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Lichtenberg: Von Olympia-Touristin zur Medaillenhoffnung

Olympia Lichtenberg: Von Olympia-Touristin zur Medaillenhoffnung

Die Hoffnungen auf eine deutsche Medaille in den olympischen Straßenradrennen ruhen auf Claudia Lichtenberg. Die Münchnerin ist als Kletterspezialistin für den schweren Kurs in Rio prädestiniert. In London war das noch anders.

Rio de Janeiro. Vor vier Jahren flossen noch Tränen. Wenige Stunden, nachdem sie mit der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier in London ins Stadion eingelaufen war, platzte für Claudia Lichtenberg der Traum von der Olympia-Teilnahme.

Die Münchnerin rutschte aus dem endgültigen Aufgebot für das Straßenradrennen und war am Ende nur eine enttäuschte Olympia-Touristin. In Rio de Janeiro muss die 30-Jährige ein derartiges Schicksal nicht fürchten. Lichtenberg ist am Sonntag die größte deutsche Hoffnung auf eine Medaille bei den Frauen.

Denn diesmal ist ihr Typ gefragt. War der London-Kurs mit dem Ziel vor dem Buckingham-Palast noch für Sprinter ausgelegt, sind diesmal die Kletterer gefragt. Schließlich wartet nach einem ohnehin welligen Kurs zum Schluss noch die Vista Chinesa, ein achteinhalb Kilometer langer Anstieg mit durchschnittlich 5,7 Prozent Steigung. "Der letzte Berg ist super schwer", sagt die zierliche Bayerin und hofft bei der "Bergetappe" auf ihre Chance: "Ich habe mich total auf Rio fokussiert und weiß, dass ich dabei sein kann, wenn die Entscheidung fällt."

Denn Klettern ist ihre große Stärke. Regelmäßig landet sie vordere Platzierungen beim Giro d'Italia, der schwersten Rundfahrt im Frauenbereich. 2009 gewann sie sogar das Rosa Trikot, 2008 und 2013 wurde sie jeweils Dritte. In diesem Jahr reichte es immerhin zum vierten Gesamtplatz. Je schwerer der Kurs, desto größer die Chancen für Lichtenberg, die bis vor zwei Jahren noch unter ihrem Mädchennamen Häusler an den Start ging.

Für den Olympia-Traum hatte Lichtenberg extra im vergangenen September mit der deutschen Delegation den Kurs begutachtet, was ihre Lust auf Rio noch weiter gesteigert hat. Es dürfte eine ihrer letzten Chancen auf einen Erfolg im Nationaltrikot sein. Das würde auch ihren Bekanntheitsgrad gewaltig steigern, fristet der Frauen-Radsport doch ansonsten eher ein Schattendasein.

Lichtenberg fährt zwar für das belgische Lotto-Soudal-Ladies-Team, doch großer Reichtum ist damit nicht zu machen. Dafür baut die Münchnerin bereits an der Karriere nach der Karriere. Lichtenberg steht in den letzten Zügen ihres Maschinenbaustudiums mit der Fachrichtung Medizintechnik. Nur die Bachelorarbeit fehlt noch. "Es war mir immer sehr wichtig, neben dem Radsport noch eine andere berufliche Option zu haben", betont sie. Diese Option kann aber noch ein wenig warten.

dpa

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