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Clemens Fritz im Interview: "Für Leipzig ist die Bundesliga ein großer Gewinn"

Vor dem Spiel bei RB Leipzig Clemens Fritz im Interview: "Für Leipzig ist die Bundesliga ein großer Gewinn"

Er hat knapp 300 Bundesligaspiele und zig internationale Einsätze auf dem Buckel: Werder Bremens Clemens Fritz ist ein Dauerbrenner und der wahrscheinlich erfolgreichste Erfurter Fußballer unter der Sonne. Ein Interview vor dem Spiel bei RB Leipzig.

Clemens Fritz im Trikot von Werder Bremen, der Deutschen Nationalmannschaft und in den Farben des VfB Leipzig.

Quelle: Imago / dpa / LVZ-Archiv

Leipzig. Er hat knapp 300 Bundesligaspiele und zig internationale Einsätze auf dem Buckel, ist auch im fort­geschrittenen Alter von 35 Jahren behende wie ein Rehkitz unterwegs: Bremens Kapitän Clemens Fritz über Fitness im Alter, Liebe zum Beruf, Volksnähe, das Sonntagsspiel bei RB Leipzig (15.30 Uhr) und das Wiedersehen mit Davie Selke.

Sie sind 35, Kapitän und Leistungsträger bei Werder, haben immer noch erstklassige Werte. Sind Sie ein anatomisches Wunder?

Nein, aber ich achte schon sehr auf meinen Körper, auf Ernährung und ausreichend Schlaf.

Und Sie lieben Ihren Beruf.

Natürlich, das gehört dazu.

Was müsste passieren, damit Sie Ihr Karriereende nochmal um eine Saison verschieben?

Ich habe in der letzten Saison gemerkt, dass ich immer noch das Feuer für den Fußball in mir spüre und dass ich der Mannschaft noch helfen kann. Also habe ich noch ein Jahr drangehängt. Was im Sommer sein wird, lasse ich auf mich zukommen.

Sie haben mit 22 Ihr erstes Bundesligaspiel gemacht, sind seit 2003 dabei. Was hat sich über die Jahre verändert?

Das Spiel ist schneller und intensiver geworden., die Medienlandschaft mit all den sozialen Netzwerken hat extrem zugenommen. Als ich angefangen habe, wurden Autogramme geschrieben, hatte ab und an jemand einen Fotoapparat dabei. Heute will jeder ein Autogramm und ein Selfie. Die Ausbildung der Ta­lente ist mit den Leistungszentren viel besser geworden. Damals war es eher die Ausnahme, dass einer mit 18 schon Bundesliga gespielt hat oder sogar Nationalspieler wurde. Der einzige in meinem Jahrgang war Sebastian Deisler. Die heutigen jungen Spieler haben weniger Geduld.

Sie treffen am Sonntag einen dieser jungen Wilden wieder. Wie haben Sie Davie Selke bei Werder erlebt?

Ein guter und witziger Junge, der immer Gas gegeben hat.

Und der dann von der ersten in die zweite Liga gewechselt ist. Werder war damit wieder flüssig und Selke hatte einen Top-Vertrag. Hatten Sie Verständnis für diesen Wechsel?

Sie haben es zutreffend geschildert: Für Werder war es finanziell interessant und Davie ist zu einem Verein gewechselt, der zeitnah in der Bundesliga landen würde. Eine Win-Win-Situation. Wobei wir ihn als Mannschaft schon gerne bei uns behalten hätten.

Sie sind in all den Jahren ein umgänglicher Typ geblieben. Nur Erziehungssache?

Ich komme aus einem guten Elternhaus, habe gelernt, allen Menschen mit Respekt zu begegnen. Man darf sich selbst und all die Aufgeregtheiten des Geschäfts nicht zu ernst nehmen. Ich bin da sehr geerdet.

Sie haben knapp 300 Bundesligaspiele und 22 Länderspiele absolviert, waren bei der Euro 2008 dabei, haben Champions League gespielt. Gibt es dieses eine Highlight in Ihrer Karriere?

Die Euro war natürlich sensationell, die Spiele und Stadien in der Champions League auch. Aber ein emotionales Moment war auch unser letztes Saisonspiel im Mai gegen Eintracht Frankfurt. Wir haben gewonnen, haben die Bundesliga gehalten ...

... und eine ganze Stadt lag sich in den Armen.

Das war so. Bremen ist Werder und Werder ist Bremen. Die ganze Stadt hat uns im Abstiegskampf unterstützt.

Nach vier Niederlagen am Stück kamen jüngst sieben Punkte aus drei Partien aufs Konto. Mit welchem Gefühl fahren Sie nach Leipzig?

Mit einem positiven. Siege und Punkte machen eine breite Brust. Wir arbeiten im Training und in den Spielen sehr hart.

Leipzig?

Die 15 Punkte sprechen für sich. Eine junge Mannschaft mit einer hohen Laufbereitschaft, sehr schnellen Leuten und einem klaren Plan.

Insofern wäre ein Pünktchen für Euch doch ausreichend, oder?

Es sind drei Punkte zu holen und die wollen wir auch. Wenn wir nach einem tollen Spiel unentschieden spielen, sagt auch keiner was. Aber man muss sich Ziele setzen, ich bin eine Freund von anspruchsvollen Zielen.

Dazu passt, dass Sie vor der Saison von einem einstelligen Tabellenplatz für Werder gesprochen haben.

Davon rücke ich auch nicht ab. Wir haben die Qualität dazu.

Wie nah ist Ihnen die Entlassung von Viktor Skripnik gegangen?

Es ist immer die größte Niederlage für eine Mannschaft, wenn der Trainer gehen muss.

Nachfolger Alexander Nouri ist nur zwei Jahre älter als Sie. Duzt Ihr Euch?

Ja, Duzen oder Siezen sagt aber nichts über ein Verhältnis aus. Wir respektieren uns, er ist interessiert an der Sicht der Spieler. Seine Ansprache ist gut, es passt.

Was trauen Sie RB Leipzig zu?

Das ist eine junge Mannschaft, es werden auch weniger erfolgreiche Phasen kommen. Ein einstelliger Tabellenplatz ist sicher möglich.

RB teilt die Fangemeinde wie Moses das Meer. Wie stehen Sie zum Engagement von Red Bull in Leipzig?

Ich sehe dort eine positive Entwicklung. Es gab im Leipziger Fußball schon früher Investoren, die waren aber nicht auf Nachhaltigkeit aus. Das ist jetzt anders. Für Leipzig ist die Bundesliga ein großer Gewinn, der von den Fans gerne angenommen wird. Man muss sich nur die Zuschauerzahlen anschauen.

Apropos Fans: Der Werder-Fan-Block ist mit knapp 4000 Zuschauern ausverkauft. Ergo: Kein Boykott.

Unsere Fans unterstützen uns immer und überall. Werder ist übrigens auch im Osten unglaublich beliebt.

Sie haben Ihre Heimatstadt Erfurt 1997 mit zarten 17 in Richtung Leipzig verlassen, haben dem VfB Leipzig aber schon wieder 1999 den Rücken gekehrt und sind zurück zu Rot-Weiß Erfurt. Hat Ihnen Leipzig nicht gefallen?

Ich kam beim VfB als junger Spieler auf wenige Einsätze, Dragoslav Stepanovic setzte damals lieber auf Erfahrung. Dazu hatte der VfB finanzielle Probleme. Ich bin dann zurück und konnte bei Rot-Weiß dritte Liga spielen.

Wie gut kennen Sie das Leipziger WM-Stadion?

Ich war mit Werder zweimal zu Freundschaftsspielen da. Und ich habe im alten Zentralstadion den ersten Cooper-Test meines Lebens durchgezogen. 3300 Meter in zwölf Minuten.

Wie intensiv sind Ihre Kontakte nach Leipzig?

Ab und zu sieht man sich oder man telefoniert. Zum Beispiel mit Marco Rose, Torsten Kracht und Thorsten Görke.

Fast vergessen: Können Claudio Pizarro und Serge Gnabry spielen?

Warten wir es ab.

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