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Olympic Summit stärkt WADA: Mehr Macht und mehr Geld

Sportpolitik Olympic Summit stärkt WADA: Mehr Macht und mehr Geld

Effektiver, stabiler, durchsichtiger: Die WADA soll im Anti-Doping-Kampf weiter vorangehen, der Olympic Summit schlägt aber eine durchgreifende Reform vor. Dopingtests soll künftig eine unabhängige Einheit durchführen. Dennoch bleiben Fragen offen.

Die WADA soll ein globales Anti-Doping-System schaffen.

Quelle: Jean-Christophe Bott

Lausanne. Mehr Macht, mehr Geld, mehr Klarheit: Nach monatelangem Zoff zwischen IOC und WADA haben Sport und Politik ein klares Bekenntnis zur Welt-Anti-Doping-Agentur abgegeben und zugleich tiefgreifende Reformen vorgeschlagen.

Im Kampf gegen Sportbetrüger und deren kriminelles Umfeld soll die WADA bis 2018 ein neues zentralisiertes, globales Kontrollsystem schaffen. Kernpunkt: Die "klare Aufgabentrennung zwischen den regulierenden und testenden Organen". Das bedeutet: Dopingtests soll künftig eine unabhängige Einheit durchführen. Diesen Vorschlag machten die Teilnehmer des fünften Olympic Summit in Lausanne in einer Deklaration.

"Die WADA ist die Plattform in diesem gemeinsamen Kampf", sagte Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nach der vierstündigen Konferenz hinter verschlossenen Türen. Die Teilnehmer machten prinzipielle Vorschläge für "ein stabileres, effizienteres, transparenteres und harmonisierteres" Anti-Doping- System. "Wir können nur Empfehlungen geben. Die Umsetzung kann nur von der WADA selbst durchgeführt werden", meinte Bach. Beschlusskraft hat der Gipfel nicht. Exekutive und der Stiftungsrat der WADA wollen am 19./20. November in Glasgow über das Reformprojekt beraten.

Das gesamte System soll mit Beginn der Olympischen Winterspiele 2018 unabhängig von den Sportorganisationen sein. Sanktionen werde der Internationale Sportgerichtshof CAS verhängen, die WADA weiterhin ihre Aufsichtsfunktion ausüben. Die neue unabhängige Anti-Doping-Testeinheit soll im Rahmen der WADA aktiv werden. Es geht um Gewaltenteilung. "Wir wollen nicht, dass der Ankläger zugleich der Richter ist", betonte der promovierte Jurist Bach.

WADA-Präsident und IOC-Mitglied Craig Reedie, der an dem Gipfeltreffen teilnahm, geht von "bedeutenden zusätzlichen Machtbefugnissen" für die Weltagentur aus. "Der heutige Gipfel war ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg zur Stärkung der WADA und des weltweiten Anti-Doping-Systems", sagte der Brite.

Nach dem Willen der Gipfel-Teilnehmer, unter ihnen die gesamte IOC-Spitze sowie die NOK-Chefs aus China, Russland und den USA, soll die Autorität der WADA gegenüber den nationalen Agenturen gestärkt werden. Um auch Personen im Umfeld verdächtiger Athleten - Trainer, Ärzte, Physiotherapeuten und andere Offizielle - für Dopingverstöße strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, müsse die Gesetzgebung weltweit angepasst werden. "In den meisten Fällen haben wir auf die Entourage der Athleten ja keinen Zugriff", meinte Bach.

Die olympische Bewegung sei bereit, gemeinsam mit den Regierungen zur Aufstockung der WADA-Finanzen beizutragen, wird in dem Positionspapier versichert. Geldspritzen seien jedoch "abhängig von der Umsetzung der Reformen". Derzeit tragen olympische Bewegung und Regierungen jeweils zur Hälfte zum WADA-Budget von rund 27 Millionen US-Dollar (24,1 Millionen Euro) bei.

Das Verhältnis zwischen IOC und WADA war zuletzt stark belastet. Führende IOC-Mitglieder hatten die Agentur heftig kritisiert und zum Sündenbock für die - angeblich - zu späte Aufdeckung des staatlich gesteuerten Dopingsystems in Russland gemacht. Dennoch wurde in Lausanne eine mit Spannung erwartete Frage überhaupt nicht angeschnitten: Wer soll künftig jene Länder bestrafen, die - wie Russland - gegen den WADA-Code verstoßen? Die WADA oder der CAS?

"Erhebliche Zweifel" an der Nachhaltigkeit des Konzepts äußerte die Nationale Anti-Doping-Agentur. "Deutliche Reaktionen auf die aktuellen Geschehnisse sind nicht zu erkennen", sagte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann.

dpa

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