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Der Traum ist aus: Den RB-Leipzig-Profi Christian Müller gibt es nicht mehr

Karriereende Der Traum ist aus: Den RB-Leipzig-Profi Christian Müller gibt es nicht mehr

Knapp zwei Jahre lang arbeitete RB Leipzigs Christian Müller nach seiner schweren Knieverletzung am Comeback. Nun hat er entschieden: Es hat keinen Sinn mehr. Dennoch bleiben die Rasenballer ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. "Mü" absolviert ein Praktikum beim Zweitligisten

So kannten und liebten ihn die RB-Fans: Christian Müller.

Quelle: Christian Müller

Leipzig. Als Christian Müller im Sommer 2011 zu RB Leipzig stößt, ist das in Sachen Leibesübungen für ihn ein Rückschritt. Der Offenbacher ist bereits 133 Mal in der zweiten Liga aufgelaufen und steht mit 27 Jahren im Zenit seines Könnens. RB? Dreht just eine zweite Ehrenrunde in der Regionalliga, kickt viertklassig. Das Fachorgan Kicker setzt bei derart niederen Ligen freie Mitarbeiter ein, die nun ja, viertklassig schreiben.

RB zahlt damals wie heute erstklassig. In Fachkreisen macht der Begriff Schmerzensgeld die Runde. „Mü“ wehrt sich nicht gegen das Geld, aber gegen das Abzocker-Image, das ihm und seinen Kollegen angeheftet wird. „Ich will zurück in die zweite Liga“, sagt der Rechtsverteidiger vor seiner Debüt-Saison unter Peter Pacult.

Zum 134. Zweitligaspiel wird es nie kommen.

Am 21. Dezember 2013 verabschieden sich die Rasenballer mit einem 2:1 gegen den Halleschen FC als Tabellenführer der dritten Liga in die Winterpause. Müller legt Dominik Kaisers 1:0 auf, Yussuf Poulsen trifft zum 2:0. Alles gut bei RB. Alles gut auch bei Christian, Freundin Carolin und das im Mai geboren Baby Luna. Und da war ja noch der Traum von der zweiten (und ersten) Bundesliga. Der platzt drei Wochen später.

11. Januar 2014, Trainingslager in Belek. Im schummrigen Flutlicht spielt das Team von Pacults Nachfolger Alexander Zorniger gegen Vaduz. Nach einer knappen Stunde geht Müller zu Boden, schreit wie am Spieß. Müllers linkes Knie ist irrwitzig verdreht. Auf eine genauere Beschreibung wird an dieser Stelle verzichtet. Der gestählte Unfall- und Clubarzt Frank Striegler wird später sagen, dass er derartige Horror-Verletzungen nur von schweren Motorradunfällen kennt. Die Erstversorgung übernehmen Striegler und die RB-Physiotherapeuten Alexander Sekora und Sven Worbser. Sie machen alles richtig, verhindern einen Kollaps und brutale Folgeschäden wie eine Amputation.

Müller wird in der Türkei und Deutschland mehrfach operiert, denkt während der Reha in der Medica-Klinik an das Undenkbare. „Ich will wieder kicken.“

Dezember 2015, der Traum ist aus, den Profifußballer Christian Müller gibt es nicht mehr, nie mehr. „Ich habe alles versucht, jetzt ist es vorbei“, sagt Müller beim Treffen im Cafe Luise. Nein, er ist nicht in ein Loch gefallen. „Die Chance auf eine Rückkehr war bei dieser Verletzung nicht groß, mich trifft es also nicht unvorbereitet. Ich neige nicht zu Selbstmitleid, habe während der Reha viel schlimmere Schicksale miterlebt. Soll ich einem jungen Menschen im Rollstuhl etwas über mein Knieproblem und Fußball vorheulen?“

Seine Familie, Freunde und RB geben dem Mann, der 75 Pflichtspiele für RB absolviert hat, zusätzlichen Halt. „Ich war nie alleine mit der Verletzung und meinen Gedanken, wurde und werde super unterstützt.“

Auch und gerade vom Verein. Ralf Rangnick hat an jenem 11. Januar 2014 jedwede Hilfe versprochen. „Das waren keine leeren Versprechungen, Herr Rangnick hat Wort gehalten“, sagt Müller. „Das fing bei der medizinischem Betreuung an und setzt sich jetzt fort.“ Müller absolviert ein Praktikum beim Zweitligisten, durchläuft die Abteilungen des Clubs. Ticketing, Marketing, Fanbetreuung, Spieltagsorganisation et cetera – „Mü“ ist mittendrin im Maschinenraum des 2009 in Markranstädt gelandeten Raumschiffs RB Leipzig. Parallel studiert er Kommunikationsmanagement.

Leipzig bleibt Lebensmittelpunkt, ein Fulltime-Job bei RB ist angedacht. „Ich fiebere bei jedem Spiel mit, hoffe sehr, dass wir aufsteigen.“ Ja, das Wir-Gefühl ist geblieben.

Am 11. Juni heiratet Christian Müller seine Carolin. RB-Aufstiegshelden wie Daniel Frahn, Sebastian Heidinger, Niklas Hoheneder und Fabio Coltorti werden dabei sein.

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