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Peking-Wahl für 2022 sorgt für Novum

Sportpolitik Peking-Wahl für 2022 sorgt für Novum

Das IOC ist mit dem hauchdünnen Votum für Peking als Gastgeber der Winterspiele 2022 auf Nummer sicher gegangen und hat für ein Novum in der Olympia-Geschichte gesorgt.

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Als Peking als Ausrichter verkündet wird brandet bei den Chinesn Jubel auf. Foto: ROLEX DELA PENA

Kuala Lumpur. Die chinesische Metropole wird als erste Stadt nach den Sommerspielen 2008 auch das Winterspektakel ausrichten. Mit nur 44:40-Stimmen bei einer Enthaltung erteilte der 128. Kongress des Internationalen Olympischen Komitees in Kuala Lumpur dem Favoriten im Duell mit Außenseiter Almaty den Zuschlag für die Winter-Ausgabe und bewies damit entgegen der proklamierten Agenda 2020 nur wenig Reformeifer. Mit der Wahl Pekings dürfte dem Gigantismus wohl kaum Einhalt geboten werden, teure Spiele wie in Sotschi sind erneut programmiert.

"Es ist eine sichere und historische Entscheidung", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Sicher, weil China ein guter Organisator von Sportevents sei, und historisch, weil Peking die erste Stadt auf der Welt ist, die nach Sommer- auch Winterspiele ausrichtet. Immerhin fiel das Ergebnis knapper als erwartet aus, was ein Erfolg für Almaty ist. In einem glänzenden Schlussspurt hat es den chinesischen Sportriesen noch ins Wanken gebracht.

"Das Abstimmungsergebnis ist eine Ermunterung, dass man mit einem guten Konzept und einer perfekten Präsentation etwas bewirken kann", meinte Michael Vesper, Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zum Schlussspurt der Kasachen und mit Blick auf die Sommerspiele-Kandidatur von Hamburg 2024. "Almaty war unterm Strich besser", urteilte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Almaty, das für 2014 schon in der Vorauswahl scheiterte, schließt eine dritte Kandidatur nicht aus. "Wenn man ein Schwimmer ist und verliert, ist das kein Grund, nicht wieder in den Pool zu gehen", erklärte Andrej Kryukow, stellvertretende Vorsitzende des Bewerbungskomitees, und fügte enttäuscht hinzu: "Als Athlet gibt es nur Sieg oder kein Sieg und keinen kleinen Erfolg."

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping schrieb nach dem Wahlsieg an IOC-Chef Bach, dass es nun das Bestreben von 1,3 Milliarden Chinesen sei, "fantastische, außergewöhnliche und ausgezeichnete Winterspiele zu präsentieren". Begeistert war Chinas 2,29 Meter langer Basketball-Held Yao Ming: "Vermächtnis ist alles. Peking 2008 erlaubte uns, den olympischen Geist kennenzulernen. Und 2022 gibt uns die Chance, ihn weiterzutragen."

Dagegen halten Menschenrechtler die Wahl Pekings für "einen Schlag ins Gesicht. Das olympische Motto 'Höher, schneller, stärker' ist die perfekte Beschreibung für den Angriff der chinesischen Regierung auf die Zivilbevölkerung", sagte Sophie Richardson, die China-Direktorin von Human Rights Watch. Zudem wurde am Freitag auch vor verschärfter Verfolgung von Bürgerrechtlern und Unterdrückung von Minderheiten gewarnt. Für die Tibet Initiative Deutschland habe das IOC "die falsche Botschaft an die falschen Leute zur falschen Zeit gesendet".

Den Ausschlag für den Erfolg Pekings hat nach Ansicht Bachs die mit dem Spiele-Zuschlag verbundene Entwicklung eines großen Skigebiets in Yanqing gegeben. "Es ermöglicht 300 Millionen Menschen in China den Zugang zum Wintersport", sagte Bach. "Das war der kleine Unterschied."

Die Niederlage des Außenseiters aus Kasachstan ist jedenfalls ein Dämpfer für die Reformbestrebungen des IOC und seiner Agenda 2020. Sie soll kleineren Ländern ermöglichen, Olympia-Ausrichter zu werden. "Peking hat sich die Agenda 2020 schon zu eigen gemacht", entgegnete Bach vorsorglich der aufkommenden Kritik.

Vielleicht hat auch der Einfluss von Peking-Befürworter Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah, der schon bei Bachs Wahl zum Präsidenten Schützenhilfe geleistet haben soll, noch seinen Einfluss geltend gemacht. In den Tagen vor der Wahl hielt das kuwaitische IOC-Mitglied jedenfalls offen in der Lobby eines Nobelhotels Hof und viele seiner Funktionärs-Kollegen kamen zu ihm. "Almaty sollte es noch einmal versuchen", empfahl Al-Sabah den Unterlegenen.

Almaty überzeugte mit einem athletenfreundlichen Konzept und am Ende noch mit einer fulminanten finalen Präsentation. "Wir sind eine goldene Gelegenheit zu zeigen, dass kleine Länder erfolgreiche Winterspiele organisieren können", hatte Kasachstans Ministerpräsident Karim Massimow vergeblich appelliert. Die Millionenstadt am Fuße des Thien-Than hatte mit Low-Budget-Spielen, kurzen Wegen und echtem Schnee geworben - ohne Erfolg.

Das Winterspiele-Konzept von Peking ist dagegen nicht nur auf viel Kunstschnee aufgebaut, sondern steht auch sonst im erheblichen Kontrast zu Almaty. Die alpinen Ski-Wettbewerbe, Bob, Rodeln und Skeleton sollen in dem zwischen Peking und Zhangjiakou gelegenen Yanqing stattfinden. Die Hälfte der rund 100 Olympiasiege wird in den Bergen im rund 190 Kilometer entfernten Zhangjiakou vergeben. Ein Hochgeschwindigkeitszug soll die Fahrtzeit dorthin auf 70 Minuten verkürzen; die nach Yanqing auf rund 20 Minuten.

Die neue Bahnverbindung wird ebenso Milliarden Euro kosten wie der Ausbau des Skigebiets von Yanqing. Sotschis verschwenderische Spiele von 2014 lassen grüßen! Dafür werden in Peking für die Hälfte der Eissportarten Bauten von den Sommerspielen 2008 genutzt. Aus dem Water-Cube, einst die olympische Schwimmarena, soll der Ice-Cube für Eishockey werden. Außerdem werden im berühmten "Vogelnest"-Stadion die Eröffnungs- und Schlussfeiern zelebriert werden.

dpa

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