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Bernardo über Werder, Selecao und einen missglückten Trikot-Tausch

RB-Verteidiger im Interview Bernardo über Werder, Selecao und einen missglückten Trikot-Tausch

Im ausverkauften Heimspiel gegen Werder Bremen am Sonntag will RB Leipzig wieder punkten. Im Interview spricht Verteidiger Bernardo über seinen Traum von Brasiliens Nationalmannschaft, preußische Tugenden und das Bremen-Spiel.

RB-Leipzig-Verteidiger Bernardo.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Bernardo ist ein freundlicher und zurückhaltender junger Mann. Und er ist einer, den man nach fünf Bundesligaspielen noch nicht überall kennt. Nach dem 1:0-Sieg in Wolfsburg eilte der brasilianische Rechtsverteidiger, 21, der Rasenballer zu seinem Vorbild Luiz Gustavo, 29, und sprach beim VfL-Star in Sachen Trikottausch vor. Gustavos Hemd war schon einem anderen, Bekannteren versprochen (Marvin Compper/31). Außerdem konnte der frühere Bayern-Star nichts mit dem Namen Bernardo anfangen. Das könnte sich ändern. Bernardo Fernandes da Silva Junior, der über die Stationen Ponte Preta, Red Bull Brasil und Red Bull Salzburg zu den Roten Bullen stieß, hat alles, was ein Fußballer für eine Top-Karriere braucht. Technik, Athletik, Vielseitigkeit, Leidensfähigkeit – und Köpfchen. Der angehende Journalismus-Student über seinen Traum von der Selecao, preußische Tugenden, den seriös-lustigen Ralph Hasenhüttl und das Heimspiel gegen Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr, Live-Ticker bei LVZ.de).

Sie haben die hübsche Altbauwohnung des ausgeliehenen Atinc Nukan in der Karl-Heine-Straße bezogen. Sie sind Stammspieler. Sie sind laut Aussagen Ihrer Kollegen ein Sonnenschein. Alles gut also in Ihrer neuen Heimat?

Ja, sehr gut sogar. Ich fühle mich heimisch, wohne toll, spiele bei einem großartigen Club mit wunderbaren Menschen. Salzburg war auch schön, aber etwas ruhiger. In Leipzig ist mehr los, hier kann man immer etwas unternehmen.

Bernardo, wann holen Sie sich Gustavos Trikot?

Ich versuche es beim Spiel in Leipzig noch mal. Vielleicht weiß er dann ja, wer ich bin. Er wusste nur, dass in Leipzig ein Brasilianer spielt. Ich mag Gustavos Fußball sehr. Er macht kaum Fehler, will immer den Ball, ist immer positiv und motiviert seine Mitspieler. Er ist ein Vorbild für mich.

Gustavo hat es bis zum Nationalspieler gebracht. Träumen Sie von der Selecao?

Jeder brasilianische Fußballer träumt davon. Das ist das größte Ziel – auch für mich. Ich arbeite hart an mir, will jeden Tag besser werden.

Sie sind immer pünktlich und packen auch schon mal die altdeutsche Grätsche aus. Unter einem Brasilianer stellt man sich etwas anderes vor. Einen, der abends Caipirinha trinkt und morgens den Wecker nicht findet.

Mein Papa war auch Profi-Fußballer, ich bin zu Disziplin und Pünktlichkeit erzogen. Ohne eine professionelle Einstellung und eine gesunde Härte kann man keinen Erfolg haben.

Sind Sie überrascht, dass Sie so schnell unverzichtbar geworden sind?

Als sich Lukas Klostermann verletzt hat, bin ich etwas näher an die erste Elf gerückt.

Und in Hamburg waren Sie dann drin. Als Rechtsverteidiger.

Ich hatte in der Defensive schon alle Positionen gespielt, nur hinten rechts noch nie. Unser Coach hat viel mit mir gesprochen, wir haben zusammen Videos geschaut und das Ganze natürlich auch auf dem Platz geübt. Es hat ganz gut funktioniert.

Sie untertreiben. Es funktioniert prächtig.

Defensiv läuft es in der Mannschaft gut, da ist es auch für jeden Einzelnen einfacher. Wenn ich auf dieser Position noch etwas selbstbewusster und erfahrener bin, will ich mich besser in die Offensive einbringen. Flanken oder auch mal aufs Tor schießen.

In Österreich haben Sie im defensiven Mittelfeld und in der Innenverteidigung geglänzt. Hinten rechts ist nicht Ihre Lieblingsposition.

Wenn ich überhaupt eine Position in der Mannschaft habe, bin ich glücklich. Ich will spielen, egal wo.

Sie sind 1,86 m groß und wiegen zarte 74 Kilo. Müssen da noch ein paar Kilo drauf?

Ich denke nicht, ich fühle mich so wohl, kann damit viel und schnell laufen.

Sie haben sich vor der Wolfsburg-Partie eine Spritze ans Innenband des rechten Knies geben lassen. Sind Sie ein harter Hund?

Ich bin jedenfalls nicht wehleidig. Wir haben gewonnen, dem Knie geht es gut. Man muss auf seinen Körper achten, sollte aber nicht zu sehr in ihn hineinhorchen, sodass man womöglich blockiert.

Die Bundesliga ist ... als die österreichische erste Liga?

Größer, schneller, attraktiver, anstrengender. Ich bin dankbar, für die Zeit in Salzburg, konnte mich dort zeigen und auch international spielen. Mein Ziel war aber immer die Bundesliga.

Ist Platz drei eine Momentaufnahme?

Wir freuen uns über den guten Start, reden nicht die erste Niederlage herbei und geben weiter in jedem Training und in jedem Spiel Gas. Wenn wir am Ende einen einstelligen Tabellenplatz haben, wäre das natürlich für uns alle fantastisch, aber erst einmal zählt für uns nur, möglichst viele Punkte zu sammeln.

Ihr lauft mehr als andere Teams, ihr legt mehr Willen an den Tag als mancher langjährige Bundesligist. Kann man das über eine ganze Saison leisten?

Das kann man wahrscheinlich, aber das ist für eine solch junge Mannschaft auch nicht ganz einfach. Wir haben zwar einen großen und guten Kader und insgesamt super Bedingungen. Dennoch sind erst sieben Partien gespielt und wir tun gut daran, wenn wir uns voll auf das jeweils anstehende Spiel konzentrieren. Am Ende werden wir dann sehen, wo wir landen.

Sie dürfen jetzt gerne Ralph Hasenhüttl erwähnen.

Er ist ein sehr guter Mann, wir alle mögen und schätzen ihn. Man weiß immer, woran man ist. Er ist seriös und gleichzeitig lustig und kommunikativ.

Das geht einher?

Bei ihm schon.

Was geht am Sonntag gegen Werder?

Wir werden alles geben, was in uns steckt. Und dann muss man sehen, was wir dafür bekommen. Bremen ist ein berühmter Club, den kennt man auch in Brasilien. Diego war da, hat super gespielt.

Würden Sie sich freuen, wenn der legendäre Claudio Pizarro mitmachen könnte?

Na klar. Er ist ein Superspieler, wir und ich wollen uns mit den Besten messen.

Welcher Spieler hat Sie bisher in Ihrer Karriere am meisten beeindruckt?

Ich habe mal gegen Neymar gespielt, er ist unglaublich. Aber wir haben auch in Leipzig einige Spieler mit enormen Potenzial.

Sie meinen sich?

Ich meine z.B. Naby Keita. Ich kenne ihn ja schon aus Salzburg. Er hat ein unfassbares Potenzial. Und er ist klar im Kopf. Naby kann ein Weltklassespieler werden.

Wie sehr vermissen Sie Brasilien?

Ein großes Stück Brasilien ist gerade bei mir. Meine Eltern sind in Leipzig. Mein Papa bleibt eine Woche, meine Mutter bis zum Spiel bei Bayern München (21. Dezember; Red). Von München aus fliegen wir dann zusammen nach Sâo Paulo.

Interview: Guido Schäfer

Für eine Aktion zugunsten von „Paulis Momente hilft“ werden am Sonntag die Zuschauer aufgefordert, ihre Becher zu spenden. Unterstützt wird diese Aktion von Yussuf Poulsen und Davie Selke. Der erzielte Erlös wird dem Mut-Perlen Projekt und dem Projekt FreuZeit zu Gute kommen und damit schwererkrankten Kindern und Jugendlichen aus der Region Leipzig helfen.

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