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Scheder knapp vor Seitz: Historische Turn-Medaille

Olympia Scheder knapp vor Seitz: Historische Turn-Medaille

Dramatik pur: Im Stufenbarren-Finale machen zwei deutsche Turnerinnen Bronze unter sich aus. Am Ende strahlt Sophie Scheder, Elisabeth Seitz muss sich hausdünn geschlagen mit Platz vier zufrieden geben.

Sophie Scheder freut sich über Bronze.

Quelle: Lukas Schulze

Rio de Janeiro. Sophie Scheder genoss den Moment mit geschlossenen Augen, bei Elisabeth Seitz kullerten dicke Tränen. Im deutschen Duell um die olympische Bronzemedaille am Stufenbarren setzte sich die Chemnitzerin Scheder hauchdünn um 0,033 Punkte vor ihrer Teamgefährtin durch.

Vor der Entscheidung erlebten beide bange Sekunden, ehe die Wertung von Seitz als letzter Starterin auf der Anzeigetafel erschien. "Ich stand wie versteinert da und dachte: Oh scheiße, jetzt ist Eli Vierte. Erst dann wurde mir klar, dass ich ja Bronze gewonnen habe", sagte die 19 Jahre alte Chemnitzerin Scheder glücklich. "Aber das ist typisch für mich, ich denke immer zuerst an die anderen." Seitz kam mit Tränen in den Augen sofort auf die Teamgefährtin zu und gratulierte, danach lagen sich beide in den Armen.

Mit 15,566 Punkten erzielte die deutsche Mehrkampfmeisterin Scheder das beste Olympia-Ergebnis einer deutschen Turnerin an diesem Gerät seit 28 Jahren. 1988 in Seoul hatte die Berlinerin Dagmar Kersten für die DDR die Silbermedaille gewonnen. Es war die erste Medaille für die deutschen Turner bei den Spielen von Rio. Nun hat Fabian Hambüchen am Dienstag die große Chance, die Bilanz am Reck weiter auszubauen.

Seitz (15,533) war sichtlich angeschlagen nach dem undankbaren vierten Platz. Beide Deutsche hatten glanzvoll ihre Übungen gezeigt und sich nicht die kleinsten Fehler geleistet. Seitz haderte dann aber doch, dass ihr eine geplante Verbindung zwischen zwei schwierigen Elementen nicht gelang. Diese hätte ihr noch zwei Zehntel mehr im Ausgangwert gebracht. "Ich bin gestern extra noch mal in die Halle gegangen, um die Verbindung zu üben. Jetzt frage ich mich, ob sich all dieser Aufwand im Training lohnt", bedauerte die beste deutschen Turnerin der vergangenen Jahre. In London war sie schon Olympia-Sechste geworden.

Doch schon im nächsten Moment gönnte sie der Rivalin die Medaille: "Klar freue ich mich für Sophie." Aber für sie sei es "noch ein bisschen enttäuschender, wenn es so knapp ist. Das ist ein Hauch von Nichts." Doch letzten Endes sollte auch sie zufrieden sein. "Ich bin die viertbeste Turnerin am Stufenbarren auf der ganzen Welt. Man will alles perfekt machen. Und wenn es eben nicht klappt, dann darf man auch mal das eine oder andere Tränchen vergießen."

Cheftrainerin Ulla Koch zeigte volles Mitgefühl mit Eli: "So ist aber der Sport. Wir haben in den letzten Jahren so viel Geschichte geschrieben, aber Geschichte ist eben im nächsten Moment schon vorbei und wir müssen nach vorne schauen", meinte die Trainerin nach der Sternstunde für das deutsche Frauen-Turnen. Nur einmal hatte es zuvor mit Sprung-Silber 2008 durch die eingebürgerte Oksana Chusovitina eine Medaille bei Olympia gegeben. "Es ist gigantisch, einfach toll", sagte Koch.

Den Titel sicherte sich wie schon in London die Russin Alija Mustafina mit 15,900 Punkten vor Weltmeisterin Madison Kocian aus den USA (15,833). Die beiden anderen Mitfavoriten Daria Spiridonowa und Gabrielle Douglas patzten und machten damit den Weg frei für Bronze.

Chusovitina, die in Bergisch-Gladbach lebt, konnte ihren schwierigen Produnowa-Sprung (Ausgangswert 7,0) nicht stehen. Bei ihrer siebten Olympia-Teilnahme - diesmal für Usbekistan - landete sie mit 41 Jahren auf Rang sieben. Sie verabschiedete sich in Rio mit Handküssen an das Publikum von den Turn-Podien.

Zuvor hatte US-Superstar Simone Biles am Sprung ihren dritten Olympiasieg in Rio geholt. Sie gewann mit zwei bestechenden Sätzen und 15,966 Punkten erneut haushoch vor der Russin Maria Paseka (15,266). Die Texanerin steuert nun dem ersten Fünffach-Triumph einer Turnerin bei Olympischen Spielen entgegen. In den kommenden Tagen gilt sie auch als Top-Favoritin am Schwebebalken und am Boden.

dpa

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