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Personalchaos beim HSV: Aufsichtsratschef Gernandt tritt ab

Fußball Personalchaos beim HSV: Aufsichtsratschef Gernandt tritt ab

Nach der früh öffentlich gewordenen Entmachtung von Vorstandschef Beiersdorfer beim HSV zieht Karl Gernandt die Konsequenzen. Er legt den Vorsitz im Aufsichtsrat nieder. Keine guten Vorzeichen vor dem Antritt von Bruchhagen am Mittwoch als neuer Vorstandschef.

Karl Gernandt ist «entsetzt, mit welchen Kräften im Verein» die Weiterentwicklung des HSV riskiert wird.

Quelle: Axel Heimken

Hamburg. Unstimmigkeiten, Indiskretionen und eine bittere Abrechnung: Der neue Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist noch gar nicht im Amt, da sorgen bereits die nächsten personellen Querelen beim Hamburger SV für Missstimmung.

Wenige Tage nach der Entmachtung von Dietmar Beiersdorfer zog Karl Gernandt mit seinem Rücktritt als Aufsichtsratschef die Konsequenzen aus dem monatelangen Zwist im wichtigsten Gremium des Hamburger SV.

"Ich kann und werde nicht die Hauptverantwortung für so ein Verhalten tragen und bin entsetzt, mit welchen Kräften im Verein und im Aufsichtsrat die sportliche und langfristige Weiterentwicklung riskiert wird. Wenn persönliche Motive über professionelles Verhalten gestellt werden, macht dies nachhaltige Führungsarbeit unmöglich", wird Gernandt auf der Homepage des Vereins am Dienstag zitiert. Hintergrund waren die Indiskretionen rund um die Freistellung des Vorstandsvorsitzenden Beiersdorfer.

Das Beben beim Bundesliga-Dino wird auch Bruchhagen überraschen, der am Mittwoch eigentlich von Gernandt als neuer Vorstandschef beim Tabellen-16. vorgestellt werden sollte. Der ehemalige Frankfurter Club-Chef muss nun schnell einen sportlichen Leiter präsentieren, der die Transfers im Winter abschließen soll. Beiersdorfer ist offiziell noch bis zum 22. Dezember für die sportlichen Belange verantwortlich.

Unterdessen äußerte sich der geschasste Beiersdorfer erstmals nach seiner Abberufung ausführlich zu Wort. "Klar bin ich enttäuscht und kann die Entscheidung auch nicht verstehen", sagte der 53-Jährige der "Bild"-Zeitung. Der Beschluss des Aufsichtsrats habe ihn aber nicht unerwartet getroffen: "Wir hatten nach zehn Spielen zwei Punkte, das erschüttert einen Club." Aber natürlich wünsche man sich "mehr Vertrauen und Loyalität für die Dinge, die ich zusammen mit unserem Team auf den Weg gebracht habe. Vor allem, weil ich überzeugt bin, dass wir auf dem richtigen Weg sind".

Der HSV hatte am Sonntagabend den Wechsel an der Spitze öffentlich gemacht. Der Aufsichtsrat habe einen Vorsitzenden "mit einer anderen Charakteristik" gewollt, meinte der Ex-Boss. "Einen, der nach außen stärker auftritt und auch mal auf den Tisch haut." Er habe aber seinen eigenen Stil "und von dem bin ich überzeugt. Er passt zum HSV, zumindest wie ich unseren HSV sehe".

Nach Beiersdorfer rückte am Dienstag die Personalie Gernandt in den Vordergrund. Der 56-Jährige arbeitet für das Unternehmen Kühne + Nagel und ist im Aufsichtsrat der verlängerte Arm von HSV-Investor Klaus-Michael Kühne. Der Manager war seit Mai 2014 Aufsichtsratsvorsitzender der damals neu gegründeten Fußball-AG und wird weiter zum Aufsichtsrat gehören. Damit bleibt er auch der Verbindungsmann des Milliardärs, auf dessen Geld der verschuldete Verein auch im Winter wieder angewiesen ist. Bis zu einer Neuwahl werden die beiden Stellvertreter - Felix Goedhart oder Jens Meier - abwechselnd den Vorsitz im sechsköpfigen Rat übernehmen.

Beiersdorfer zeigte sich indes mit seiner Bilanz zufrieden, auch wenn der Verein trotz des jüngsten Aufwärtstrend mit den ersten beiden Saisonsiegen noch mitten im Abstiegskampf steckt. Er könne sich auch weiter guten Gewissens im Stadion sehen lassen. "Ich habe immer die Interessen des Clubs vertreten. Ich kann in den Spiegel gucken und aufrecht gehen."

Bei der Weihnachtsfeier der Profis erhielt Beiersdorfer große Wertschätzung für seine Arbeit. Nach seinen Abschiedsworten gab es Standing Ovations. Torhüter René Adler hielt eine Rede und versprach: "Wir spielen für dich!"

Die Personalwechsel beim HSV seit 2014:

01. 07.2014 - Dietmar Beiersdorfer wird erster Vorstandsvorsitzender der neuen Fußball-AG des Hamburger SV.

14.07.2014 - Beiersdorfer beurlaubt Sportdirektor Oliver Kreuzer. Investor Klaus-Michael Kühne hatte ihn zuvor als "Drittliga-Manager" bezeichnet.

15.09.2014 - Trennung von Trainer Mirko Slomka nach nur drei Spieltagen. Nachwuchscoach Josef Zinnbauer kommt.

20.03.2015 - Sportchef Peter Knäbel ersetzt für zwei Spiele Zinnbauer, dann fängt Bruno Labbadia an.

09.05.2016 - Trennung von Peter Knäbel. Beiersdorfer übernimmt auch die sportliche Leitung.

25.09.2016 - Beiersdorfer beurlaubt Labbadia. Einen Tag später fängt Markus Gisdol an.

08.11.2016 - Mediendirektor Jörn Wolf verlässt nach 14 Jahren den Verein.

18.11.2016 - Der für Marketing zuständige Vorstand Joachim Hilke gibt bekannt, dass er den Bundesligisten zum Jahresende verlässt.

11.12.2016 - Der HSV gibt die Abberufung von Beiersdorfer durch den Aufsichtsrat bekannt. Er wird durch Heribert Bruchhagen ersetzt.

13.12.2016 - Karl Gernandt tritt wegen Indiskretionen als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Er bleibt Mitglied des sechsköpfigen Gremiums.

14.12.2016 - Bruchhagen nimmt seine Arbeit als Vorstandschef auf.

dpa

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