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Neu-Nationalteam Laboureur/Sude plötzlich Favorit

Beach-Volleyball Neu-Nationalteam Laboureur/Sude plötzlich Favorit

Die Olympiasiegerinnen Ludwig/Walkenhorst ringen bei der Beach-WM noch um ihre Form, auch wenn sie wie Borger/Kozuch schon in der K.o.-Runde stehen. Die größten deutschen Medaillenhoffnungen tragen aber eine Medizinstudentin und eine zahnmedizinische Fachangestellte.

Chantal Laboureur (l) und Julia Sude haben bei der WM in Wien vorzeitig die K.O.-Runde erreicht.

Quelle: Sebastian Pucher

Wien. Für Chantal Laboureur ist die ganze Stimmung auf der heißen Donauinsel einfach nur "atemberaubend". Und auch ihre Partnerin Julia Sude ist schon nach zwei lupenreinen Vorrunden-Siegen in Wien ein riesen WM-Fan.

"Es ist der Wahnsinn, wenn du da unten stehst", erklärte die 29 Jahre alte Beachvolleyball-Spielerin aus Friedrichshafen. 10 000 Zuschauer fasst der gigantische Centercourt, auf dem 50 Grad in der Sonne gemessen wurden. Die Fans feiern eine unendliche Party.

Und auch sportlich stimmt es: Die temperamentvolle Laboureur und die eher ruhige Sude haben schon als drittes deutsches Frauen-Duo nach Laura Ludwig und Kira Walkenhorst sowie Karla Borger und Margareta Kozuch vorzeitig die K.o.-Runde erreicht - und tragen plötzlich die größten WM-Hoffnungen der schwarz-rot-goldenen Beach-Gemeinde. Victoria Bieneck und Isabel Schneider (Berlin/Leverkusen) erhielten sich mit einem 2:0 (21:19, 21:13) gegen Teresa Strauss und Katharina Holzer aus Österreich die Chance auf das Sechzehntelfinale.

Markus Böckermann und Lars Flüggen (Hamburg) droht nach der zweiten Gruppen-Niederlage dagegen schon das Aus nach der Vorrunde. Das einzige deutsche WM-Männerteam unterlag den Letten Aleksandrs Samoilovs und Janis Smedins mit 0:2 (19:21, 15:21).

Während die Olympiasiegerinnen Ludwig/Walkenhorst (Hamburg) trotz zwei Vorrundensiegen "noch lange nicht bei 100 Prozent" sind, wie Blockerin Walkenhorst einräumte, präsentieren sich Medizinstudentin Laboureur und die zahnmedizinische Fachangestellte Sude bisher ohne Wackler. Im zweiten Turnierspiel ließen sie dem kubanischen Duo Lidy/Leila mit 2:0 (21:16, 21:14) in 35 Minuten nicht die Spur einer Chance. Die Weltranglisten-Zweiten hatten sich schon vor der WM in Topform gezeigt und auf der Welttour in Gstaad den Sieg geholt.

Erstmals hatte das Duo dabei auch die derzeitige Nummer eins, Larissa/Talita aus Brasilien, geschlagen. "Der Körper mit den Beachvolleyballskills wusste schon lange, dass die Zeit reif dafür ist, gegen solche Teams zu gewinnen. Das weiß jetzt auch unser Kopf und ist zusammen mit unserem Körper gerne bereit, sowas zu wiederholen", sagte die Abwehrspezialistin Laboureur.

Anders als die Golden Girls Ludwig/Walkenhorst, deren Saison wegen diverser Verletzungen und Erkrankungen bisher eine Achterbahnfahrt war, sind Laboureur/Sude voll im Rhythmus. Auch von der Dauerquerelen mit dem Deutschen Volleyball-Verband ließen sich beide sportlich nicht verunsichern. Da sie sich nicht dem neuen Stützpunktsystem des DVV unterordnen wollten, wurde ihnen lange der Status Nationalteam vorenthalten, der wichtige Unterstützung mit sich bringt. Erst kurz vor Wien schwenkte der nationale Verband um.

Allerdings muss das Neu-Nationalteam Laboureur/Sude nun in der K.o.-Phase der WM auch mit dem Favoritenstatus klarkommen. "Das mit der Favoritenrolle haben wir uns nicht ausgesucht, das wurde uns auferlegt. Seitdem müssen wir damit leben und werden ständig darauf angesprochen, was uns bislang ganz gut gelingt", sagte Laboureur in Wien: "Wichtig ist, solche Dinge in positive Energie umzusetzen."

Mit Trainer Ricardo "Vento" Brunale de Andrade haben sich Laboureur/Sude neue Impulse geholt. "Vento ist neu dazugekommen und bringt uns das brasilianische Flair mit Spaß und Emotionen in unser Team", berichtete die 29 Jahre alte Sude: "Er ist sehr erfahren und hat schon einige Teams zu den Olympischen Spielen gebracht." Und genau das ist ihr Fernziel: 2020 in Tokio endlich Olympia zu erleben.

dpa

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