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ARD-Bericht über verschwiegene Dopingtests

Sportpolitik ARD-Bericht über verschwiegene Dopingtests

Hat das IOC positive Dopingproben der Olympischen Spiele 2008 in Peking verheimlicht? Die ARD berichtete, bei Nachtests sei das verbotene Clenbuterol in Urinproben analysiert, aber nicht geahndet worden. Das IOC weist diese Vorwürfe zurück.

Das IOC hat Clenbuterol-Fälle wegen niedriger Werte nicht geahndet.

Quelle: Laurent Gillieron.

Frankfurt/Main. Das Internationale Olympische Komitee soll einem ARD-Bericht zufolge Dopingproben mit dem verbotenen Clenbuterol von mutmaßlich jamaikanischen Sprintern verschwiegen und die Fälle nicht weiter verfolgt haben.

Die angeblich positiven Nachtests der Olympischen Spiele 2008 seien trotz der Clenbuterol-Funde als negativ angesehen worden. Wie die Sportschau am 2. April berichtet, habe die ARD-Dopingredaktion davon im Herbst 2016 durch einen Hinweis aus IOC-Kreisen erfahren.

Das IOC betonte in einer Stellungnahme, diese Fälle mit nur geringfügigen Clenbuterol-Werten in Übereinstimmung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) eingestellt zu haben. "Bei der Analyse der eingelagerten Urin-Proben der Peking-Spiele 2008 sind vom Labor eine Anzahl von Fällen von Athleten mehrerer Länder und verschiedener Sportarten mit einem sehr geringen Level von Clenbuterol analysiert worden", hieß es in der IOC-Erklärung. Um diese unschuldigen Athleten zu schützen, könnten keine weitere Details über sie genannt, aber das Verfahren erklärt werden.

"Das IOC hat sorgfältig darüber nachgedacht, wie man in diesen Fällen vorgehen soll", hieß es in dem Statement. Deshalb sei die WADA in den Entscheidungsprozess voll eingebunden gewesen. Nachdem die WADA "keine konstanten Muster des Missbrauchs mit Clenbuterol" entdecken konnte, sei es angemessen gewesen, diese Fälle nicht weiter zu verfolgen. Alle Analysen hätten Werte unter 1 Nanogramm pro Milliliter ergeben, was im Bereich möglicher Fleisch-Kontaminierung mit Clenbuterol liege.

Clenbuterol ist unter anderem in China als Mittel zur Kälbermast weit verbreitet. Eine Urinprobe des deutschen Tischtennis-Profis Dimitrij Ovtcharov hatte 2010 nach dem Verzehr von verseuchtem Fleisch in China Spuren von Clenbuterol enthalten. Der Sportler war damals mit Zustimmung der WADA freigesprochen worden.

Wenn die Clenbuterol-Werte in Proben mit Lebensmittel-Kontamination erklärbar seien, dann könne von der WADA akzeptiert werden, "dass solche Fälle nicht gemeldet werden", sagte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli der ARD, schränkte aber ein: "Natürlich ist das nicht schön. Wenn man dopt, ein Betrüger ist, ist das eine perfekte Ausrede, sofern man erwischt wird. Aber so ist es eben."

Wie die ARD hingegen berichtet, sei es bei den Spielen 2008 wegen der strengen Sicherheitsmaßnahmen und der akribischen Überwachung von Nahrungsmitteln höchst unwahrscheinlich gewesen, dass Athleten in Peking Opfer chinesischer Tiermast-Praktiken geworden sein könnten. Bei den Peking-Spielen gab es einen offiziellen Clenbuterol-Dopingfall: Der polnische Kanute Adam Seroczynski wurde vom IOC für zwei Jahre gesperrt.

Das IOC hat zwar die Clenbuterol-Fälle wegen der niedrigen Werte nicht geahndet, nimmt aber die auffälligen Proben zum Anlass für Nachkontrollen der betreffenden Athleten. "Zuerst werden alle Proben dieser Sportler von den Sommerspielen 2012 in London Nachtests unterzogen", teilte die Organisation mit. Außerdem würden diese Athleten auch zielgerichtet für die Zeit vor und während der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro überprüft.

dpa

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