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Enges Rennen um die Olympischen Spiele 2024

Olympia Enges Rennen um die Olympischen Spiele 2024

Zwei Weltstädte mit sportlicher Tradition bewerben sich um die Olympischen Spiele 2024: Paris und Los Angeles. Der Verlierer könnte einen Trostpreis bekommen.

Die Bild-Kombo zeigt die Fassade des Los Angeles Memorial Coliseum und den in den Farben der Olympia-Bewerbung 2024 beleuchteten Eiffel-Turm in Paris. Fotos: AP/dpa

Quelle: Uncredited

Lausanne. Es wird sicher ein enges Rennen. Los Angeles und Paris haben beide gute Chancen, die Olympischen Spiele 2024 auszurichten. Vier Monate vor der Entscheidung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) haben die Metropolen nur noch wenige Gelegenheiten, ihre Vorzüge zu präsentieren.

Die sogenannte Evaluierungskommission des IOC besucht zunächst Los Angeles (10.-12. Mai) und dann Paris (12.-14. Mai), um sich ein Bild von den Vorbereitungen zu machen.

Kommissionschef Patrick Baumann sparte zuvor nicht an Lob. "Wir haben zwei exzellente Kandidaten", sagte er laut IOC-Mitteilung. Die Kommission sei neugierig, wie es um die Vorbereitungen der beiden Metropolen stehe und wie sich vor allem die Pläne für die Wettkampfstätten gestalteten. "Wir werden nicht nur beraten, wie die Ausrichtung der Spiele den Bedürfnissen der Athleten, sondern auch den langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Zielen der Städte entspricht."

Das ist ein wichtiger Punkt, schaut man zurück nach Rio de Janeiro. Dort gammeln nach den Sommerspielen 2016 Sportstätten vor sich hin. Von einer zusätzlichen Metrolinie einmal abgesehen, haben die Bürger der hoch verschuldeten Stadt wenig von dem Spektakel profitiert. Und dann kam Anfang März nach Ermittlungen der französischen Justiz auch noch der Verdacht auf, es sei bei der Vergabe der Spiele an Rio nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

IOC-Mitglied und vierfacher Silbermedaillengewinner Frankie Fredericks, bis dahin Chef der Evaluierungskommission für 2024, musste zurücktreten. Seitdem versucht der ehemalige Top-Sprinter aus Namibia den Vorwurf zu entkräften, etwas mit Schmiergeldzahlungen in Höhe von 1,5 Millionen US-Dollar (derzeit etwa 1,37 Millionen Euro) zu tun zu haben. Das Geld soll vor der Vergabe geflossen sein, wie die französische Zeitung "Le Monde" berichtet hatte. Schon Tokio, Ausrichter der nächsten Sommerspiele 2020, musste sich Erkenntnissen französischer Ermittler stellen, die Spiele seien gekauft worden.

Es sind eben diese Schlagzeilen, die die olympische Idee in Verruf bringen und die Begeisterung für eine Ausrichtung dämpfen. Fünf Städte waren angetreten, 2024 Gastgeber zu sein: Boston, Hamburg, Rom und zuletzt Budapest stiegen wieder aus. Grund war fast immer das Misstrauen der Bürger in das Versprechen des IOC, die Ära des Gigantismus bei Olympia sei vorbei.

Für Boston ging dann Los Angeles ins Rennen, und an der Westküste ist das Selbstbewusstsein groß. Schon zwei Mal - 1932 und 1984 - war die zweitgrößte Stadt der USA Gastgeber der Sommerspiele. Das hilft, Kosten zu senken: Etwa 5,3 Milliarden Dollar könnten die Spiele kosten, das ist etwa ein Drittel der Ausgaben, die Tokio veranschlagt. Nahezu alle Wettkampfstätten gibt es schon, die Universität von Kalifornien soll das Olympische Dorf beherbergen.

Und ganz wichtig: Die Bevölkerung findet die Idee super. Der Deutschen Presse-Agentur hatte Casey Wasserman, Chef der Bewerbungsgesellschaft LA2024, gesagt: "Wir müssen kein olympisches Dorf, Fernsehzentrum oder Stadion errichten. Das erlaubt es uns, die kreativsten und innovativsten Spiele aller Zeiten zu veranstalten."

In Paris ist die Zuversicht ebenfalls groß. Dafür spricht auch ein historisches Datum: 100 Jahre nach der ersten Ausrichtung wäre die französische Hauptstadt 2024 wieder Mittelpunkt des Weltsports. Paris wirbt mit Bürgernähe, kurzen Wegen, vielen fertigen Sportstätten und vergleichsweise geringen Kosten von 6,2 Milliarden Euro. "Made for Sharing" ("Gemacht, um zu teilen"), lautet der Slogan Paris', das nach drei vergeblichen Versuchen einfach einmal an der Reihe wäre.

Wer auch immer gewinnt, vielleicht gibt es für den Verlierer einen Trostpreis: die Sommerspiele 2028. Auch wenn dafür schon Australien, Russland und die Türkei Interesse signalisiert haben, lässt der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach gerade bis Juli prüfen, ob die Olympische Charta einen Doppelbeschluss mit Los Angeles und Paris hergibt. Der wichtigste Grund für Bach, das Verfahren zu ändern: "Es bringt einfach zu viele Verlierer hervor." Was immer der Vorstoß bringt, am 13. September fällt im peruanischen Lima auf jeden Fall die Entscheidung für die Olympischen Spiele 2024.

dpa

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