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Zwanziger weist DFB-Vorwürfe zurück

Fußball Zwanziger weist DFB-Vorwürfe zurück

Bei der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums gibt es Rückendeckung für Wolfgang Niersbach. Dennoch steht der angeschlagene DFB-Präsident weiter im Fokus der Affäre. Der Ton im Schlagabtausch zwischen DFB und Theo Zwanziger wird schärfer. Dieser weist alle Vorwürfe zurück.

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In der WM-Äffäre rund um die Fußball-WM 2006 entwickelt sich vor allem zwischen Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach eine Schlammschlacht.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Dortmund. Die Verschnaufpause für Wolfgang Niersbach währte nicht lange, die Affäre um die WM 2006 nahm schon am Tag nach der Eröffnungsgala des Deutschen Fußballmuseums wieder an Fahrt auf.

Nach wüster Kritik aus der DFB-Spitze und der Bundesliga wies der frühere Verbandspräsident Theo Zwanziger die Vorwürfe in der Schlammschlacht deutlich zurück.

Weil er die wahren Hintergründe einer Millionen-Zahlung vor der WM 2006 nicht gekannt habe, habe er während seiner Amtszeit keine Untersuchung eingeleitet, erklärte der Vorgänger Niersbachs der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist lediglich zu sagen, dass sich zwischen 2005, dem Datum der Überweisung, und 2012 die Einschätzung zwischen allen Beteiligten, dass es sich um eine Provisionszahlung gehandelt haben soll, nicht geändert hat", betonte Zwanziger.

Er selbst will Fragen in der internen DFB-Untersuchung durch die Wirtschaftskanzlei Freshfields beantworten, der Sportausschuss des Deutschen Bundestags fordert am 4. November in einer Sitzung von Niersbach Aufklärung. Die vielen ungeklärten Fragen um die WM 2006 waren auch bei der Museumseröffnung in Dortmund allgegenwärtig. Nur kurz ging Niersbach in seiner Rede am Freitagabend auf die Vorwürfe ein: "Wir werden das zu 100 Prozent aufklären. Das sind wir Deutschland, dem deutschen Fußball und uns selbst schuldig."

Laut Niersbach war zunächst 2002 vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus eine Zahlung zur FIFA geflossen, um vom Weltverband für das Organisationskomitee eine Unterstützung in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken zu erhalten. Vor zehn Jahren war dann eine Rück-Zahlungsanweisung an Louis-Dreyfus über 6,7 Millionen Euro auch von Zwanziger unterschrieben worden.

Der "Spiegel" hatte aus einem Dossier des Zwanziger-Anwalts zitiert, dass Zwanziger von Netzer erfahren habe, dass das Geld "für die vier Stimmen der Asiaten im FIFA-Exekutivkomitee verwendet" worden sei. Das Gremium hatte über die WM-Vergabe an Deutschland entschieden. "Erst 2012 erfuhr ich aus Informationen der dann geöffneten ISL-Akte, dem dort wiedergegebenen Schmiergeldteppich und einer Information von Günter Netzer neue Aspekte", erklärte Zwanziger nun am Samstagabend. "Genau deshalb habe ich 2012 und 2013 gebeten, dass man dies einmal überprüft. Zu meiner Amtszeit gab es dazu keine Erkenntnisse."

Im "Spiegel" berichtet Zwanziger darüber hinaus, dass Niersbach in die Rückzahlung des Geldes an Louis-Dreyfus eingebunden gewesen sei. Zugleich erklärte er, dass eine entsprechende Notiz aus dem November 2004 Niersbachs Handschrift trage.

Der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt wies die Darstellung Zwanzigers über den Empfänger der umstrittenen Millionen-Zahlung im Vorfeld der WM 2006 zurück. Zwanziger hatte berichtet, dass Schmidt ihm in einem Telefonat diese Woche gesagt habe, dass die 6,7 Millionen Euro des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an das frühere FIFA-Exekutivmitglied Mohamed bin Hammam gegangen seien.

"Es ist ungeheuerlich, dass Theo Zwanziger den Inhalt eines privaten Telefonats an die Öffentlichkeit bringt", sagte der damalige Organisationskomitee-Vize Schmidt der "Bild"-Zeitung (Samstag). "Der Name bin Hammam ist möglicherweise gefallen. Aber ich werde nicht behaupten, dass er Empfänger des Geldes ist. Ich weiß es einfach nicht."

Auch bei der Gala in Dortmund schlugen sich viele Ehrengäste auf die Seite des aktuellen DFB-Chefs. "Wir haben eine Schreckensherrschaft mit Theo Zwanziger im DFB bis vor dreieinhalb Jahren erlebt, die haben wir Gott sei Dank hinter uns. Theo Zwanziger ist für uns, für mich, für die Mitarbeiter, die voll hinter Wolfgang Niersbach stehen, allenfalls noch eine Fußnote in unserer Chronik", sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock.

Aus der Liga stellten sich ebenfalls viele Führungskräfte gegen Zwanziger. "Das Allerschlimmste ist, wenn Menschen über die Medien alte Rechnungen begleichen wollen. Das ist schäbig, das tut man nicht", sagte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer bei Sky. "Die Leute, die jetzt im Verband arbeiten, die genießen nicht nur mein und unser Vertrauen. Dementsprechend gilt erst einmal für alle Beteiligten eine Unschulds- und eine Ehrlichkeitsvermutung."

Vieles liegt auch mehr als eine Woche nach Beginn der Affäre im Dunkeln. Deshalb will der Bundestags-Sportausschuss Antworten. Auf eine Einladung an Niersbach habe sie noch keine Antwort erhalten, berichtete Vorsitzende Dagmar Freitag. Niersbachs Zukunft als Funktionär sei "ungewiss", sagte die SPD-Politikerin bei WDR2 (Samstag). "Es ist im Moment sehr schwer vorstellbar, dass man aus solch einer Affäre, wenn es sich als solche herausstellt, unbeschadet herauskommen sollte. Aber es wäre falsch, es alleine auf die Person Wolfgang Niersbach zu konzentrieren, die Diskussion muss deutlich weiter gehen."

Auch die Rolle von Franz Beckenbauer, der laut Niersbach 2002 mit FIFA-Präsident Joseph Blatter die Millionen-Zahlung ausgehandelt haben soll, sorgt für reichlich Fragen. "Es dauert in der Regel lange, bis nationale Heroes stürzen", sagte Freitag. "Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass auch die Person von Franz Beckenbauer massive Kratzer abbekommt. Das, was im Vorfeld der WM passiert ist, muss geklärt werden. Da darf auch vor großen Personen kein Halt gemacht werden."

Eine weitere Dimension erhielt die Affäre durch einen Bericht über eine vermeintliche finanzielle Forderung der FIFA. Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) zufolge solle der Weltverband FIFA Mitte 2003 insgesamt 40 Millionen Euro vom deutschen WM-Organisationskomitee verlangt haben. 33 Millionen seien für Informations-Technik bei der WM vorgesehen gewesen, sieben Millionen Euro "zum Zeichen der deutschen Solidarität mit Afrika", heißt es unter Berufung auf OK-Unterlagen.

Das Organisationskomitee um den Vorsitzenden Franz Beckenbauer habe dies laut einem Brief-Entwurf, der sich in Akten der Bundesregierung befinde, abgelehnt. "Unter Einschaltung der Regierung" sei eine Lösung gefunden worden, in der es um spätere Zahlungen von 20 Millionen Euro und eine Beteiligung des OK an eventuellen Gewinnen gegangen sei, berichtete die Zeitung weiter. Das Bundesinnenministerium teilte auf Anfrage mit, es könne den Bericht "aktuell" nicht bestätigen: "Eine abschließende Bewertung bedarf der Auswertung der umfangreichen Aktenbestände im BMI." Die Verbände verwiesen auf ihre jeweiligen eigenen Ermittlungen.

dpa

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