Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
„Als Torwart muss man ein bisschen irre sein“

RB-Keeper Marius Müller im Interview „Als Torwart muss man ein bisschen irre sein“

1, 93 Meter, Spannweite wie ein Albatros. Ja, Marius Müller kommt an die Latte. Ja, wenn der mächtige RB-Keeper durch die heiligen Hallen des Trainingszentrums schreitet, wird es in den Gängen schattig. Ein Gespräch über Verwandlungen, Vorbild Oliver Kahn, Stahlbäder unter dem Lauterer Torwarttrainer Gerry Ehrmann und einen Knockout.

Marius Müller (Archivbild)

Quelle: Christian Modla

1, 93 Meter, 92 Kilo, Spannweite wie ein Albatros. Ja, Marius Müller kommt an die Latte. Ja, wenn der mächtige RB-Keeper durch die heiligen Hallen des Trainingszentrums schreitet, wird es in den Gängen schattig. Außerhalb des Platzes ist der 23-Jährige, der für zwei Millionen Ablöse vom 1. FC Kaiserslautern gekommen ist, wie ein Deckchen, auf dem Platz erkennt er sich selbst nicht wieder. Ein Gespräch über Verwandlungen, Vorbild Oliver Kahn, Stahlbäder unter dem Lauterer Torwarttrainer Gerry Ehrmann und einen Knockout kurz vorm Zweitligaspiel gegen Sandhausen.

LVZ: Sie haben jahrelang unter Gerry ,,Tarzan“ Ehrmann trainiert und zuweilen auch gelitten. Wie viel Tarzan steckt in Ihnen?

Marius Müller: Ich habe Gerry unendlich viel zu verdanken. Er hat mich zum Mann, zum Profi, zu einem leidenschaftlichen Torwart gemacht. Als Kevin Trapp (auch einer aus Ehemanns Torwartschule; Red.) nach Paris gewechselt ist, hat er gesagt, dass ihm unter Gerry Flügel gewachsen sind. Fliegen muss man dann selbst. So ist es.

Ehrmann soll auch im fortgeschrittenen Alter 100 Kilo auf der Hantelbank gedrückt haben.

170.

Und Sie?

Ich schaffe 100.

Wie schmerzhaft war das Training unter Tarzans Knute?

Als Torwart muss man schon ein bisschen irre im Kopf sein. Sonst würde man sich nicht aus ein paar Metern den Ball in die Weichteile oder an die Birne schießen lassen und sich auch noch freuen, dass der Ball nicht drin war.

Sportkamerad Ehrmann soll eine besondere Schwäche für, sagen wir, harte Schüsse zur Erweckung kurz vorm Anpfiff haben.

Ja, darauf steht er. Er zieht aus fünf Metern Vollspann ab – fünf-, sechsmal. Danach bist du wach und voller Adrenalin.

Oder K.o...

Vorm Heimspiel gegen Sandhausen hat er mir einen Schuss voll vor den Kopf geknallt. Ich bin kurz K.o. gegangen.

Hat er sich entschuldigt?

Nein, nicht wirklich. Er ist zu mir gerannt und hat gesagt: Marius, steh’ auf, was sollen denn die Leut’ denken. So ist er, der Gerry: Keine Schmerzen zeigen, sich immer gerade machen, seinen Mann stehen, nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Ist er Ihr Vorbild als Torhüter?

Er und Ronny Hellström sind FCK-Legenden, näher ist mir aber, auch schon vom Alter her, Oliver Kahn. Den habe ich schon als kleiner Bub verehrt. Mein Vater ist Bayern-Fan und hat mich im Urlaub mit zum Bayern-Training genommen. Damals war Sepp Maier Kahn-Torwarttrainer. Kahn hat sich gequält, wollte immer noch mehr Schüsse, nochmal fliegen. Er hatte viel weniger Talent als ein ter Stegen, hat sich alles erarbeitet. Das bewundere ich und zeigt mir, was möglich ist, wenn man es wirklich will.

Manuel Neuer?

Ist als Torhüter so gut wie Oliver Kahn, kann aber noch besser Fußball spielen.

Wie gut durchblutet sind Ihre Füße?

Mit dem rechten Fuß bekomme ich von 20 Schüssen 19 dahin, wohin sie sollen. Mit dem linken 17 von 20. Ich arbeite jeden Tag daran, besser zu werden. Als Fußballer und Keeper.

Wie innig ist Ihre Beziehung zu Ihrem neuen Torwarttrainer Frederik Gößling?

Wir verstehen uns gut, arbeiten im Training und bei der Videoanalyse sehr intensiv. Ein toller Typ und Coach mit einem Riesenverständnis fürs Torwartspiel.

Sie haben eine Freundin, gehen gerne essen, lieben die Natur, Ihren Mops, sind ein ausgesprochen freundlicher und zurückhaltender Mann. Wann verwandeln Sie sich zum Torhüter mit annähernd animalischen Instinkten?

Auf dem Platz bin ich ein anderer Marius als außerhalb und manchmal über mich selbst verwundert. Aber das muss so sein. Man ist zwar Teil der Mannschaft, aber doch auch ein Einzelkämpfer. Der Grad zwischen Held und Depp ist ein schmaler, ein Fehler bedeutet ein Gegentor. Ich will in jedem Spiel und jedem Training ohne Gegentor bleiben, und dafür tue ich alles.

Bei RB wird den Fußballern ein Rundumsorglospaket geboten. Wäre weniger an manchen Stellen mehr?

Unser Trainingsgelände ist auf dem neuesten Stand, wir haben hier hervorragende Bedingungen. Ich sehe nichts, was überflüssig wäre.

Hätten Sie auch den Verein gewechselt, wenn der 1. FC Kaiserslautern aufgestiegen wäre?

Nein, dann wäre ich beim FCK geblieben.

Fast vergessen: Wer steht eigentlich beim Saisonstart im Tor?

Das weiß ich nicht. Es sind noch knapp zwei Wochen. Zwei Wochen Vollgas also.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr