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Olympia ohne Druck: Steffen freut sich auf Rio

Olympia Olympia ohne Druck: Steffen freut sich auf Rio

2008 rettete Britta Steffen mit Doppel-Gold die deutsche Schwimmbilanz; 2012 gelang ihr das mit Platz vier nicht. Die 32-Jährige genießt nun längst die Karriere nach der Karriere. In Rio erlebt sie trotzdem ganz besondere Olympische Spiele.

Rio de Janeiro. Britta Steffen schläft länger. Britta Steffen treibt nur noch aus Freude Sport. Britta Steffen hat viel mehr Zeit für Bildung, Freunde und Familie.

Und die Olympiasiegerin von 2008 kann sich die schönen Orte der Welt endlich anschauen, ohne jedes Mal in irgendein Schwimmbad zu müssen. Nach vier Olympia-Teilnahmen von 2000 bis 2012 fiebert die 32-Jährige der Eröffnungsfeier am Freitag in Rio de Janeiro mit einem ganz neuen Gefühl entgegen. "Ich freue mich, dass ich zum ersten Mal nicht diesen riesigen Leistungsdruck habe", sagt die frühere Freistil-Schwimmerin.

Wäre sie im September 2013 nicht zurückgetreten, würde die Anspannung vor dem ersten Olympia-Start jetzt immer größer werden. Fragen nach Form, Chancen und Gegnerinnen dürften immer wieder in den Sinn kommen. "Man wird kribbelig und will langsam, dass man sich beweisen kann. Man sehnt den ersten Start herbei", schildert Steffen. Alte Automatismen stecken trotz eines erfüllten Lebens in der Karriere nach der Sportkarriere mit Vorträgen, Studium und eigener Firma immer noch in ihr. "Wenn ich Chlorgeruch in der Schwimmhalle rieche, kommt sofort das Wettkampf-Feeling", sagt sie.

Steffen startete erstmals als 16-Jährige bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney als Vorlaufschwimmerin in der Freistilstaffel über 4 x 200 Meter, die später Bronze gewann. Sie wurde mehrfach Welt- und Europameisterin auf Kurz- und Langbahn, schwamm wiederholt Weltrekord. "Ein Weltrekord ist was für eine lange Zeit, aber nichts für die Ewigkeit. Das ist ein Olympiasieg", betont Steffen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Bei Steffen waren es sogar zwei Olympiasiege: In Peking vergoss die Wahl-Berlinerin vor acht Jahren am Beckenrand Freudentränen.

Den ersten ihre Weltrekorde schwamm Steffen schon zwei Jahre früher: auf die Wochen genau vor zehn Jahren bei der EM in Budapest. "Dass man das überhaupt erreichen konnte, einmal zu sagen, dass man auf dieser Strecke die Beste der Welt ist, war was ganz Cooles. Da freut man sich viele, viele Jahre noch." Bei der WM 2009, als es in den Wunderanzügen eine Flut von Bestzeiten gab, legte sie zuletzt Weltrekorde über 50 und 100 Meter Freistil hin. Über die 100 Meter war die Australierin Cate Campbell Anfang Juli eine Hundertstelsekunde schneller. Über 50 Meter will es die 24-Jährige kommende Woche im Olympia-Becken sein.

"Wenn sie es schaffen sollte, wird das ein kleiner, schmerzhafter Impuls sein. Wie so ein Nadelstich. Aber wenn es erwartet ist, tut es im Nachhinein nicht so weh", sagt Steffen. "Aber es ist gut, wenn man für sich und mit seiner Karriere im Reinen ist. Ich habe einen guten Abschluss gefunden. Es ist ein Haken an dieser Zeit - und dann kann man viel besser loslassen." Und wer Britta Steffen als Sportlerin kennt, weiß, dass sie Campbell dann aus ganzem Herzen gratulieren wird.

Sollte das in Rio passieren, kann Steffen es sogar persönlich tun. Die frühere Lebenspartnerin von Paul Biedermann ist auf Einladung eines Sponsors in der brasilianischen Metropole. Dort freut sie sich neben dem Mitfiebern besonders bei Schwimm-, Hockey- und Tischtennis-Wettkämpfen auch auf vom Sponsor in die Wege geleitete Treffen mit Schwimm-Größe Ian Thorpe, Hochsprung-Legende Dick Fosbury und Tennis-Königin Steffi Graf. "Ich bin gespannt ob ich gegen Steffi Graf mal Tennis spielen kann", sagt Steffen - und lacht.

dpa

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