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Cheftrainer Hirsch: "Zelle Hambüchen hat funktioniert"

Olympia Cheftrainer Hirsch: "Zelle Hambüchen hat funktioniert"

Cheftrainer Andreas Hirsch ist auch ohne den Leitwolf Fabian Hambüchen um die Zukunft des deutschen Turnens nicht bange. Er nennt seine Bestrebungen, etwas zu verändern und macht allen anderen Auswahl-Turnern Mut.

Fabian Hambüchen wird von seinem Vater Wolfgang trainiert.

Quelle: Lukas Schulze

Rio de Janeiro. Andreas Hirsch saß in der Sternstunde von Fabian Hambüchen in Rio auf der Athleten-Tribüne. Uneigennützig hatte er den Platz unter dem Reck für Wolfgang Hambüchen geräumt.

Seiner Freude über die Krönung der Laufbahn des Olympiasiegers, den er über 20 Jahre lang als Nachwuchs- und dann Bundestrainer betreute, tat das keinen Abbruch. Die Deutsche Presse-Agentur befragte den Coach zu den Perspektiven des deutschen Männer-Turnens.

Wer kann künftig in die Fußstapfen von Hambüchen treten?

Fabian Hambüchen: Die Karriere von Fabian war einzigartig für den deutschen Turnsport. So etwas lässt sich nicht wiederholen. Mit sieben Jahren kam er zu mir ins Lehrgangssystem, wir hatte eine lange gemeinsame Zeit. Da kann man nicht einen Turner benennen, der so einfach die Lücke stopft.

Aber Fabian ging immer seinen eigenen Weg, unabhängig vom Training an den Zentren. Wie haben Sie es geschafft, das unter einen Hut zu bringen?

Hambüchen: Es ging immer um Leistung. Die Zelle Hambüchen hat funktioniert. Auch Ausnahmen entsprechen der Regel. Ich bin unheimlich froh, dass er sich seinen Jugendtraum hier erfüllt hat.

Tat es weh, nicht mit im Innenraum zu stehen, wie Sie es bei Olympia und WM unzählige Male getan haben?

Hambüchen: Überhaupt nicht, ich bin da weit weg von Egoismen. Ich habe mich dafür stark gemacht, dass Wolfgang Hambüchen diese Sonderregelung eingeräumt wird. Und ich bin stolz, dass alles so harmonisch und sinnvoll ablief. Zum Schluss knallt Fabian das goldene Ding raus. Für alle ein Riesenerfolg.

Was fehlt Andreas Bretschneider, um am Reck so erfolgreich zu werden wie Hambüchen?

Hambüchen: Da denke ich immer an meine Kinder: Sie sind hundert Mal hingefallen und wieder aufgestanden. Jetzt können sie längst laufen. Ich stehe zu ihm. Irgendwann wird er seine riskante Übung perfekt beherrschen.

Verspricht Lukas Dauser eine große Zukunft?

Hambüchen: Er wird im Moment über sein Spezialgerät Barren wahrgenommen. Es gibt viele, die sich über ein Gerät zu einem tollen Mehrkämpfer entwickelt haben. Warum sollte es bei ihm nicht gelingen? Die Arbeit wird sich lohnen. Ich sehe vernünftige Perspektiven.

Eine Schwächung des Teams ist auch der Ausfall von Andreas Toba. Wann rechnen sie mit seiner Rückkehr nach der Kreuzband-OP?

Hambüchen: Ich rate ihm: Halt dich an Kim Bui. Wie sie mit ihren zwei Kreuzbandrissen umgegangen ist, war vorbildlich. Natürlich ist Andreas ehrgeizig und will schnell zurück, aber er darf das nicht übereilen.

Was wollen Sie am System ändern?

Hambüchen: Für diese Antwort ist es noch zu früh, das muss ich erst mit den Trainern beraten. Auf jeden Fall will ich mit der Bundespolizei Kontakt aufnehmen, denn bisher war deren Ausbildungssystem nicht mit unserer Wettkampf-Planung vereinbar. Wenn beide Seiten aufeinander zugehen, muss da was zu machen sein, zumal der Sportstandort der Bundespolizei ja jetzt in Kienbaum liegt.

Zur Person: Andreas Hirsch ist seit 2003 Cheftrainer der deutschen Turner. Mit dem Namen des Berliners verbindet sich der Aufschwung des Männer-Turnens in den zurückliegenden zehn Jahren. Zuvor war der frühere Turner als Nachwuchs-Coach beim DTB angestellt.

dpa

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