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Klinsmann muss als US-Coach gehen

Fußball Klinsmann muss als US-Coach gehen

Er selbst hat bis zuletzt an seinen Verbleib als US-Coach geglaubt, doch jetzt ist klar: Jürgen Klinsmann ist seinen Posten los. Dabei war der Start des Weltmeisters von 1990 vor gut fünf Jahren als "neue Ära" angekündigt worden. Seitdem aber ist vieles zu Bruch gegangen.

Jürgen Klinsmann wurde als US-Nationaltrainer beurlaubt.

Quelle: Erik S. Lesser

Chicago. Es war eine Mischung, die so gut zu passen schien: Hier der deutsche Fußball-Enthusiast Jürgen Klinsmann, der zuvor schon dem DFB-Team neues Leben eingehaucht hatte. Und dort der amerikanische Verband, der verzweifelt nach Orientierung suchte. Doch die Stimmung hat sich gedreht.

Die Revolution des amerikanischen Fußballs ist fünf Jahre nach Klinsmanns Start vorerst abgeblasen. Nach zuletzt zwei bitteren Niederlagen in der WM-Qualifikation beurlaubte der amerikanische Verband den DFB-Ehrenspielführer von seinem Amt. Bruce Arena, derzeit Coach der LA Galaxys und schon von 1999 bis 2006 Nationaltrainer, ist als Nachfolger im Gespräch.

Die "New York Times" wirft dem geschassten Coach inzwischen neben taktischen Defiziten auch Uneinsichtigkeit vor, die "Washington Post" sieht es ähnlich. Die "L.A. Times" urteilt, der Glaube an die Wirksamkeit von Klinsmanns ständigen Veränderungen sei verloren gegangen. Und die "Chicago Tribune" schrieb sogar, das US-Team sei zu "einer Mannschaft ohne Identität" verkommen, weil Nationalcoach Klinsmann seine Spieler ständig auf ungewohnten Positionen eingesetzt habe.

Als Klinsmann im Sommer 2011 die Nachfolge von Bob Bradley antrat, waren die Erwartungen an den gebürtigen Schwaben immens. "Wir brauchen einen Rockstar als Trainer", hatte Ex-Nationalspieler Alexi Lalas in der Trainerdebatte damals gefordert und sich damit pro Klinsmann ausgesprochen. Der Verband erhoffte sich einen Quantensprung für die Entwicklung der Nationalmannschaft. Verbandschef Sunil Gulati sprach bei der Präsentation seines Wunschkandidaten von einer "neuen Ära". Klinsmann - dieser Name stand damals vor allem für das deutsche Sommermärchen bei der WM 2006.

Der Deutsche, seit inzwischen 18 Jahren in Kalifornien beheimatet, nahm die Rolle als US-Fußball-Messias bereitwillig an - obwohl der Weltmeister von 1990 als Trainer des FC Bayern zuvor krachend gescheitert war. Vertraglich ließ er sich weitreichende Freiheiten zusichern, und er hatte zunächst durchaus Erfolge vorzuweisen: Klinsmann schaffte es mit dem US-Team ins Achtelfinale der WM 2014, ein Jahr zuvor gewann sein Team den CONCACAF Gold Cup.

Vom Rockstar war zuletzt allerdings nicht mehr viel übrig. Dabei war nicht nur das miserable Abschneiden in der Qualifikation für die WM 2018 in Russland entscheidend. Mit null Punkten sind die USA derzeit Tabellenletzter, die Qualifikation für Russland ist in Gefahr.

Klinsmann sorgte fast regelmäßig für Kopfschütteln. Den in den Staaten hochverehrten Superstar Landon Donovan ließ er bei der WM 2014 zu Hause. Seine Taktik wirkte bisweilen willkürlich. Ging etwas schief, wirkte er wenig einsichtig. Und nach dem 1:2 gegen Erzfeind Mexiko zuletzt war es sogar so weit, dass Spieler und Trainer sich in aller Öffentlichkeit widersprachen. Mittelfeldprofi Michael Bradley reagierte auf Kritik von Klinsmann mit der Forderung nach "einer klaren taktischen Marschroute" für die erste Halbzeit.

All das deutete auf Risse hin, die die Verantwortlichen am Ende nicht mehr übergehen konnten. "Wir sind davon überzeugt, dass wir jetzt eine andere Richtung einschlagen müssen", sagte Gulati - räumte jedoch zugleich Klinsmanns Verdienste für den amerikanischen Fußball ein. "Er hat jeden in unserem Verband dazu aufgefordert, neue Wege zu gehen. Dank ihm sind wir als Organisation gewachsen."

Der Geschasste selbst wollte sich am Dienstag zunächst nicht zu seiner Beurlaubung äußern - hatte sich jedoch bis zuletzt davon überzeugt gezeigt, dass er US-Coach bleibe. "Ich habe keine Angst", sagte er der "New York Times" noch kurz vor seiner Beurlaubung. "Fußball ist emotional und manche Menschen urteilen, ohne irgendetwas über den Sport oder das Innere eines Teams zu wissen." Er glaube immer noch, dass er mit seinem Team die nötigen Punkte zur Qualifikation für die WM 2018 in Russland holen werde. Allein: Die Verbandschefs hatten diesen Glauben nicht mehr.

dpa

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