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Michael Phelps: Der König der Schwimmer

Das Comeback des Supestars Michael Phelps: Der König der Schwimmer

Superstar Michael Phelps sammelt in Rio weiter Goldmedaillen – und hat sein Leben endlich im Griff. Eine Annäherung in vier Schritten.

Michael Phelps

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Michael Phelps ragte aus dem Wasser, beide Arme und Zeigefinger nach oben gestreckt. Vor ihm das Wasser, durch das er gerade über 200 Meter Schmetterling gepflügt ist. Der Jubel der 15.000 Zuschauer im Aquatic Center von Rio, der immer lauter geworden war je näher der Ausnahmeschwimmer dieses Planeten dem Ende der letzten Bahn ankam, war noch immer nicht verebbt. Die Geste des 1,93 Meter großen Muskelpakets: Seht her, ich bin der König. Später holte er mit der Staffel die nächste olympische Goldmedaille – seine 21. – Rekord! Aber wer ist dieser Michael Phelps eigentlich? Eine Annäherung in vier Schritten.

Schwere Kindheit: Schwimmen ist für Michael Phelps seit jeher mehr als nur Sport. Im Wasser befreit er sich von den Kämpfen, die er an Land mit sich und seiner Umgebung austrägt. Im Alter von sieben Jahren beginnt der US-Amerikaner, geboren in Baltimore, mit dem Schwimmen. Bei Phelps ist zuvor das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom festgestellt worden. Im Becken findet er einen Ausgleich. Das ist auch nötig, denn leicht hat es der junge Michael nicht: Sein Vater, ein Polizist, verlässt die Familie, als Phelps gerade acht Jahre alt ist. „Die Wut auf meinen Vater war für mich besonderer Antrieb“, sagt Phelps. Er wächst „in einem Haus voller Frauen“ (Phelps) auf, mit seiner Mutter und seinen beiden älteren Schwestern. Schwimmtrainer Bob Bowman wird so schnell eine Art Ersatzvater. Er macht ihn schnell, erzieht ihn mit. Aber er gibt ihm nicht das, wonach er sich sehnt: „Ich wollte jemanden haben, den ich ab und zu auch umarmen konnte“, sagt Phelps. Bowman ist ein Mann der Disziplin, der den jungen Phelps aus der Halle schmeißt, wenn er nicht gehorcht. Sportlich führt dieser Weg zum Erfolg: Mit 15 Jahren schafft es Phelps zu den Olympischen Spielen nach Sydney, bleibt aber ohne Medaille.

Aufstieg zum Superstar: Noch mit 15 schwimmt Phelps zu seinem ersten Weltrekord, mit 16 gewinnt er seine erste WM-Medaille. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen wird er der Superstar. Phelps gewinnt sechs Goldmedaillen, dazu zweimal Bronze. „Ich habe ein Monster erschaffen“, sagt sein Trainer Bob Bowman danach. Und das Monster verbreitete weiter Schrecken – bei der Konkurrenz. Phelps gewinnt alles, was es zu gewinnen gibt. Bei den Sommerspielen in Peking 2008 schwimmt er zu acht Goldmedaillen, sieben in neuer Weltrekordzeit. In London 2012 holt er vier Gold- und zwei Silbermedaillen, ehe er als erfolgreichster Olympionike seine Karriere beendet. Vorerst.

Der Fall: Nach dem Rücktritt schafft Phelps die Schritte an Land nicht. Er weiß nicht wohin mit sich und seiner Zeit. „Ich habe mich immer nur als Schwimmer gesehen“, sagt er rückblickend. „Das war’s. Ich war mir selbst nicht mehr wert als das.“ Phelps verbringt viel Zeit in Casinos. Er pokert viel. Aber die Erfüllung findet er nicht. „Ich wusste nicht mehr, was meine Ziele waren. Ich bin morgens aufgewacht und habe mich einfach wieder umgedreht. Es war unmöglich, an den Erfolg anzuknüpfen.“ Schon ein Jahr nach den Spielen in London denkt er an ein Comeback, ruft seinen alten Trainer an. Da hat er zehn Kilo Übergewicht. Bowmann erkennt seinen Sportler nicht mehr. „So wie er sich verhält, wird er sich töten“, denkt er. Im Herbst 2014 wird Phelps von der Polizei angehalten. Phelps ist betrunken, erhält eine Bewährungsstrafe, wird sechs Monate von Wettkämpfen gesperrt. „Wenn Sie die Botschaft jetzt nicht verstehen oder vergessen, muss ich Sie ins Gefängnis stecken“, sagt der Richter.

Die Auferstehung: Phelps versteht die Botschaft. Er macht eine Therapie, lernt, ein glücklicher Mensch zu werden. Dabei hilft ihm seine Freundin, das Modell Nicole Johnson. Beide verloben sich, wollen nach den Spielen in Rio heiraten. Phelps ändert sein Training, schwimmt weniger, achtet auf seinen Körper. Im Becken, das immer sein Leben war, fühlt er sich jetzt nicht mehr eingeengt. „Ich fühle mich freier.“ Nach seinem ersten Gold in Rio klettert er auf die Tribüne, küsst seine Mutter, seine Verlobte, nimmt seinen Sohn auf den Arm. „Ich bin auf einer Mission, ich habe sie erfüllt“, sagt er. Diesmal hat er die Schritte aus dem Wasser geschafft.

Manuel Becker

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