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Bahnradass Kristina Vogel will dreimal Gold bei Olympia

Radsport Bahnradass Kristina Vogel will dreimal Gold bei Olympia

Schon 2012 gewann sie Olympia-Gold: Bahnradfahrerin Kristina Vogel nennt sich selbst aggressiv und bissig. Ihren großen Auftritt muss sie aber geduldig abwarten.

Bahnradass Kristina Vogel

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Vor ein paar Wochen war Richtfest im neuen Eigenheim von Bahnradfahrerin Kristina Vogel. „Ich bin ja durch die Schmerzensgeldzahlung zu Geld gekommen“, sagt sie. Was zynisch klingt, ist am Ende eine der vielen glücklichen Wendungen in Vogels Leben. 2009 war sie bei einer Trainingsfahrt auf der Straße von einem Zivilfahrzeug der Thüringer Polizei angefahren worden, brach sich einen Brustwirbel, den Handwurzelknochen und verlor Zähne. Zudem ist ein Teil ihres Gesichts immer noch taub.

Und obwohl Vogel selbst Bundespolizistin ist, wollte ihr der Freistaat Thüringen nur 25.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen wurden ihr schließlich 100.000 Euro zugesprochen. So hat die 25-Jährige auch diesen Kampf gewonnen – wie Jahre zuvor den Kampf um die Karriere im Leistungssport. Sie ist in Leninskoje in der ehemaligen Sowjetunion geboren, ihre Eltern sind Vertriebene. Sie kam als kleines Kind nach Deutschland, wo sie im Sport eine steile Karriere machte. Wendungen halt.

Die bisherige Krönung war Olympia-Gold 2012 mit ihrer Partnerin Miriam Welte im Teamsprint. Dazu kommen sieben Weltmeistertitel. Satt ist die nur 1,60 Meter große Medaillenhamsterin mit den kräftigen Sprint-Oberschenkeln deshalb aber noch lange nicht: „Ich bin aggressiv und bissig. Wenn es nur nach mir geht, gewinne ich dreimal Gold“, sagt die Frau, die auch eine der fünf Kandidaten als Fahnenträger bei der Olympia-Eröffnungsfeier war. Insgesamt hoffen die deutschen Bahnradasse auf sechs Medaillen.

Bis Vogel zum ersten Mal auf die Bahn im Velodrom von Rio darf, ist aber Geduld gefordert. Zum Auftakt der Wettkämpfe steht am Donnerstag der Bahn-Vierer im Fokus – zwölf Jahre nach seinem letzten olympischen Auftritt.

Glücksbringer in Rio sollen Vogels „Sprint-Finger“ werden, Gelnägel in Deutschland-Farben. Und ein kleines Rehkitz aus Filz.

Dazu sitzen ihr Freund und eine ihrer besten Freundinnen auf der Tribüne. Mama, Papa und ihre Schwestern fiebern ebenfalls mit – vor dem TV. „Meine Familie ist meine starke Basis“, sagt Vogel. Auch einige ihrer Medaillen hängen bei den Eltern über der Couch. Aus Rio will sie weitere mitbringen, die dann im neuen Häuschen ihren Platz finden sollen: „Ich bin so viel in der Welt unterwegs, da ist es schön, wenn man ein Eigenheim hat, wo man ankommen kann. Ich hoffe, wir können es im Oktober nach Olympia beziehen.“

Lars Becker

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