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Till Schäller will in der Messestadt künftige Spitzenturnerinnen ausbilden

Gebürtiger Leipziger Till Schäller will in der Messestadt künftige Spitzenturnerinnen ausbilden

Till Schäller, DDR-Meister im Mehrkampf und später Bundesligaturner betreut nun die jungen Turnerinnen in seiner Geburtsstadt Leipzig. Nach einer langen Durststrecke soll es auch in der Messestadt wieder aufwärts gehen für den Turnsport.

Trainer Schäller mit den jungen Turnerinnen des Turn- und Gymnastikclubs Leipzig.

Quelle: Modla

Leipzig. Am Königsgerät Reck will er seinen letzten internationalen Triumph feiern und die olympische Bühne heldenhaft verlassen: Deutschlands Vorzeige-Turner Fabian Hambüchen (28) hat’s drauf. „Ich wünsche ihm eine Medaille von Herzen. Wenn er noch einmal einen raushaut, wäre das der krönende Abschluss seiner Karriere“, sagt Till Schäller. Der 38-Jährige muss es wissen, schließlich teilte er sich mit dem Ausnahmeathleten in Wetzlar quasi die Turnhalle.

Schäller trainierte dort die jungen Mädchen des KTV, Hambüchen übte mit Vater Wolfgang – ehrgeizig, beispiellos, fokussiert. Als Mensch? „Sehr umgänglich und nett“,  erlebte Coach Schäller den Turn-Star abseits der Geräte. Dennoch wurde jetzt die Trennung bekannt. Die Gründe sind ausnahmslos heimatverbunden. Der gebürtige Leipziger Till Schäller, DDR-Meister im Mehrkampf, Bundesligaturner, im West-Verein ehrenamtlicher Trainer/Geschäftsführer und im Hauptjob Gastronom, wollte noch einmal Neuland betreten. Da kam das Angebot des Turn- und Gymnastikclubs Leipzig gerade recht. Der Neue im Team betreut die Mädchen der Altersklasse 10 bis 14. Es sind die zarten Pflänzchen, die nach einer längeren Durststrecke der früheren Weltklasse-Adresse wieder oben angreifen wollen.

Die ersten Schritte sind getan, die zehnjährigen Zwillinge Alina und Jessica Schlegel  gehören zum Nachwuchskader des Deutschen Turner-Bundes sowie die ein Jahr jüngere Rosalie Röber (Landeskader) lernen jetzt am Sportgymnasium. Anschauungsunterricht vom Spektakulärsten haben sie in dieser Woche bei den Übertragungen der Frauen-Wettkämpfe aus der Olympia Arena erhalten.

Die US-Girls – eine Augenweide, die deutschen Mädels –  im DTB-Trikot so gut wie nie. Ins Schwärmen ob der super Amerikanerinnen kommt Kerstin Schlegel. „Das sind außergewöhnliche Typen, topfit und athletisch. Es gibt dort spezielle Turn-Camps, in denen die Leistungen systematisch entwickelt werden“, weiß die promovierte Sportwissenschaftlerin, Kampfrichterin, Trainerin im Ehrenamt und Mama von Alina und Jessica.  Sie stellt auch klar: „In den USA hat der Turnsport eine ganz andere Lobby als hier. Bei uns muss um jeden Euro gekämpft werden. Ehrgeiz und Leidenschaft allein reichen nicht, um  Großes zu schaffen.“

Städtische Förderung

Die Stadt hilft, wo es die Kasse hergibt. So wurden  im Turn-Domizil Leplaystraße für rund 180 000 Euro die zwei Sportböden sowie die Schaumgummi-Schnitzelgrube erneuert. Mit circa 88 000 Euro beteiligte sich der Freistaat Sachsen daran. „In der Turnhalle trainieren zu 98 Prozent Kinder und Jugendliche. Sie sind ein Schwerpunkt städtischer Förderung“,  betont Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes. Die nächste Maßnahme ist geplant. Für 4,3 Millionen Euro wird laut Sportprogramm 2024 die „Leppi“ modernisiert .

Alter Hut, dass der Spagat zwischen Leistungs- und Breitensport, vielschichtiger Verbandsarbeit und mannigfaltigen Problemen schwierig ist. Heißt aber auch, Flagge zeigen: Bekanntlich hat sich Leipzig für das Internationale Turnfest 2021 beworben, dazu die World Gymnaestrada zwei Jahre später fest im Blick. Zu den Aussichten des Turnfest-Kandidaten Leipzig wollte DTB-Präsident Rainer Brechtken (feiert am Montag 71. Geburtstag) nichts sagen. „Ich rede nicht über Tendenzen, und eine

Wasserstandsmeldung macht keinen Sinn.“  Am 1. Oktober findet ein außerordentlicher Turntag in Frankfurt statt, dann soll möglichst eine Entscheidung fallen.

Nach dem Turnen ist in Rio vor der Rhythmischen Sportgymnastik. Die deutsche Gruppe kämpft um den Finaleinzug, Einzelstarterin Jana Berezko-Marggrander (TSV Schmiden) bleibt  realistisch und gibt Platz 15 als Ziel aus. Die TuG-Gymnastinnen sind zielstrebig auf dem Weg. Für vorbildliche Nachwuchsarbeit gab es aktuell „Das Grüne Band“. DOSB und Commerzbank honorieren die Arbeit mit einer 5000-Euro-Prämie, 50 Vereine deutschlandweit sind es insgesamt. Im Herbst werden die Trophäen und der Scheck überreicht.  

Kerstin Förster

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