Aussage auch vorsichtig vom Franzosen ab. In der Wochenzeitung "Die Zeit" sprach Niersbach von einem "Rucksack" der Vorwürfe, der "einen möglicherweise in die Knie zwingen" könnte.

Ob es einen FIFA-Präsidenten Platini geben kann und wird, entscheidet sich vermutlich schon sehr bald. Juristisch muss letztinstanzlich der Internationale Sportgerichtshof CAS urteilen. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino räumte in der Debatte über den Plan B aber bereits ein: "Was immer in den nächsten Tagen passiert, wird diskutiert werden. Wenn jemand anders sich auftut, dann wird man sehen."

dpa

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