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DOSB-Chef Hörmann unzufrieden: "Wir müssen reden"

Olympia DOSB-Chef Hörmann unzufrieden: "Wir müssen reden"

In der ersten Halbzeit der Olympischen Spiele gab es im Schnitt zwei deutsche Medaillen pro Tag. Der Deutsche Olympische Sportbund hatte sich mehr Edelmetall erhofft. Präsident Alfons Hörmann nimmt die Verbände in die Pflicht.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht Handlungsbedarf.

Quelle: Bernd Thissen

Rio de Janeiro. Die Presserunde zur deutschen Olympia-Bilanz nach acht Wettkampftagen ließ DOSB-Präsident Alfons Hörmann kurzerhand sausen.

Er hatte dem Golfer Martin Kaymer versprochen, sich wenigstens einige seiner Schläge vor Ort anzusehen. Am Golfplatz von Rio de Janeiro ließ sich Hörmann trotzdem ein erstes Fazit entlocken - und machte deutlich: Für einige Verbände könnte es ungemütlich werden.

Herr Hörmann, welches Fazit ziehen Sie aus deutscher Sicht nach der Hälfte der Olympischen Spiele?

Alfons Hörmann:  Licht und Schatten wechseln sich ab. Leider müssen wir feststellen, dass einige Verbände die Ziele schlichtweg nicht ansatzweise erreicht haben. Absolut besorgniserregend ist für mich das Ergebnis bei den Schwimmern. Da waren die Leistungen zum wiederholten Male einfach nicht so, dass sie das Gefühl vermitteln, wir seien in der Weltspitze noch vertreten. Das tut mir am allermeisten für die Athleten weh.

Welche Gründe sehen Sie für die Flaute in einigen Sportarten?

Hörmann: Ich unterstelle nach wie vor, dass im Durchschnitt die Deutschen von den körperlichen und psychischen Voraussetzungen in der Lage sein müssten, auch in Sportarten wie dem Schwimmen mit dabei zu sein. Am Ende muss es sportfachlich in erster Linie aus den Verbänden kommen. Aber man hat in Teilbereichen das Gefühl, dass das nicht oder nur bedingt gelingt. Da muss man selbstkritisch rangehen: Was stimmt in der Wettkampfvorbereitung nicht, was haben wir auch in der Verbandsstruktur nicht richtig gemacht?

Bereitet Ihnen die Entwicklung Sorge?

Hörmann: Was mir Sorge bereitet, ist die Anzahl der Endläufe und Wettbewerbe, in denen Deutschland nicht vertreten ist. Es gelingt in zahlreichen Fällen nicht, zumindest die persönliche Bestleistung oder Jahresbestleistung abzurufen.

Welche positiven Seiten haben Sie ausgemacht?

Hörmann: Auf die Reiter ist Verlass. Die Schützen haben diesmal eine herausragende Zwischenbilanz. Das ist eine tolle Entwicklung, auch beim Bogenschießen. Aber all die anderen... Die Judokas waren sicher nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatten. Für die Kanuten war es auch ein schwieriger Auftakt. Ich bin gespannt, was noch kommt.

Einige Teilmannschaften, etwa die Fechter, haben mehr Unterstützung von Unternehmen gefordert, um wieder konkurrenzfähig zu werden.

Hörmann: Bei Themen wie dualer Karriere, der Unterstützung von Unternehmen oder von der Bundespolizei, der Bundeswehr und dem Zoll haben wir in der Vergangenheit mit die besten Fortschritte gemacht. Das bietet heute Chancen, die vor Jahren für viele Athleten schlichtweg unvorstellbar waren. Im Grunde kommen fast alle Athleten der Sportarten, in denen man finanzielle Unterstützung braucht, aus diesem Bereich. Deshalb würde ich diejenigen, die wie die Fechter über eigene Misserfolge reflektieren, dringend bitten, erstmal über die eigenen Hausaufgaben und internen Strukturen nachzudenken. Damit sage ich keinesfalls, dass wir nicht auch bei den Rahmenbedingungen weiter Verbesserungen anstreben müssen.

Wie soll es nach den Spielen in Rio weitergehen?

Hörmann:  Nehmen wir die Schützen - die sind bei Gott nicht besser gestellt als zum Beispiel die Fechter, im Gegenteil. Und man sieht, was doch geht. Da muss man sich selbstkritisch die Frage stellen: Warum ist das bei uns nicht möglich? Das gilt auch für andere Verbände. Insgesamt werden wir nach den Spielen in der notwendigen Klarheit darüber reden müssen, wo wir stehen und warum.

ZUR PERSON: Alfons Hörmann (55) ist seit Dezember 2013 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Davor war der frühere Unternehmer acht Jahre lang Chef des Deutschen Skiverbandes. 

dpa

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