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Wende im Doping-Proben-Fall: IOC entlastet Kenia-Trainer

Olympia Wende im Doping-Proben-Fall: IOC entlastet Kenia-Trainer

Dummheit oder Versehen, aber kein Betrug. Der kenianischer Trainer John Anzrah war beschuldigt worden, für den 800-Meter-Läufer Ferguson Rotich eine Doping-Probe abgegeben zu haben. Das IOC entlastet den Coach: Er nutzte die Athleten-Akkreditierung nur, um zu frühstücken.

Das IOC will eine Disziplinarkommission zu dem Fall einrichten.

Quelle: Michael Kappeler

Rio de Janeiro. Der angebliche Doping-Betrugsversuch eines kenianischen Trainer ist offenbar nur ein Dummheit oder ein Versehen gewesen.

Wie ein Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees mitteilte, habe Coach John Anzrah keinen Doping-Test für den 800-Meter-Läufer Ferguson Rotich bei einer Kontrolle abgegeben. Vielmehr sei Anzrah mit der Akkreditierung des Athleten nur in die Mensa des Olympischen Dorfes gegangen, um zu frühstücken. Dabei sei er von Kontrolleuren zum Doping-Test gebeten worden. Mit seinem Personalausweis hätte er aber seine wahre Identität offenbart.

"Es ist klar, dass er keinen Doping-Test für den Athleten gemacht hat", erklärte IOC-Sprecher Mark Adams. Damit widersprach er der Darstellung von Kenias Chef de Mission Stephan Arap Soi. Er hatte am Donnerstag erklärt, Anzrah sei zur Doping-Kontrollstation gegangen, habe sich als Ferguson Rotich ausgegeben, die Probe abgegeben und die notwendige Unterschrift geleistet. Kenia hat den Trainer bereits in die Heimat zurückgeschickt.

Das IOC hatte sofort eine Disziplinarkommission mit der Untersuchung des inzwischen kuriosen Falls eingesetzt. Zu den Akten gelegte ist die Sache aber noch nicht. "Es ist noch nicht vorbei", sagte Adams. "Wir werden Maßnahmen gegen beide ergreifen, wenn es notwendig ist." Mittelstreckenläufer Ferguson Rotich war am Freitag im olympischen Vorlauf über 800 Meter am Start und erreichte als Zweiter mit 1:46,0 Minuten das Halbfinale. "Ich habe alles gesagt", lautete Rotich's kurzer Kommentar nach dem Lauf in der Mixed-Zone.

Vier Tage zuvor war der kenianische Leichtathletik-Delegationschef Michael Rotich von den Rio-Spielen abgezogen worden. Die Ethikkommission des Leichtathletik- Weltverbandes IAAF hat den Olympia-Teammanager inzwischen von allen offiziellen Funktionen vorläufig suspendiert. Dies geschehe im "Interesse der Integrität", teilte die IAAF am Freitag mit. Die Suspendierung wurde für 180 Tage ausgesprochen.

In einem ARD-Film wurde Rotich beschuldigt, Athleten gegen Geldzahlung verraten zu haben, wann sie eine Doping-Kontrolle zu erwarten haben. Er war aus dem Olympia-Teams Kenias ausgeschlossen und nach Hause beordert worden. Bei der Rückkehr in sein Land soll er festgenommen worden sein.

Kenia steht beim IOC nach zahlreichen Doping-Vergehen seit längerer Zeit unter besonderer Beobachtung. Bei der Ankündigung der vom IOC aufgelegten mehr als 2000 Doping-Zielkontrollen vor den Rio-Spielen wurde ungewöhnlicherweise vorher darauf hingewiesen, dass besonders Athleten aus Kenia und Russland ins Visier genommen werden.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte vor den Sommerspielen in Brasilien viel Druck auf das afrikanische Land ausgeübt, ein Anti-Doping-Gesetz und ein funktionierendes Kontrollsystem zu schaffen. Das Gesetz wurde wenige Wochen vor Olympia-Beginn verabschiedet. In der Folge nahm die WADA Kenia von der Liste der Ländern, deren Doping-Bekämpfung konform mit den Regeln der Weltagentur sind.

Kenia gilt als große Läufer-Nation. Die Leichtathleten des Landes gewannen bei der WM 2015 in Peking die meisten Medaillen. In einer Reihe von Fernsehberichten der ARD wurden immer wieder Vorwürfe erhoben, dass in Kenia Doping-Mittel leicht zugänglich sind und es einen erhebliche Mentalität des Sportbetrugs geben soll. Seit 2011 wurden mehr als 40 kenianische Athleten positiv auf Doping getestet.

dpa

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