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Leipziger Triumphe: Ruderer Thiele und Wende holen zweimal Gold in Rio

Rudern Leipziger Triumphe: Ruderer Thiele und Wende holen zweimal Gold in Rio

Goldener Doppelschlag durch die Doppelvierer: Binnen zwölf Minuten haben die beiden DRV-Boote am ersten Finaltag der olympischen Ruder-Regatta die bisher enttäuschende deutsche Medaillenbilanz in Rio de Janeiro kräftig aufpoliert.

Beide Doppelvierer-Boote fuhren am Donnerstagnachmittag in Rio zu Gold.

Quelle: dpa

Rio/Leipzig. Zweifacher Medaillien-Triumph für Leipziger Ruderer am Donnerstag in Rio de Janiero. Sowohl der Doppelvierer der Frauen, in dem Annekatrin Thiele sitzt, als auch der Doppelvierer der Männer mit dem Messestädter Philipp Wende, gewannen am Nachmittag auf der Lagoa Rodrigo de Freitas Goldmedaillen.

„Gooold for Germany“, hallte es über die proppevollen Tribünen an der Lagoa Rodrigo de Freitas. Lauritz Schoof hörte es nicht mehr, er musste sich erst einmal übergeben. Doch der Rendsburger hatte als Erster die Kraft, reckte im Boot stehend die Siegerfaust in den Himmel, Karl Schulze (Berlin) riss das Ruder hoch, während Philipp Wende (Leipzig) und Hans Gruhne (Potsdam) ausgepumpt nach Luft rangen. Und an Land schossen Bundestrainer Alexander Schmidt die Tränen in die Augen. Vier Jahre nach dem Olympiasieg von London hatten Schoof, Schulze und Wende mit dem neuen Schlagmann Gruhne wieder zum goldenen Schlag ausgeholt. Und das nach einer chaotischen Saison mit „mehr Tiefs als Höhen“ (Gruhne). Es war die Überraschung von Rio, aber noch nicht das Ende. Als sich das Männer-Quartett frische Shirts für die Siegerehrung überzog, ruderte der Frauen-Doppelvierer zum Sieg. Doppel-Gold innerhalb von zwölf Minuten.

Als das Männer-Quartett aus dem Boot kletterte, brüllte es seine Freude heraus. Schoof überlegte sogar kurz, in die mit Keimen kontaminierte Brühe zu springen. Gruhne empfand eine „unmenschliche Freude und Leere“. Die Entbehrungen, dass sie kaum zu Hause waren, sich in fünf Trainingslagern gequält hatten, all das ging ihm durch den Kopf. Auch das Auf und Ab, die Niederlagen, wie die beim Weltcup in Luzern. Und dann war da noch der Last-minute-Tausch des Schlagmanns gewesen. Tim Grohmann machte Platz für Gruhne. Der hatte sich im März übernommen, war übertrainiert. „Mein Körper wollte nicht mehr. Ich lag da nachts mit 100er-Puls im Bett und dachte, ich bin beim Joggen.“ Jetzt war er zurück.

„Am Ende hatten wir mehr im Tank“

Die Problemschleife setzte sich in Rio mit dem „verkackten Vorlauf“ (Schoof) fort. „Der Druck im Hoffnungslauf war riesig“, gestand Schoof. Plötzlich wurde auch hinterfragt, ob sie sich für das richtige Boot entschieden hatten. Das neue hatten sie abgelehnt, hatten stattdessen auf das Weltmeister-Boot von 2015 gesetzt. Doch das war schon dreieinhalb Jahre alt. Zweifel. „Aber der klare Sieg im Hoffnungslauf war unser Schlüsselrennen. Da wussten wir, dass wir vom Kopf bereit sind, dem Druck standhalten.“ Er selbst hatte im Vorfeld auch viel mit Mentaltrainer Klaus Czarnetta gearbeitet. Der Ratzeburger hatte ihm schon vor den London-Spielen geholfen, die WM 2011 zu verarbeiten. Da hatte sich Schoof kurz vor Ziel einen Krebs eingefangen, Gold vermasselt. Geschichte. In Rio ging der Plan voll auf. „Wir wollten von Beginn an das Herz in die Hand nehmen“, sagte Schulze. „Bei 1000 Meter haben wir einfach weitergemacht, das war die wichtigste Phase“, erklärte Schoof.

Als für die Männer die Nationalhymne gespielt wurde, gab es bei den Frauen um Julia Lier (Halle/Saale) große Gefühle in der Mixed Zone. Carina Bär schloss ihren Freund Florian Mennigen in die Arme, küsste ihn. Sagen konnten beide nichts. Der Ratzeburger hatte 2012 im Achter Gold gewonnen, jetzt weinte er vor Rührung. „Er hatte extrem viel Geduld, musste viel verzichten, ich bin ihm so dankbar“, sagte die Heilbronnerin. Dabei hatte es nach 1000 Metern nicht nach Gold ausgesehen. Polen führte mit 2,29 Sekunden Vorsprung. „Das war so nicht geplant, da dachte ich: Jetzt muss etwas passieren“, erklärte Bär. Schlagfrau Lisa Schmidla (Krefeld) zog an. „Lisa, die immer mal einen raushaut, kann einen super Endspurt fahren, und am Ende hatten wir mehr im Tank“, sagte Bär. Es habe sich angefühlt, als ob man auf Schienen gleitet, freute sich Schmidla. Auch auf den Abend im Deutschen Haus. Dann steigt die erste Doppel-Gold-Party dieser Sommerspiele. Und Schoof kündigte an: „Dann lassen wir es richtig krachen.“

Von Frank Schober und Jens Kürbis

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