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Russland enttäuscht Experten bei WADA-Symposium

Sportpolitik Russland enttäuscht Experten bei WADA-Symposium

Richtig einsichtig zeigte sich Russlands Sportminister Kolobkow nicht. Vor 700 der renommiertesten Anti-Doping-Experten wetterte er auf einem Symposium in Lausanne gegen den McLaren-Report und Whistleblower.

Russlands Sportminister Pawel Kolobkow spricht bei der Eröffnung des WADA-Symposiums in Lausanne.

Quelle: Valentin Flauraud

Lausanne. Russlands neuer Sportminister Pawel Kolobkow hat eine große Chance vertan, nach dem Doping-Skandal in seinem Land für einen glaubwürdigen Neuanfang zu werben.

"Das war sehr enttäuschend", kritisierte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann den Auftritt des früheren Fecht-Weltmeisters beim Symposium der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Lausanne. "Die Infragestellung des McLaren-Reports und der Whistleblower kam nicht gut an."

Wie die Chefin der deutschen Nationalen Anti-Doping-Agentur hätte auch ihr amerikanischer Kollege von der USADA, Travis Tygart, endlich mehr Einsicht erwartet. "Viele haben eine Entschuldigung adressiert an die sauberen Athleten erwartet", meinte er. Schließlich hielt Kolobkow die Rede vor rund 700 internationalen Anti-Doping-Experten.

Stattdessen zweifelte er die im zweiten Report des WADA-Ermittlers Richard McLaren präsentierten Ergebnisse an. "Die russische Regierung erkennt nicht, dass es ein institutionellen Doping-System und eine Doping-Verschwörung gegeben hat", betonte Kolobkow erneut die russische Position. Das Niveau der Beweise von McLaren sei nicht ausreichend, um etwaige Doping-Verfehlungen einzelner Sportler zu ahnden. "Wir bereiten gerade eine offizielle Überprüfung des McLaren-Reports vor", erklärte der Minister.

Ermittler Richard McLaren wies die Kritik des Ministers, die auch das Internationale Olympische Komitee geäußert hatte, zu dünne Beweise präsentiert zu haben, als "pingelig" zurück. Kritisiert wurden unter anderen unzureichende Übersetzungen von russischen Dokumenten.

"Sein Job war, nachzugehen, ob der erhobene Vorwurf vom Staatsdoping in Russland stimmt oder nicht", verteidigte auch WADA-Präsident Sir Craig Reedie den kanadischen Anwalt. "Es wird jetzt versucht, mein Mandat in etwas zu verwandeln, das es nicht war", sagte McLaren. Er hatte in seinem Report berichtet, dass 1000 russische Athleten in das Doping in Russland verstrickt sein könnten.

Kolobkow kritisierte zudem scharf, dass der frühere Leiter des Anti-Doping-Labors in Moskau, Grigori Rodschenkow, Kronzeuge für Manipulationen im Labor bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi und anderen Doping-Vergehen ist. Ein Mann, "der das Doping orchestriert" habe, könne kein Part der Untersuchung sein. "Er ist ein korruptes Individuum, das Geld für die Vertuschung von positiven Proben bekommen hat", sagte Kolobkow. Dem widersprach WADA-Generaldirektor Olivier Niggli: "Wenn Rodschenkow nicht wäre, hätte es keine Untersuchung gegeben."

Der Minister betonte aber auch, dass sein Land zu umfassender Kooperation bereit sei, um ein funktionierendes, glaubwürdiges Anti-Doping-System in Russland aufzubauen: "Wir wollen ein System schaffen, das Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln verhindert."

Voraussetzung für die Rückkehr in den Weltsport ist der Aufbau der Anti-Doping-Agentur RUSADA. "Ziel ist, im Mai überprüfen zu lassen, ob die RUSADA in Übereinstimmung mit den Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur wieder aufgebaut ist", sagte Kolobkow. "Bis November möchten wir die volle Akkreditierung der RUSADA erreichen." Die RUSADA ist seit November 2015 wegen des nachgewiesenen systematischen Dopings in Russland suspendiert.

Interimsmäßig hat die britische Agentur die Kontrollen übernommen. Nach Angaben der WADA sind 2016 rund 2300 Tests in 32 Sportarten in Russland durchgeführt und 64 auffällige Proben entdeckt worden. Allerdings konnten angeordnete 2344 Kontrollen nicht vorgenommen werden. "Dies macht uns Sorgen", sagte Niggli. "Es gibt noch viel Arbeit. Der Ball liegt bei den Russen. Man muss sehen, wann sie das Programm der Anforderungen für eine unabhängige RUSADA erfüllen."

dpa

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