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ZDF zu Olympia-Rechten: "liegen noch weit auseinander"

Olympia ZDF zu Olympia-Rechten: "liegen noch weit auseinander"

Mehr als 300 Stunden haben ARD und ZDF live aus Rio berichtet. Es sieht derzeit so aus, als wäre es die vorerst letzte Olympia-Vorstellung der öffentlich-rechtlichen Sender gewesen. Rechte für die kommenden Spiele haben sie nicht.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey gibt im Interview Auskunft zu den Verhandlungen über Olympia-Rechte.

Quelle: Rainer Jensen

Rio de Janeiro. Das Mammut-Programm aus Rio ist für ARD und ZDF beendet. Es könnte die Abschiedsvorstellung gewesen sein. Noch immer haben die Sender keine Sub-Lizenz von Discovery/Eurosport für die kommenden Olympischen Spielen erworben.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärt im Interview der Deutschen Presse-Agentur, wie der Stand bei den schwierigen Verhandlungen ist.

Was hat Ihnen an der ZDF-Berichterstattung aus Rio am besten gefallen?

Peter Frey: Was mich persönlich sehr überrascht und gefreut hat: Die Berichterstattung über Sportereignisse, die normalerweise kein so großes Interesse wecken wie Schießen, Turnen oder Beachvolleyball, ist sehr gut angenommen worden. Dass die entscheidende Phase mit der Bogenschützin und Silbermedaillen-Gewinnerin Lisa Unruh vor dem heute-journal von knapp neun Millionen Zuschauern gesehen wurde, das war schon ein Erfolg, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Er zeigt, wie stark die Hauptprogramme von ARD und ZDF als Plattformen für solche Ereignisse in Deutschland sind.

Gibt es aus Ihrer Sicht auch etwas zu kritisieren?

Frey: Natürlich war es wegen der Zeitverschiebung bedauerlich, dass vor allem die großen Leichtathletik-Wettbewerbe zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens stattgefunden haben. Ich hätte es den Zuschauern schon gegönnt, dass sie den 100-Meter- oder den 200-Meter-Lauf hätten live miterleben können.

Die Frage zielte mehr in Richtung der ZDF-Berichterstattung.

Frey: Ich finde, die Kolleginnen und Kollegen haben Großartiges geschafft: Sie haben rund 160 Stunden lang gesendet, aktuell reagiert, Ereignisse eingeordnet und neben dem Hauptprogramm auch noch die sechs Live-Streams bespielt. Und das alles mit dem gleichen Personalaufwand wie wir ihn auch in London hatten. Das ist eine Leistung, da kann ich nur sagen: Chapeau an meine Kollegen! Bei diesen Olympischen Spielen haben wir außerdem die Erfahrung gemacht, wie gut die Online-Vermarktung, die Livestreams und der Abruf von vorbereiteten Videos funktioniert hat.

War das jetzt die Abschiedsvorstellung für längere Zeit für ZDF und ARD von Olympischen Spielen?

Frey: Ich hoffe nicht. Diese Spiele haben uns wieder gezeigt, wie attraktiv Olympia ist.

Woran hakt es denn bisher in den Verhandlungen mit Discovery/Eurosport?

Frey: Die finanziellen Vorstellungen liegen noch weit auseinander. Wir haben unser Angebot auf den Tisch gelegt - und ich hoffe, dass wir noch zusammenkommen.

Bis wann haben Sie eine Deadline für diese Verhandlungen?

Frey: Die Deadline wird durch die redaktionellen und produktionellen Vorbereitungen gesetzt, und die orientieren sich am Rechtepaket. Und letztlich spielt die Möglichkeit, beim Host Broadcaster OBS notwendige Buchungen wie für Studio- und Büroflächen, Kamera-Positionen und Interview-Möglichkeiten vornehmen zu können, eine entscheidende Rolle. OBS drängt uns schon, weil sie wissen wollen, welche Ausstattung wir in Südkorea brauchen. Je länger wir im Ungewissen sind, desto schmaler wird das Zeitfenster, um uns professionell vorzubereiten.

Im Fall, dass Sie sich nicht einigen - drohen dann Entlassungen im ZDF-Sport?

Frey: Um unsere Sport-Kolleginnen und -Kollegen müssen Sie sich keine Sorgen machen. Wir haben ausreichend programmliche Herausforderungen und Aufgaben. Für den Zuschauer stellt sich aber die Frage, ob er - vor allem was die deutschen Sportler angeht - in der gleichen Qualität und in der gleichen Fokussierung bei Olympischen Spielen informiert wird wie jetzt bei ARD und ZDF.

Es würden dann geschätzte 100 Millionen übrig bleiben. Welche anderen Sportereignisse wären dann attraktiv?

Frey: Man handelt ja immer eins nach dem anderen ab. Für uns steht jetzt Olympia vorne. Ich sage nochmals: Wir haben großes Interesse, diese jahrzehntelange Tradition als Olympia-Sender nicht fallen zu lassen. Aber wir bewegen uns auch finanziell in einem abgesteckten Rahmen. Wir wissen, dass Eurosport auf jeden Fall parallel zu uns senden will. Das wirkt nach und nach wertmindernd. Aber ich sage es noch einmal: Wir spielen nicht auf Scheitern, wir spielen auf Gelingen.

ZUR PERSON:  Peter Frey (59) ist seit sechs Jahren Chefredakteur des ZDF. In seinen Verantwortungsbereich fällt auch der Sport.

dpa

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