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Fußball-Legende Hans-Jürgen Dörner wünscht deutscher Elf Olympia-Gold

Vor dem Finalspiel Fußball-Legende Hans-Jürgen Dörner wünscht deutscher Elf Olympia-Gold

Die deutschen Fußballer greifen in Rio nach Gold – 40 Jahre nach dem Olympiasieg der DDR um „Dixie“ Dörner. Im Interview blickt der damalige Kapitän zurück.

Fußball-Olympia-Sieger Hans-Jürgen Dörner (Archivbild)

Quelle: dpa

Rio de Janeiro/Berlin. Es geht um Olympia-Gold. Im Maracanã-Stadion. Gegen Brasilien. „Das wird gigantisch“, sagt Mittelfeldspieler Lars Bender vor dem Finale zwischen Deutschland und Brasilien am Sonnabend (22.30 Uhr) in Rio de Janeiro. Es wäre der zweite Olympiasieg einer deutschen Mannschaft, nach dem Erfolg der DDR 1976 in Montreal. Hans-Jürgen Dörner, damals Kapitän der DDR, blickt zurück.

Herr Dörner, wo bewahren Sie eigentlich Ihre olympische Goldmedaille von 1976 auf?

Hans-Jürgen Dörner: Die liegt bei mir zu Hause in der Vitrine. Und wenn ich dran vorbeilaufe, erfüllt sie mich immer noch mit Stolz.

Woran denken Sie beim Blick auf die Medaille als Erstes?

Dörner: An das Finale gegen Polen. Weil wir ja damals selbst überrascht waren, dass wir es so weit geschafft hatten.

Im Finale gewann die DDR mit 3:1. Die Platzbedingungen sollen jedoch katastrophal gewesen sein.

Dörner: Das kann man wohl sagen. Unmittelbar vor dem Fußballfinale hatte das Springreiten im Stadion stattgefunden. Der Platz war total ramponiert. Die Veranstalter haben nur schnell den Rasen gewalzt und die braunen Stellen mit grüner Farbe besprüht – damit es nach einem Fußballfeld aussah.

Die DDR-Auswahl legte auf dem Acker einen Blitzstart hin, führte nach 14 Minuten mit 2:0.

Dörner: Besser hätte es nicht laufen können. Die frühe Führung hat uns das nötige Selbstvertrauen für die restliche Partie gegeben.

Und der polnische Torwart Jan Tomaszewski ließ sich nach nicht mal 20 Minuten entnervt auswechseln.

Dörner: Ja, der Tomaszewski ging früh vom Platz. Warum auch immer. Er war auf keinen Fall verletzt. Ich glaube, er hatte nach dem 0:2 einfach keine Lust mehr. Mit so einem Spielverlauf hatte er wohl nicht gerechnet.

Viele Zuschauer in der DDR vermutlich auch nicht. Denn das Turnier hatte für Ihre Mannschaft äußerst unerfreulich begonnen. Nach dem 0:0 im ersten Gruppenspiel gegen Brasilien hagelte es Kritik.

Dörner: Ja, das war leider so. Das Eröffnungsspiel gegen Brasilien war aber auch wirklich kein schönes Spiel.

Danach wurde die Mannschaft zum Rapport bestellt. DDR-Sportchef Manfred Ewald drohte damit, Sie alle nach Hause zu schicken.

Dörner: Das stimmt. Als wir zurück im olympischen Dorf waren, hieß es: „Alle zu Ewald, sofort!“ Er sagte uns damals, dass unser Auftreten eine Beleidigung für alle DDR-Olympioniken gewesen wäre. Und dann fiel auch der Satz: „Wenn ihr so schlecht weiterspielt, schicke ich euch nach Hause.“

Das muss hart gewesen sein.

Dörner: Klar. Wir haben uns zunächst erschrocken. Aber wir haben das nicht ernst genommen. Wir wussten ja, dass der Ewald nichts mit Fußball am Hut hat. Ich persönlich glaube auch nicht, dass er uns wirklich nach Hause geschickt hätte. Das wäre doch ein Riesenskandal gewesen.

So oder so: Fortan lief es besser. Im zweiten Spiel wurde Spanien mit 1:0 besiegt, Torschütze war „Dixie“ Dörner. Im Viertelfinale wurde Frankreich um den jungen Michel Platini mit 4:0 geschlagen, zweifacher Torschütze: „Dixie“ Dörner. Und im Halbfinale wurde die Sowjetunion aus dem Turnier geworfen, Torschütze: „Dixie“ Dörner.

Dörner: Das war mein Turnier! Wobei man schon sagen muss: Drei meiner vier Turniertreffer waren verwandelte Strafstöße. Aber auch die muss man ja erst mal verwandeln.

Wie wurde der Finalsieg in Montreal eigentlich gefeiert?

Dörner: Nach einer ersten Party in der Kabine ging es zurück ins olympische Dorf. Da hatten wir einen kurzen Empfang, unter anderem bei Ewald. Danach sind wir in die Stadt gefahren und haben Halligalli gemacht.

Bis in die Morgenstunden. Da haben Sie Ewald erneut getroffen.

Dörner: Ja, das war so gegen halb acht morgens im Hotel. Ich kam gerade zurück von unserer Feier und wollte hoch ins Zimmer. Der Fahrstuhl ging auf, und Ewald kam raus. Wir haben uns einen guten Morgen gewünscht. Er dachte wohl, ich komme schon vom Frühstück. Aber eigentlich wollte ich nur ins Bett, endlich schlafen.

40 Jahre später steht wieder eine deutsche Mannschaft im Olympiafinale. Was trauen Sie der Elf gegen Brasilien zu?

Dörner: Das wird ein offenes Spiel. Die deutsche Mannschaft hat sich im Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert, sie kann auch im Maracanã gegen Brasilien bestehen. Ich wünsche der Mannschaft, dass sie es so macht wie wir 1976!

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