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Unterstützung für UEFA-Boss Platini schwindet

Fußball Unterstützung für UEFA-Boss Platini schwindet

Für UEFA-Chef Michel Platini wird es eng. Im eigenen Lager bröckelt die Unterstützung für den Franzosen immer mehr. Als erster Verband verweigert die englische FA Platini die Unterstützung im Rennen um die FIFA-Präsidentschaft.

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Michel Platini kann nicht mehr auf die Unterstützung durch die FA setzen.

Quelle: Georg Hochmuth

Nyon. Beim "Gefecht von Nyon" demonstrierte Fußball-Europa noch Einigkeit, einen Tag später war der Rückhalt für den suspendierten UEFA-Chef Michel Platini nur noch Makulatur.

Die englische Football Association (FA) als einer der wichtigsten Verbände im Weltfußball versagte dem 60 Jahre alten Franzosen die Unterstützung im Kampf um die FIFA-Präsidentschaft und befeuerte mit einer nebulösen Mitteilung die Zweifel an der Integrität des früheren Fußballstars. Die FA habe neue Informationen zu dem Fall von Platinis Anwälten erhalten. Die Informationen müssten vertraulich behandelt werden, aber als Konsequenz könne der Verband die Unterstützung für Platini nicht mehr aufrechterhalten.

Damit ist die sportpolitische Zukunft Platinis fraglicher denn je. Die öffentlichkeitswirksam verkaufte Nibelungentreue der 54 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union UEFA für Platini war ohnehin eher als Spiel auf Zeit zu werten. Bei der UEFA laufen längst die Debatten über einen Plan B. Schon in Nyon hatten einige Verbandsvertreter ihre Bedenken hinsichtlich Platini, der von der FIFA-Ethikkommission wie der Weltverbandsboss Joseph Blatter für 90 Tage suspendiert worden ist, geäußert.

Immerhin hatten sich die Europäer bei dem "Gefecht" in der UEFA-Zentrale am Genfer See, wie das Gratisblatt "20 minutes" die heftigen und kontroversen Debatten tags zuvor martialischbeschrieb, darauf verständigt, Platini das Recht einzuräumen, seinen Ruf wiederherzustellen. Der UEFA-Chef muss sich wegen der umstrittenen Zwei-Millionen-Zahlung des ebenfalls für 90 Tage suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter verantworten. Juristisch und moralisch.

Karl-Heinz Rummenigge nahm Platini in Schutz. Der Vorstandschef des FC Bayern hatte in Nyon als Vertreter der europäischen Clubs an der Exekutivkomitee-Sitzung der UEFA teilgenommen. Am Freitag berichtete er in München, dem Gremium sei glaubhaft erklärt worden, dass das von Platini im Jahr 2011 erhaltene Geld nicht das sei, was viele in der Öffentlichkeit glaubten. "Es handelt sich absolut nicht um eine Korruptionszahlung", betonte der frühere Nationalspieler. Details nannte er aber nicht. Rummenigge sprach von einer "guten, seriösen und sehr konstruktiven Sitzung".

Noch immer gibt es für die Öffentlichkeit keine schlüssige Erklärung dafür, warum das Geld erst knapp neun Jahre später gezahlt wurde und warum es keine schriftliche Vereinbarung darüber gab. Überzeugen konnte Platini seinen Verband offenbar nicht.

So scheint es nach aktuellem Stand der Dinge unmöglich, dass Platini nach dem Ende der Bewerbungsfrist am 26. Oktober die Integritätsprüfung der Ethikkommission überstehen und zur Wahl als neuer FIFA-Chef und Blatter-Nachfolger im Februar zugelassen wird.

Geht es nach Meinung des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, sollte das komplette Exekutivkomitee des Weltverbandes zurücktreten. Die FIFA befinde sich "in der Hand der Staatsanwaltschaften und in der Hand des FBI", sagte Zwanziger dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" und betonte: "Die verbliebenen, nicht suspendierten Mitglieder des Exekutivkomitees müssen geschlossen zurücktreten."

Laut Zwanziger muss ein Übergangskomitee gebildet werden. Dieses Gremium solle eine neue Verfassung mit modernen Compliance-Elementen wie Amtszeitbegrenzungen oder Leumundsprüfungen ausarbeiten. Erst danach könne eine neue FIFA-Führung gewählt werden.

Am Dienstag trifft Niersbach in Zürich seine Kollegen aus der FIFA-Regierung. Spätestens dann werden wohl weitere Weichen gestellt: Sollte es einen europäischen Alternativ-Kandidaten geben, auf den sich im besten Fall die 54 UEFA-Nationen einigen können, auch wenn dieser nicht Platini heißt? Oder ist sogar eine Unterstützung des Jordaniers Prinz Ali bin al-Hussein oder des möglicherweise kandidierenden asiatischen Verbandschefs Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa denkbar?

Kaum vorstellbar, dass die Europäer auf einen eigenen Kandidaten verzichten wollen. Gehandelt werden immer wieder die Namen des Niederländers Michael van Praag und von DFB-Chef Niersbach. Van Praag ließ immerhin durchblicken, dass er Platini zwar die Chance auf ein faires Verfahren zubillige, inhaltlich aber durchaus Zweifel an der Integrität des früheren Weltklassespielers hegt.

"Die moralische Seite dieser Angelegenheit ist natürlich sehr interessant. Erst mal will ich mich zurückhalten und das Ergebnis der juristischen Verfahren abwarten. Dann können wir auch über Moral sprechen", sagte der niederländische Verbandschef dem ZDF. Zu eigenen Ambitionen äußerte er sich aber zunächst nicht.

Niersbach verließ die UEFA-Zentrale ohne Kommentar, er wird sich aber in den kommenden Tagen positionieren müssen. Einerseits ist der DFB-Boss Platini seit Jahren freundschaftlich verbunden, andererseits rückte er zuletzt mit der einen oder anderen Aussage auch vorsichtig vom Franzosen ab. In der Wochenzeitung "Die Zeit" sprach Niersbach von einem "Rucksack" der Vorwürfe, der "einen möglicherweise in die Knie zwingen" könnte.

Ob es einen FIFA-Präsidenten Platini geben kann und wird, entscheidet sich vermutlich schon sehr bald. Juristisch muss letztinstanzlich der Internationale Sportgerichtshof CAS urteilen. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino räumte in der Debatte über den Plan B aber bereits ein: "Was immer in den nächsten Tagen passiert, wird diskutiert werden. Wenn jemand anders sich auftut, dann wird man sehen."

dpa

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