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Und jetzt auch Rio: IOC weiter in der Vertrauenskrise

Olympia Und jetzt auch Rio: IOC weiter in der Vertrauenskrise

Wieder muss sich mit Carlos Nuzman ein ehrenwertes Mitglied der olympischen Familie dagegen wehren, korrupt zu sein. Der Vorwurf gekaufter Rio-Spiele kommt für IOC-Präsident Bach unpassend, will er doch vor großer Kulisse die saubere Welt des Sports präsentieren.

Versucht weiter um die Glaubwürdigkeit des Sportes zu kämpfen: IOC-Präsident Thomas Bach.

Quelle: Christopher Bodeen

Lima. Die schöne Inszenierung ist dahin, bevor das Schauspiel überhaupt auf die Bühne kommt. Wenn in der kommenden Woche im Großen Nationaltheater in Lima die IOC-Mitglieder am Vorabend ihrer Vollversammlung (Session) zusammenkommen, trifft einmal mehr der Vorwurf der Korruption die olympische Familie.

Dabei wollen die IOC-Mitglieder um ihren deutschen Präsidenten Thomas Bach eigentlich genau das Gegenteil präsentieren: Mit der Kür von Paris und Los Angeles als Ausrichter der Sommerspiele 2024 beziehungsweise 2028 soll die olympische Bewegung in nichts als makellosem Glanz scheinen.

Doch Razzien der brasilianischen Polizei im Anwesen von Carlos Nuzman und im Haus des Nationalen Olympischen Komitee, dessen Präsident der 75-Jährige ist, weisen auf die dunkle Seite des milliardenschweren Geschäfts mit dem Sport. Nuzman war auch Chef des Organisationskomitees der Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro und soll nach Erkenntnissen der französischen Justiz afrikanische IOC-Mitglieder mit Zahlungen für Stimmen zugunsten Rios geködert haben. Nuzman, Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), musste seinen Pass abgeben. Sein Anwalt weist die Beschuldigungen zurück.

Dass bei der Vergabe an Rio am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen seien könnte, war schon im vergangenen März publik geworden. Im Fokus stand damals das namibische IOC-Mitglied Frankie Fredericks, vierfacher Silbermedaillengewinner Olympischer Spiele und bis dahin Chef der Evaluierungskommission für die Spiele 2024. Diese überaus einflussreiche Kommission berichtet dem IOC regelmäßig über Fortschritte von Bewerbern. Seitdem versucht der ehemalige Top-Sprinter den Vorwurf zu entkräften, etwas mit Schmiergeldzahlungen in Höhe von 1,5 Millionen US-Dollar (etwa 1,37 Millionen Euro) zu tun zu haben.

Auch Tokio, Ausrichter der nächsten Sommerspiele 2020, musste sich mit Erkenntnissen französischer Ermittler befassen, die Spiele seien gekauft worden. Die Untersuchung japanischer Behörden sind eher zögerlich und bislang ergebnislos. Die Verdächtigungen werden von den Organisatoren in Tokio bestritten. Und doch deutet vieles auf eine Art Muster hin.

Solche illegale Machenschaft wollte Thomas Bach seit seinem Amtsantritt 2013 unterbinden und machte die Reform des IOC zu seinem ganz eigenen Projekt. Nun wird er wieder einmal von der Vergangenheit eingeholt. Der IOC-Präsident, der für seinen Umgang mit dem russischen Doping-Skandal vor den Rio-Spielen bis heute in der Kritik steht, will am Mittwoch (13. September) in der peruanischen Hauptstadt eigentlich ein neues Kapitel bei der Vergabe Olympischer Spiele aufschlagen.

Als sich nämlich die Reihen der Bewerber für die Sommerspiele 2024 lichteten - weil Bürger oder Politik in Boston, Hamburg, Rom und Budapest aus Angst vor ausufernden Kosten Rückzieher machten, ebnete Bach in rasantem Tempo den Weg für die erst zweite Doppelvergabe in der Geschichte Olympischer Spiele. Immerhin ein Verfahren, das die Gefahr der Manipulation sicher verringert.

Paris und Los Angeles werden sich vor Unterzeichnung des Vertrages noch einmal von der besten Seite präsentieren und die Vorfreude auf fabelhafte Olympische Spiele 2024 und 2028 wecken. Für Bach und das IOC wird es danach dennoch zu allererst darum gehen müssen, dass die Vorwürfe schonungslos aufgeklärt und gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen werden, in den eigenen Reihen aufzuräumen. Zeit für Erneuerung ist reichlich: Erst 2025 steht die Vergabe der Sommerspiele 2032 an.

dpa

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