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VfL-Umbruch: Knapp 100 Millionen gegen Standortnachteil

Fußball VfL-Umbruch: Knapp 100 Millionen gegen Standortnachteil

De Bruyne zu ManCity, Perisic zu Inter: Knapp 100 Millionen Euro spülen die sportlich etwas fragwürdigen Transfers in die Kassen des VfL Wolfsburg. Der Vizemeister muss den Kader an entscheidenden Stellen umbauen. Schalkes Draxler soll kommen, Dante ist bereits fix.

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VfL-Trainer Dieter Hecking kann die Beweggründe der Starspieler Wolfsburg zu verlassen nicht nachvollziehen.

Quelle: Peter Steffen

Wolfsburg (dpa) - Knapp 100 Millionen Euro reicher geht der VfL Wolfsburg auf eine ungewollte Blitz-Shoppingtour. Ohne Bundesliga-Rekordtransfer Kevin De Bruyne und Ivan Perisic beginnt für den deutschen Vizemeister am 1. September die Saison noch einmal neu.

Unter anderem mit Fußball-Weltmeister Julian Draxler will VfL-Manager Klaus Allofs den Abgang des in der vergangenen Saison zusammen an 43 Toren beteiligten Offensivduos kompensieren. Der TV-Sender Sky meldete den Deal am Sonntag bereits als fix. "Das entspricht nicht den Tatsachen", sagte indes Schalke-Manager Horst Heldt.

Klar ist aber, dass die Wolfsburger in den Poker um das Schalke-Juwel am Wochenende eingestiegen sind. Ein möglicher Wechsel soll davon abhängen, ob die Schalker Ersatz für den 21-Jährigen finden, der in Gelsenkirchen einen Vertrag bis 2018 hat. Für die Innenverteidigung kommt zudem Bayern Münchens Innenverteidiger Dante. Der Brasilianer könnte schon am Montag in Wolfsburg vorgestellt werden. "Wir müssen prüfen, ob es sinnvolle Dinge gibt. Wir versuchen uns natürlich gut aufzustellen, wenn wir einen oder zwei abgeben", kündigte Allofs an.

Gewollt war die Transferoffensive eigentlich nicht. "Es wäre mir lieber, wir würden darüber sprechen, dass Kevin doch noch bei uns bleibt", bekannte Allofs nach dem 3:0 gegen die Schalker, das der VfL schon ohne De Bruyne und Perisic feierte.

Der VfL hat zwar die Konzernmutter VW im Rücken, bleibt aber trotz Pokalsieg, Vizemeisterschaft, Champions-League-Rückkehr und glänzender sportlicher Aussichten offensichtlich unattraktiv für einige begehrte Fußballprofis mit internationalen Ambitionen. Obwohl der VfL mit beiden Spielern verlängern wollte und insbesondere dem Fußballer des Jahres De Bruyne eine saftige Gehaltserhöhung geboten hatte, waren die Niedersachsen am Ende ohne Chance. "Das ist schon eine Enttäuschung", meinte auch VfL-Torjäger Bas Dost.

Für mindestens 75 Millionen Euro kaufte Manchester City den 24 Jahre alten belgischen Nationalspieler De Bruyne aus dem noch bis 2019 laufenden Vertrag heraus. Größere Chancen auf Titel hat De Bruyne, der in der Premier League beim FC Chelsea gescheitert war, nicht unbedingt. Trotz gigantischer finanzieller Anstrengungen in der Vergangenheit hat der Scheichclub ManCity auch international wahrlich noch keine Bäume ausgerissen. Trotzdem wollte De Bruyne unbedingt zurück auf die Insel und bessert sein Gehalt wohl deutlich auf.

Noch unverständlicher erscheint der Wechsel von Perisic für rund 20 Millionen Euro zu Inter, das in dieser Saison gar nicht im Europacup vertreten ist. Auch Wolfsburgs Coach Dieter Hecking kann die Beweggründe seiner bisherigen Leistungsträger offenbar kaum nachvollziehen und ist reichlich angesäuert. Kurz vor Ende der Transferfrist am Montag dürfte sich ihm die Frage nach dem Sinn der Vorbereitung gestellt haben. Zwei Fixpunkte im bisherigen VfL-Spiel sind nun weg, neue Spieler müssen ab Dienstag integriert werden.

Wer das außer Dante und möglicherweise Draxler sein wird, war am Wochenende unklar. Zumal sich Allofs zu den blühenden Spekulationen nicht äußern wollte und darauf verwies, dass die Abgänge De Bruynes und Perisic' noch gar nicht fix waren. Schenkt man Medienberichten Glauben, ist Wolfsburg an der halben Bundesliga und etlichen Talenten aus dem Ausland interessiert. Eins davon saß am Freitag bereits auf der Tribüne: Der erst 17 Jahre alte Belgier Ismail Azzaoui von Tottenham Hotspur.

"Ich schließe gar nicht aus", sagte Allofs, obwohl es anscheinend auch ohne De Bruyne und Perisic geht, wie der VfL am Freitag bewies. "Wir haben noch mehr Spieler zum Glück", befand Dost: "Das zeigt, welche überragende Qualität wir haben." Ohne De Bruyne allerdings dürfte sich Wolfsburg schwerer tun, die Bayern so zu ärgern wie beim fulminanten 4:1 zum Rückrundenauftakt der vergangenen Saison oder dem Supercup-Sieg vor der aktuellen Spielzeit. Deshalb soll nun Draxler kommen.

dpa

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