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Der Olympia-Fan: Golfer Martin Kaymer tritt Donnerstag in Rio an

Trotz Absage vieler Golf-Profis Der Olympia-Fan: Golfer Martin Kaymer tritt Donnerstag in Rio an

Nach 112 Jahren startet Golf am Donnerstag ein Comeback bei den Spielen. Profi Martin Kaymer ist begeistert vom Flair im Athletendorf, ärgert sich aber über die Absagen der Kollegen.

„Es wäre wirklich ein Fehler gewesen, hier nicht hinzukommen“: Golf-Profi Martin Kaymer freut sich auf seinen Start bei den Spielen in Rio und hat gute Chancen auf eine Medaille.

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Wann immer Martin Kaymer in den vergangenen Tagen auf Olympia, das Leben im Athletendorf und das besondere Flair angesprochen worden ist, sprudelte die Begeisterung nur so aus ihm heraus. Genau genommen sprudelte sie selbst dann aus ihm heraus, wenn er gar nicht auf die Spiele angesprochen wurde. Der Golf-Profi schwärmte einfach bei jeder Gelegenheit, mit und ohne Stichwortgeber. „Ich habe schon ein bisschen was erreicht in meiner Karriere, aber Olympia war immer ein Ziel“, sagte Kaymer vor seiner ersten Runde beim Turnierbeginn am Donnerstag. Nun als Sportler dabei sein zu dürfen und „diese unglaubliche Energie im Olympiadorf zu spüren“, sei „superinspirierend“ und ein Riesenerlebnis. „Es wäre wirklich ein Fehler gewesen, hier nicht hinzukommen“, befand er. Schließlich sei Olympia „das größte Turnier überhaupt“.

Kaymer ist erstmals bei der Weltmesse des Sports. Und er findet Olympia trotz des erdrückenden Gigantismus und der immer größeren finanziellen Interessen großartig, vermutlich wegen der werthaltigen Grundidee. Zusammen mit anderen Sportlern aus aller Welt zu wohnen, ihnen zu begegnen und die Athleten anderer Sportarten beim Training zu erleben – all das hat nachhaltig Eindruck bei Kaymer hinterlassen. Er sei sich manchmal „ziemlich faul“ vorgekommen angesichts des Aufwands, den Athleten anderer Sportarten im Training betreiben, gestand der 31-Jährige.

Kaymer, das müsste er gar nicht erwähnen, genießt es sehr, bei diesem Sport-Weltereignis dabei zu sein. Sogar die vergleichsweise karge Unterkunft gefällt ihm. „Gut, die Klamotten liegen halt auf dem Boden, das Wasser wird auch nicht immer warm. Das ist aber auch ganz gut für den Kreislauf. Hier kommst du gut auf den Boden zurück“, sagte der zweimalige Major-Sieger und Preisgeldmillionär. Einen besseren Botschafter seiner Sportart hätten sich weder die Herren des Golfweltverbandes IGF noch die PR-Strategen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ausdenken können.

Dummerweise teilen allerdings längst nicht alle Spitzengolfer Kaymers Begeisterung für das erste olympische Turnier seit 112 Jahren. Die aktuellen Top vier der Welt, Jason Day (Australien), Dustin Johnson, Jordan Spieth (beide USA) und der Nordire Rory McIlroy, hatten ihren Start ebenso abgesagt wie viele weitere Spitzengolfer. Nur 17 Spieler aus den Top 50 sind in Rio dabei. Für Kaymer erhöht das immerhin die Medaillenchance, ebenso wie für den Münchner Alexander Cejka. Der 45-Jährige ist der zweite Deutsche im Feld. Ihre Runden enden am Sonntag, die Frauen mit den beiden deutschen Spielerinnen Sandra Gal und Caroline Masson gehen am kommenden Mittwoch zum ersten Mal an den Abschlag.

Offiziell häuften sich die Absagen, vor allem bei den Männern, aus Sorge vor dem Zika-Virus. Kaymer nannte diese Begründung eine „angenehme Ausrede“. In Wahrheit dürfte die Hauptrolle auch hier Geld gespielt haben, das für manche Profi-Golfer offenbar im Gegensatz zum Dabeisein alles ist. Die Aussicht auf eine Olympiamedaille konnte beispielsweise die Nummer vier der Welt, McIlroy, nicht reizen. Er hatte das olympische Turnier unlängst als „belanglos“ eingestuft. Ein Preisgeld gibt es nicht.

Beschädigt schon vorm Comeback ist die Sportart, die 1900 in Paris und 1904 in St. Louis vorgeführt worden war. „Die Beulen, die wir uns geholt haben, haben den Glanz der Rückkehr beeinträchtigt“, bekannte der Generaldirektor des Weltverbandes, Antony Scanlon. IOC-Präsident Thomas Bach stellte wegen der vielen Absagen gar die Zukunft von Golf bei Olympia schon wieder infrage. „Eines der wichtigsten Kriterien für die Bewertung ist natürlich, ob die besten Spieler dabei sind“, sagte Bach.

Jetzt wird aber erst einmal gespielt auf dem anspruchsvollen Par-71-Kurs. Dass Kaymers Begeisterung für kalte Duschen im Olympiadorf bei seinen Kollegen aus der Weltspitze für ein Umdenken sorgt, erscheint nicht sehr realistisch. Aber vielleicht zeigen ja die Fernsehbilder von der Siegerehrung Wirkung bei jenen Spitzengolfern, die sich diesmal gegen Olympia entschieden haben.

Maik Rosner

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