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Die Hartings: Ungleiche Brüder mit gleichen Zielen

Olympia Die Hartings: Ungleiche Brüder mit gleichen Zielen

Zwei Typen, ein Ziel: Eine Olympia-Medaille in Rio. Robert und Christoph Harting unterscheiden sich als Persönlichkeit, im Diskusring eint sie der Siegeswille. Ihr Trainer sagt: Robert will immer den Fortschritt, Christoph vor allem Spaß.

Berlin. Sie lassen den Diskus fliegen und Taten sprechen - ansonsten haben sich Robert und Christoph Harting herzlich wenig zu sagen. Und übereinander sprechen sie schon gar nicht.

Respekt? Ja, schon. Bruderliebe? Eher kaum. Ein großes Ziel eint die ansonsten so ungleichen Brüder: Für die beiden Riesen soll die große Party am 13. August in Rio de Janeiro steigen - beide wollen im Olympiastadion mit einer Medaille aus dem Ring gehen. "Die beiden sind zwei völlig unterschiedliche Typen. Völlig unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Sichtweisen, Herangehensweisen", sagte Harting-Trainer Torsten Lönnfors der Deutschen Presse-Agentur.

Der ehemalige Diskuswerfer ist in der Branche eigentlich als Torsten Schmidt bekannt. Am 28. Juli hat er seine Verlobte geheiratet - nun heißt er Lönnfors. Außer dem Nachnamen hat sich aber nichts geändert. Der Coach versteht sich vor allem als Berater und Betreuer, auch als Psychologe ist er manchmal gefragt.

Seit dem 1. August ist die Berliner Trainingsgruppe mit Robert Harting, dessen Freundin Julia Fischer und Bruder Christoph zum "Warmup" in Portugal, für den späten Sonntagabend war der Nachtflug nach Rio gebucht. Am 12. August ist die Qualifikation, am Tag danach kämpfen die starken Männer im Finale um die Medaillen.

Robert Harting war vor vier Jahren in London Olympiasieger. Doch diesmal wird das Unternehmen für den den 31-Jährigen viel schwieriger. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder ist stärker geworden und in diesem Jahr mit 68,06 Metern zweitbester Diskuswerfer weltweit. Bei der WM 2015 war er Achter, bei der EM verpasste er Anfang Juli Bronze nur um 14 Zentimeter. Diesmal will es Harting II. aber wissen und seine erste internationale Medaille aus dem Ring zaubern.

"Zwischen beiden herrscht natürlich auch eine große Konkurrenz. Beide haben unterschiedliche Stärken. Und im Training verschiedene Pläne", erklärte Lönnfors, 2004 in Athen als Torsten Schmidt Olympia-Neunter. "Robert will immer etwas Neues, der will den Fortschritt, der will innovativ sein - er kann nie stillstehen."

Und Christoph? "Seine Art ist es halt, das Ganze etwas als Spaß zu sehen. Er ist nicht dort, um sich da zu zerreißen für irgendwen oder irgendwas", schildert der Trainer. "Sport ist für ihn nicht Lebensinhalt, sondern Teil seines Lebens. Wenn er jetzt sagt, ich will als Sportpersönlichkeit ein kleines Licht bleiben, ich will nur weit werfen, für mich ist es gut dann - dann ist es seine Entscheidung."

Lönnfors sieht sich nicht als Bestimmer oder Dogmatiker - der 41-Jährige führt die beiden Brüder an der "langen Leine" und pflegt den Dialog. "Zwischen beiden zu vermitteln, falls es private Differenzen geben sollte, da bin ich der Letzte, der das lösen könnte", gibt Lönnfors in dem dpa-Gespräch zu. "Dafür bin ich nicht ausgebildet, und das ist auch nicht mein Job. Ich muss mit beiden arbeiten. Und wenn jeder sein Ding macht, dann ist das halt so."

Sollte tatsächlich jeder "sein Ding" gut machen, könnte der kleinen Trainingsgruppe in Rio ein großer Coup gelingen. Robert Harting räumt jedenfalls allen Medaillenchancen ein. "Die Wahrscheinlichkeit ist da - das muss man ganz klar so sagen", betont der dreimalige Weltmeister und legt sich sogar fest: "Also eine Medaille klappt auf jeden Fall!"

dpa

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