Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Olympia 2024: Hamburg entscheidet für Sport-Deutschland

Sportpolitik Olympia 2024: Hamburg entscheidet für Sport-Deutschland

Der Werbe-Marathon ist beendet, die Ziellinie in Sicht. 1,3 Millionen Hamburger entscheiden am Sonntag, ob sich die Stadt weiterhin um Olympische Spiele bewirbt. Für die Sportfunktionäre geht es um mehr.

Voriger Artikel
Darmstadt gegen Köln: Schuster trifft auf alte Freunde
Nächster Artikel
Aufsteiger Darmstadt trennt sich 0:0 vom 1. FC Köln

Wie stehen die Hamburger Bürger zum Thema Olympische Spiele 2024 in der Hansestadt?

Quelle: Bodo Marks

Hamburg. Top oder Flop? Sportlicher Aufbruch oder weiterer Abwärtstrend im Leistungssport? Die Entscheidung der Hamburger am Sonntag über die Fortsetzung der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 hat nicht nur für die Hansestadt einschneidende Konsequenzen.

Es geht um den Top-Sport in Deutschland schlechthin. "Es geht darum, in der Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen dem erfolgreichen Profifußball und den anderen Sportarten ein annäherndes Gleichgewicht zu schaffen", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. "Wir wollen Sport-Deutschland mit dem Projekt Gutes tun."

Das Referendum wird auch eine Antwort auf die Frage liefern: Passen milliardenteure Großveranstaltungen und Demokratien überhaupt noch zusammen? Vor allem dann, wenn das Volk gefragt wird. In Paris, Rom, Los Angeles und Budapest - allesamt Konkurrenten Hamburgs um Olympia 2024 - werden die Einwohner nicht gefragt.

Hamburg geht da einen Schritt weiter und will die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich wissen, bevor es die Stadt umgräbt. "Am Anfang soll das Referendum stehen, sonst kann man die lange Strecke bis 2024 nicht gehen", sagte Bürgermeister Olaf Scholz. In München vor zwei Jahren, als sich die Stadt und die Region um Winterspiele für 2022 bewerben wollten, lehnten die Einwohner das mehrheitlich in einer Befragung ab.

Hamburg ist optimistischer. Das Werben um die Zustimmung der 1,3 Millionen wahlberechtigten Einwohner in der Elbmetropole hält seit März an. Da hatte sich im nationalen Wettrennen um die Gunst der Sportverbände Hamburg gegen Berlin durchgesetzt und für eine Überraschung gesorgt. Nicht die Hauptstadt mit ihren 3,5 Millionen Einwohnern, das bei sportlichen Großveranstaltungen über deutlich mehr Erfahrung verfügt, sondern das hanseatisch vornehme "Hamburch", das mit internationalen Spitzensport-Veranstaltungen bislang kaum auffiel, darf an den Start gehen.

Der DOSB-Präsident lobt den Hamburger Masterplan als "faszinierendes Konzept. Spiele der kurzen Wege - für die Athleten zum Wohlfühlen und Entspannen". Ein kompaktes Fest am Wasser, dessen Herz mit dem Olympiastadion auf einer Elbinsel liegt, und die meisten Wettbewerbe in einem Radius von zehn Kilometern - das soll auch das IOC zum Schwärmen bringen.

Die gegenwärtige Großwetterlage spielt Hamburg beim Referendum aber nicht in die Karten: Flüchtlingskrise, Terroranschläge in Paris, abgesagtes Fußball-Länderspiel in Hannover, DFB-Affäre, FIFA-Skandal, flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik. "Das ist auch ein ganz besonderer Test", meinte Scholz. "Ich bin sicher, dass sich eine Mehrheit der Hamburger für Olympische Spiele entscheiden wird."

Die Begeisterung in der Hansestadt war allerdings schon mal größer. Im Frühjahr hatten sich noch 64 Prozent pro Olympia entschieden, Anfang November waren es nur noch 56 Prozent. Mittlerweile gibt sich der DOSB-Präsident bescheiden: "Alles, was über 50 Prozent an Zustimmung liegt, gilt unter Demokraten als Legitimation weiterzumachen."

Vor allem in der Woche vor dem Volksentscheid wurde beinahe im Stundentakt die Werbetrommel gerührt. Kaum ein Wirtschaftsverband im Norden, der nicht nochmals seine Unterstützung für Olympia kundtat. Am Dienstag tagten die beiden Regierungskabinette aus Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam und demonstrierten olympische Eintracht. Da hatten die unorganisierten und finanzschwachen Gegner wenig entgegenzusetzen. Zum Schluss kritzelten sie Parolen auf Gehwege: "Kreide verschwindet, Schuldenberge bleiben - NOlympia."

Drei Tage vor Wahlende eilte der mit Flüchtlingskrise und Terrorabwehr eingespannte Bundesinnenminister Thomas de Maizière eigens nach Hamburg, um für das Großprojekt zu werben. Den erhofften Geldsack brachte er allerdings nicht mit. "Es geht um viel Geld. Und da werden wir uns am Ende schon einigen", versprach er. Der Hamburger Senat will, dass der Bund 6,2 Milliarden Euro zuschießt. 1,2 Milliarden würde die Hansestadt übernehmen. Insgesamt sollen die Spiele 11,2 Milliarden Euro kosten. Als Erlöse werden 3,8 Milliarden Euro erwartet.

"Im Konkurrenzkampf mit den Mitbewerbern hat Hamburg das größte Budget. Ausgerechnet die kleinste Stadt kommt mit dem größten Etat. Ich bin gespannt, wie das beim IOC ankommt", sagte der Sportökonom und Ruder-Olympiasieger Wolfgang Maennig. Er sieht die Finanzen auskömmlich kalkuliert. "In der späteren Umsetzung ist es wie beim Hausbau: Wenn die Küche teurer wird, muss man beim Bad sparen."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr