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Kein Finale für "Packesel" Toba

Olympia Kein Finale für "Packesel" Toba

Mit seinem unglaublichen Einsatz trotz wahnsinniger Schmerzen hat sich Andreas Toba in die Herzen der Fans geturnt. Seine Gefährten schätzen ihn als "Packesel", der stets die Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Im Team-Finale ist er definitiv nicht dabei.

Rio de Janeiro. Für Fabian Hambüchen ist er das "Arbeitsschwein", für Lukas Dauser der "Packesel", der stets die Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Andreas Toba ist einfach der Teamplayer schlechthin.

Sein phänomenaler Einsatz am Pauschenpferd nach einem zuvor erlittenen Kreuzbandriss hat den Turner in Windeseile bekannt gemacht. Unter riesigen Schmerzen trat er humpelnd ans Gerät und verhalf so der deutschen Riege zum Einzug in das Teamfinale.

Dort wird Toba allerdings fehlen. Nach der MRT-Untersuchung stellte sich heraus, dass seine komplexe Knieverletzung mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes und einer Verletzung des Innenmeniskus keinen Start mehr zulässt. Eine Operation ist unumgänglich. Toba wird nach Deutschland zurückreisen, sobald er schmerzfrei ist.

"Ohne Andy wären wir gar nicht hier. Und er ist immerhin der Mann, der Fabian Hambüchen nach neun Titeln als deutscher Mehrkampf-Meister abgelöst hat." Der das sagt, ist kein Geringerer als Fabian Hambüchen selbst. Im Hamburg brach Toba die lange Serie des Hessen und gewann ausgerechnet an jenem Ort seinen ersten deutschen Titel, an dem auch sein Vater Marius Toba 22 Jahre zuvor im Mehrkampf erfolgreich war.

Familie Toba stammt aus Rumänien, noch heute gibt es enge Kontakt in die Heimat. Sein Vater feierte seinen größten Erfolg im deutschen Team bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney als Sechster an den Ringen. Noch heute verrät er seinem Sohn den einen oder anderen Kniff, ins Training unter Heimcoach Adrian Catanoiu mischt er sich aber nicht ein.

"Ehrgeizig, zielstrebig und schön" - mit dieser drei Worten charakterisiert der Hachinger Lukas Dauser seinen Gefährten und meint: "Einfach ein netter Typ, der keiner Fliege etwas zuleide tut." Bisher stand der ruhige, fast immer zurückhaltende Andreas Toba im Schatten seiner Teamkollegen. Hambüchen, Marcel Nguyen, Andreas Bretschneider und früher auch Philipp Boy holten die Medaillen. Doch Toba brachte mit seiner Ausgeglichenheit stets wichtige Punkte für das Team, ist seit 2012 bei allen großen Turnieren dabei. Vom Edelmetall an einzelnen Geräten war er aber meist weit entfernt.

Andreas Bretschneider bezeichnete seinen Kumpel Toba unlängst in einem Facebook-Video als "fleißige rumänische Honigbiene", die im Training jedes Element bis zur Perfektion einstudiere. In Rio demonstrierte der 25-Jährige nun diesen unbändigen Willen. "Er hat bewiesen, das er ein Kämpferherz hat - und kein Weichei ist", lobte Sportdirektor Wolfgang Willam.

Toba wies die von allen Kameraden gepriesene Tapferkeit zurück. "Ich habe geheult wie ein Schuljunge", gestand er ein. Ausschlaggebend seien nicht nur die Schmerzen im Knie, sondern die in der Seele gewesen, räumte Toba ein. "Wir haben jahrelang so viel trainiert. Jetzt aufzugeben, wäre sehr schade gewesen", schilderte er sein Motivation, das Unmögliche möglich zu machen. "Wir sind fast wie eine Familie. Ich wollte den Jungs unbedingt noch einmal unter die Arme greifen."

dpa

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