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"Den Dialekt werde ich nie beherrschen" - Georg Teigl im Interview

RB Leipzig "Den Dialekt werde ich nie beherrschen" - Georg Teigl im Interview

Seit fast zwei Jahren ist er Außenverteidiger bei RB Leipzig, seit der Jugend begeisterter Golfspieler und stets ein kritischer Geist: Georg Teigl, 24, gibt im LVZ-Interview Auskunft - auch über seine Wurzeln und sein Faible für gute Musik.

Georg Teigl.

Quelle: Gepa

Frage: Nach der vergangenen Saison haben einige verdiente Leistungsträger den Verein nach langjähriger Vereinszugehörigkeit verlassen. Zudem ist Ihr Sportdirektor Ralf Rangnick nun auch Ihr Trainer. Wie macht sich der Mann, der das Image eines Ehrgeizlings und Perfektionisten hat, als Übungsleiter?

Teigl: Solche Veränderungen gehören im Fußball mittlerweile fast schon zur Tagesordnung. Man muss lernen, mit diesem schnelllebigen Geschäft umzugehen. Klar ist es schade, wenn Kumpels den Verein verlassen. Ralf Rangnick ist ein Mann mit großer fußballerischer Kompetenz, und daran lässt er uns auch an jeder Einheit teilhaben. Ich denke er kitzelt aus uns das Maximum heraus.

In den letzten Jahren haben Anfeindungen gegen RB – die Mannschaft und das gesamte Projekt – immer mehr zugenommen. Vor allem seit Sie in der zweiten Liga sind ist die negative, teils unsachliche Kritik extrem geworden. Wie geht es der Mannschaft – Ihren Spielerkollegen und Ihnen persönlich damit?

Unsachliche Kritik kann und muss man beiseite schieben genauso wie Beleidigungen. Sie haben kein Fundament und es somit auch überhaupt nicht verdient, Aufmerksamkeit oder Beachtung zu bekommen. Diese Leute wollen dem Fußball nichts Gutes und uns Spielern auch nicht. Der Respekt vor unserer Arbeit wächst stetig, das ist ein gutes Zeichen.

Wie muss man sich den kleinen Georg vorstellen? War der auch schon so fußballverrückt wie Sie es heute sind?

Das Kind Georg war gar nicht so sehr anders als ich es jetzt bin. Früher wie heute gab es viele Dinge, für die ich mich interessiert habe, nicht nur Fußball. Ich habe alle möglichen Sportarten ausprobiert, um dann sagen zu können was mir am meisten Spaß macht. Ich wollte immer schon Profi werden, das hab ich schon als Achtjähriger gesagt. Mit 15 habe ich dann viel Golf gespielt, es in Amerika gelernt und eine Zeit lang stellte dies auch eine echte Konkurrenz zum Fußball dar.

Wem haben wir es zu verdanken, dass Sie heute Fußballer sind?

Mein größter Förderer ist mein Vater. Er war es schon immer, da er selbst im Spitzensport tätig war. Drei Jahre vor meiner Geburt ist er bei Olympia 1988 in Calgary als Bobfahrer für Österreich an den Start gegangen. Er lebte immer den Sport, und das hat er mir auch vermittelt. Man muss aber sagen, dass es ihm egal war, welche Sportart ich ausüben wollte. Ich denke, Adi Haiduk, mein Jugendtrainer in St. Pölten war dann ein erster großer Eckpfeiler auf meinem Weg, denn er hat mir das Fußball spielen beigebracht und mich auch geprägt.

Sie sind 24 Jahre alt, sind in Wien geboren, haben Ihre Fußballerkarriere als Kind in Niederösterreich und in dessen Landeshauptstadt St. Pölten begonnen. Mit 18 hat es Sie nach Salzburg zu Red Bull verschlagen. Was hat Sie aber vor anderthalb Jahren dazu bewogen nach Deutschland zu gehen?

Ein großes Plus war auf jeden Fall, dass mir viel Einsatzzeit in Aussicht gestellt wurde und ich mit der Mannschaft die Chance hatte, aufzusteigen. Schließlich haben wir das auch geschafft und ich habe mich als Stammspieler etabliert. Rückblickend betrachtet war das eine sehr gute Entscheidung.

Wie gefällt Ihnen Ihre nun nicht mehr neue Heimat Leipzig und fühlen Sie sich wohl in Deutschland?

Leipzig muss man einfach sehen. Wenn man davon erzählt bekommt, bleibt immer eine gewisse Skepsis, ob das alles auch tatsächlich so stimmt. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, es ist ein schöner Ort. Viele Parks, lockere Menschen – viel mehr braucht es nicht.

Seit Anfang 2014 leben Sie nun in Leipzig. Beherrschen Sie denn schon ein bisschen den sächsischen Dialekt und wie kommen Sie mit der Mentalität der Sachsen zurecht?

Den werde ich nie beherrschen und ehrlich gesagt würde der bei mir auch komisch klingen, genauso wenn ein Sachse versucht meinen österreichischen Dialekt nachzumachen. Ich denke die Leute hier mögen uns Österreicher, und wir Sie auch. Sie lieben Fußball und sind dankbar für die Dinge, die sie haben.

Im Leben eines Profifußballers steht in erster Linie natürlich sein Sport im Mittelpunkt. Wie sieht es bei Ihnen aber mit anderweitigen Interessen aus?

Ich liebe Musik, alle möglichen Genres aus allen möglichen Ecken der Erde. Okay, vielleicht nicht ganz, mit dem koreanischen Pop komme ich einfach nicht zurecht. Ich habe, seit ich denken kann Musik um mich, mein Geschmack ist auch nicht jedermanns Sache, wobei schon einige meinen, dass ich ein feines Gespür für „gute“ Musik habe. Wie schon erwähnt Spiele ich manchmal Golf, das nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. Da ist es schon einfacher mit meinen Kumpels ins „bau bau“ zu gehen oder in den Park. Filme interessieren mich auch, ab und zu gibt es sogar gute Filme im Kino, die sind jedoch rar gesät.

Könnten Sie sich vorstellten, in Zukunft noch bei einem anderen deutschen Bundesligaklub, vielleicht gar in der ersten Liga zu spielen?

Die Karriere eines Fußballers ist kürzer als man denkt und richtig planen kann man nur relativ wenig. Ich kann mir nahezu alles vorstellen, für jeden Wechsel ist natürlich entscheidend wer dich will, ob du das möchtest und das Ganze dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt und unter den richtigen Voraussetzungen. Im Moment bin ich hier glücklich und konzentriere mich voll und ganz auf die Ziele mit RB Leipzig.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die kommende Saison?

Meine Ziele sind: Stammspieler und gesund zu bleiben sowie mich weiter zu verbessern. Und natürlich möchte ich auch immer gewinnen.

Was wäre der größte Traum den Sie bezüglich Ihrer Karriere haben?

Den größten Traum zu erwähnen ist mir zu privat. Aber so viel kann ich verraten: er hat etwas mit Fußball und England zu tun.

Unter Alexander Zorniger sind Sie auch mal im Sturm eingesetzt worden. Taugt Ihnen das oder fühlen Sie sich eher in Abwehr und Mittelfeld zu Hause?

Mir gefällt die Außenverteidigerposition, sie ist anspruchsvoll und mit viel Laufarbeit und Taktik verbunden. Nichtsdestotrotz ist es für mich nicht entscheidend, wo mich der Trainer einsetzt, denn mir macht das Spiel einfach überall auf dem Platz Spaß.

Wenn Sie interviewt werden, gibt es da eine Frage, die Sie schrecklich nervt?

An Journalisten nervt mich eigentlich wenig, du wirst ja nicht gezwungen Dinge preiszugeben. Fakt ist aber, dass man nicht immer das sagen kann und sollte, was man gerade denkt. Eine gewisse Diplomatie ist daher heutzutage auch im Fußball wichtig. Im Grunde machen mir Interviews aber Spaß, sofern sie nicht so gepolt sind, mich anders darzustellen als ich eigentlich bin. Oft kommt es vor, dass Zitate von Spielern so verwendet werden, um sie schlecht aussehen zu lassen. Das ist das Einzige, was mich wirklich stört.

Interview: Katharina Brumbauer

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