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Harting-Trainer Torsten Schmidt: „Stillstand ist der Tod“

Akribische Arbeit mit dem Diskus-Favoriten Harting-Trainer Torsten Schmidt: „Stillstand ist der Tod“

Torsten Schmidt mag es nach einem vollgepackten Arbeitstag eher ruhig, die Metropole Berlin ist aber auch nach drei Jahren noch ein ungewohnt hektischer Ort für den 41-Jährigen.

Thorsten Schmidt gemeinsam mit Robert Harting. (Archivfoto)

Quelle: Imago

Rio de Janeiro. Torsten Schmidt mag es nach einem vollgepackten Arbeitstag eher ruhig, die Metropole Berlin ist aber auch nach drei Jahren noch ein ungewohnt hektischer Ort für den 41-Jährigen. „Aber ich wohne bewusst im Norden – nur einen Steinwurf von Brandenburg entfernt. Dort kann ich gut abschalten“, sagt der Rostocker, der 35 Jahre lang das Flair seiner Heimatstadt zu schätzen wusste, ehe er drei Jahre als Trainer in Neubrandenburg arbeitete. Dann kam die Anfrage von Robert Harting, seit 2013 coacht der als sehr akribisch und ausgeglichen geltende Torsten Schmidt den Diskus-Olympiasieger sowie dessen Freundin Julia Fischer und Bruder Christoph Harting.

Rang neun belegte Diskuswerfer Schmidt bei den Spielen 2004 in Athen – diese Platzierung wäre für seine drei Schützlinge in Rio eine Enttäuschung. Das Diskus-Trio hofft auf drei Medaillen, was unterstreicht: Trainer Schmidt steht durchaus unter Druck. Diesen merkt man dem Ostseestädter aber nicht an. Er selbst spricht von einem Traumjob. „Sicher ist es stressig und nicht immer leicht, innovativ und kreativ zu sein. Aber das fordern meine Athleten und ich selbst von mir, denn Stillstand ist der Tod.“ Schmidt hat unterschiedliche Charaktere in der Gruppe, aber er ist froh, „mit Persönlichkeiten zu arbeiten, die in ihrer Disziplin mit das Beste der Welt darstellen“.

Leicht habe es ein Trainer, wenn er einen Plan schreibt, der Athlet diesen umsetzt und sich entwickelt. Doch das passiert im Erwachsenenbereich wohl höchst selten. Das Diskus-Trio erwartet individuelle Wege, permanenten Austausch und einen Coach, der ständig neue Impulse setzt. „Das macht die Aufgabe nicht leicht.“ Eine Einheit von 25 bis 30 Würfen dauert für seine Sportler eine Stunde, für Schmidt aber die dreifache Zeit, denn zum Techniktraining kommen die Athleten gestaffelt.

Schmidt ist davon überzeugt, dass Robert Harting durch den EM-Verzicht verlorenen Boden aufgeholt hat. „Robert hat die EM-Phase genutzt, um seine Idee von Technik noch einmal richtig zu erarbeiten und umzusetzen. Das waren zwei gewonnene Wochen für ihn“ Schmidt rechnet am 13. August mit einem extrem spannenden Männer-Wettbewerb, denn es gebe keinen Top-Favoriten. „Neben der Tagesform wird entscheiden, wer das Gold mehr will als die anderen und wer die Traute hat, ein höheres Risiko einzugehen.“ Vieles spricht für den „großen Harting“, der bereits im Juni bei der DM in Kassel so fokussiert und konzentriert wirkte, dass er im letzten Wurf das Ruder noch rumreißen konnte.

Auf das Finale am Vormittag sei der Bio-Rhythmus laut Schmidt eingestellt, „da ist es in Deutschland 15 Uhr – das passt.“ Vor einer besonderen Herausforderung stehe Julia Fischer, die am Abend vor dem Finale noch ihre Quali bestreitet und wie ein Zehnkämpfer womöglich nur fünf Stunden Schlaf abbekommt. Darüber ist Schmidt verärgert: „Die Geschichte läuft für die zweite Quali-Gruppe aus dem Ruder. Kein Mensch weiß, wie so ein Zeitplan zustande kommt. Die Hammerwerfer haben zum Beispiel zwei Tage Pause.“ Bevor sich die Berliner in den Trubel im olympischen Dorf begaben, tankten sie Kraft in Albufeira. Damit sparten sich die Diskus-Asse eine Stunde Zeitverschiebung – und konnten einen Tag später nach Rio anreisen. Die Ruhe in Portugal tat nicht nur dem Trainer gut. 

Von Frank Schober

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