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1500 RB-Anhänger reisen nach Berlin – Union-Fans wollen schweigen

Proteste beim Ostduell 1500 RB-Anhänger reisen nach Berlin – Union-Fans wollen schweigen

Vor dem Spiel bei Union Berlin am Freitagabend hat Ralf Rangnick die Qual der Wahl. Stürmer Yussuf Poulsen scharrt mit den Hufen. Auch im Mittelfeld gibt es durch den Ausfall von Dominik Kaiser Veränderungen. Zum Zweitligaspiel planen die Union-Fans eine Protestaktion.

Yussuf Poulsen (links) drängt gegen Union Berlin zurück in die Startelf.

Quelle: Christian Modla

Leipzig/Berlin. Bei einem Union-Treffer könnte es ein Torjubel der ganz leisen Art werden. In den ersten 15 Minuten wollen die Berliner Fans beim Zweitligaspiel am Freitag (18.30 Uhr/Liveticker auf LVZ.de) gegen RB Leipzig aus Protest schweigen - auch bei einem Treffer des eigenen Teams. Feiern wollen im Falle des Falles nur die Spieler. „Dann muss ich lauter sein. Wenn man ein Tor macht, jubelt man trotzdem“, sagte Verteidiger Christopher Trimmel. Trainer Norbert Düwel hätte damit auch keine Probleme. „Ich wurde mich nicht zurückhalten“, sagte der 47-Jährige.

Auf die besondere Stimmung im Stadion „An der Alten Försterei“, das in den Heimbereichen ausverkauft sein wird und in dem 1500 Leipzig-Fans erwartet werden, sind alle Akteure vorbereitet. Im Vorjahr beim Heimspiel (2:1) hatten sich groß Teile der Berliner Anhänger aus Protest in Schwarz gehüllt. Diesmal hat die Szene Köpenick, in der Ultra-Gruppierungen und ultranahe Anhänger vereint sind, um ein „Stadion in Rot“ gebeten. „Egal, was die Fans machen und was wieder los sein wird: Ich erwarte ein richtig heißes Spiel. Da müssen wir uns wieder voll reinhängen“, sagte Mittelfeldspieler Maximilian Thiel.

Union Berlin gegen RB Leipzig

Wie wird die Partie Union Berlin gegen RB Leipzig in der Alten Försterei ausgehen?

Unions Österreicher Trimmel spielte schon mit Rapid Wien gegen RB Salzburg. Die Rivalität gegenüber RB in Deutschland empfindet er stärker. „In Salzburg hatte RB zu Beginn sehr wenig Fans. Auf den Rängen ging es familiär zu. Es war entspannt“, erinnert sich Trimmel. „Leipzig hat mehr Fans. Insofern ist das intensiver.“

"Rangnick ist ein Spätstarter"

Gehen die Rasenballer bei Union leer aus, sollten sich die RB-Anhänger nicht aus dem Kellerfenster stürzen. Sieben Punkte aus dann fünf Spielen hören sich dünnbrüstig an, sind aber mit Blick in die Fußball-Historie ein wunderbares Sprungbrett Richtung Bundesliga. Stichwort Hoffenheim.

2007/2008 startete Zweitligist Hoffenheim mit vier Punkten aus fünf Spielen. Trainer war: Ralf Rangnick. Am Ende der Saison stieg der von Dietmar Hopp (bei RB heißt der Mann Dietrich Mateschitz) getunte Dorfclub in die Bundesliga auf. Der Ex-Hoffenheimer Direktor für Sport und Nachwuchsförderung Bernhard Peter (jetzt HSV) sagte unlängst: "Ralf Rangnick ist ein Spätstarter. Seine Mannschaften brauchen Zeit, ihn zu verstehen."

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Rangnick in der Winterpause 16 Millionen Euro für Carlos Eduardo, Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic in die Hand genommen hatte. Folge: Die TSG stürmte im Februar/März 2008 mit sieben Siegen in Serie in die Nähe der drei Aufstiegsplätze und landete am Ende auf Platz zwei.

In Leipzig hat Rangnick schon im Sommer viel Geld in die Hand genommen. Doch kommen Massimo Bruno, Davie Selke, Willi Orban oder auch Atinc Nukan an die Klasse der Eduardo, Demba Ba & Co. heran? Falls nicht: Auf Sommer kommen auch im diesem Jahr Herbst und: Winter.

Zukunftsmusik. Vielleicht schreibt Rangnick ja 2015/2016 eine andere Geschichte, gewinnt heute in der Alten Försterei, lässt danach Paderborn und so weiter zur Ader. Im brisanten Ost-Derby bei den von Norbert Düwel gecoachten Unionern stehen Fragen in der Tiefe des Raumes. Auf beiden Seiten. Eine zentrale Frage hat Fußball-Lehrer Düwel nach der 3:4-Auftaktpleite in Sandhausen einer Beantwortung zugeführt. Die im Ländle überforderte Dreier-Abwehrkette wich schleunigst einer Viererkette.

Poulsen drängt zurück ins Team

Bei RB ist unklar, wer für den kranken defensiven Mittelfeldspieler Dominik Kaiser spielt. Der bestmögliche Statthalter hat auch mit der Besetzung der Innenverteidigung zu tun. Falls Stefan Ilsanker für den gezerrten Tim Sebastian nach hinten rückt, müsste Rangnick beide Sechser-Positionen neu besetzen. Beispielsweise mit Rani Khedira und Diego Demme, denen der Coach gute Übungseinheiten attestiert. Problem: Beide haben seit Wochen keinen Wettkampf intus. Und kein Training der Welt ersetzt den Ernstfall. Wenn sich Rangnick für Lukas Klostermann als Sebastian-Ersatz entscheidet, bleibt vom Duo Ilsanker/Khedira Ersterer im defensiven Mittelfeld. Weil Ilsanker/Khedira ähnlich gebaut sind (groß und wuchtig), könnte die Stunde des Demme (klein und wuselig) schlagen.

Auch in der Offensive ist Stühlerücken angesagt. Yussuf Poulsen scharrt mit den Hufen, könnte Marcel Sabitzer verdrängen. Zur heißen Atmosphäre im der proppenvollen Alten Försterei sagt Rangnick: "Es wird mit Emotionen zu tun haben." Übrigens: Gegen Pauli legten die Leipziger 116 Kilometer zurück, vier mehr als der Gast. Wir lernen: Es kommt darauf an, richtig zu laufen. Für Gerd Müller galt sowieso: frei stehen, nicht frei laufen.

Guido Schäfer (mit dpa)

Alte Försterei Berlin 52.457275 13.568266
Alte Försterei Berlin
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