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Düsseldorfs Coach Funkel hat keine Angst vor RB Leipzig

Vor Montags-Spiel Düsseldorfs Coach Funkel hat keine Angst vor RB Leipzig

Fortuna Düsseldorf empfängt am Montag die Kicker von RB Leipzig. Friedhelm Funkel, Trainer der Gastgeber, gehört zu den Urgesteinen im deutschen Profifußball. Im Interview spricht er über Laptop-Trainer, weite Wege auf tiefen Böden und das Duell mit RB.

Mission Klassenerhalt: Friedhelm Funkel soll Fortuna Düsseldorf retten und trifft mit seiner Elf am Montag auf RB Leipzig.

Quelle: Imago

Düsseldorf. Friedhelm Funkel hat seit ewigen Zeiten dieselbe Handynummer und gehört zu den wenigen Größen der schillernden Fußball-Branche, die man einfach so anrufen kann. Der 62-jährige Neu-Coach der abstiegsgefährdeten Düsseldorfer Fortuna ist mit über 1200 Profispielen als Fußballer und Trainer Nummer eins in Deutschland, ruht in sich, kann mit den Aufgeregtheiten des Business wenig anfangen. Funkel über seine Mission bei der 1895 geschlüpften Fortuna, das Heimspiel gegen RB Leipzig (Montag, 20.15 Uhr), Laptop-Trainer, weite Wege auf tiefen Böden und das legendäre Uerdinger 7:3 gegen Dynamo Dresden anno 1986.

4:3 gegen Kaiserslautern, 0:0 in Bielefeld. Sie haben Fortuna über den Strich gehievt.

Nicht ich, die Mannschaft hat das gut gemacht, zieht mit. Alle arbeiten hart am Klassenerhalt. Wir wollen auch nach dem Spieltag überm Strich stehen.

Es gibt angenehmere Gegner als RB Leipzig.

RB steht zurecht da oben, die werden ihre Ziele erreichen.

Vor der Saison hätte man von einem Duell auf Augenhöhe sprechen können. Die Zeiten haben sich geändert.

Leipzig hat 31 Punkte mehr als wir, das ist natürlich kein Duell auf Augenhöhe. Aber in einem Spiel können wir Leipzig schlagen.

Sie kennen Ralf Rangnick aus unzähligen Spielen. Was hat und kann er?

Ralf ist ein sehr erfahrener Mann, hat eine Philosophie, setzt wie damals in Hoffenheim auf junge, talentierte Spieler. RB hat Geld und legt es gut an.

Düsseldorfer Prominente machen sich stark für die Fortuna, gegen RB gibt es verbilligte Tickets für 8,95 Euro, das Stadion wird gut gefüllt sein. Stemmt sich da eine ganze Stadt gegen die dritte Liga?

Düsseldorf steht hinter der Fortuna. Das spüren wir Trainer, das spürt die Mannschaft. Wir können es nur gemeinsam schaffen.

Sie wohnen im benachbarten Krefeld. War die räumliche Nähe auch ein Argument, ja zur Fortuna zu sagen?

Ein Argument von mehreren. Von Krefeld nach Düsseldorf sind es 15 Kilometer, die Fortuna liegt vor meiner Haustür. Ich verfolge den Verein schon seit Jahren, kenne die Mannschaft und war von Anfang an überzeugt, dass wir die 2. Liga halten können.

Ihre Tochter soll auch eine Rolle gespielt haben.

Sie ist großer Fortuna-Fan.

Da wollte der Papa keinen Ärger riskieren.

Wie gesagt: Es gab einige Gründe, die dafür sprachen.

Und nach dem Klassenerhalt im Mai schauen sich Club und Coach in die Augen und schließen einen neuen Vertrag ab.

Lassen Sie uns erstmal in Ruhe arbeiten und unsere Ziele erreichen.

Sie sind mit über 1200 Profieinsätzen der Rekordmann in Fußball-Deutschland. Macht Sie das stolz?

Es ist eine stolze Zahl – mehr nicht. Als ich vor ein paar Jahren mein 1000. Spiel hatte, wurde das medial groß aufgezogen. Ich wusste vorher gar nichts von dem Jubiläum.

Heutzutage wird vertikal statt steil gespielt, der Strafraum heißt Box, defensive Mittelfeldspieler sind flache Sechser und frühes Stören nennt man Gegen-Pressing. Nerven die neuen Begrifflichkeiten?

Mich nervt, dass so getan wird, als ob heute alles neu und besser wäre. Beispiel Umschaltspiel: Borussia Mönchengladbach hat in den 70er Jahren blitzschnell umgeschaltet, diese Art des Fußballs würde noch heute jedem Vergleich standhalten. Und wir Trainer der alten Garde trainieren natürlich nicht mehr wie vor 25 Jahren, sondern auf dem heutigen Stand der Trainingslehre und Sportwissenschaft. Sie haben noch gar nicht nach einem Laptop gefragt. Ich habe einen.

Ein guter Profi der Neuzeit legt über zwölf Kilometer pro Spiel zurück.

Bei uns gab es solche Messungen nicht. Aber ich bin mir sicher, dass ich nicht weniger gerannt bin. Übrigens auf Böden, die im wahrsten Sinn des Wortes schwer waren. Ich wäre heute noch gerne Spieler.

Sie waren beim legendären Uerdinger 7:3 gegen Dynamo Dresden 1986 dabei. Wie beurteilen Sie diese Europapokalschlacht?

Es war der Wahnsinn, unfassbar für alle Beteiligten. Zur Halbzeit sagte uns Kalli Feldkamp, dass wir uns anständig aus dem Cup verabschieden sollen.

Es stand 3:1 für Dresden, in der Addition mit dem Hinspiel 5:1.

Ja, und wir haben das Ding noch 7:3 gewonnen. Uns kam zugute, dass Torhüter Bernd Jakubowski in der Halbzeit verletzt raus musste...

... nach einem Foul Ihres Bruders Wolfgang.

Wolfgang war keiner, der Spieler absichtlich verletzt hat. Das war auch in dieser Szene nicht der Fall. Für Jakubowski kam ein unerfahrener Torhüter (Jens Ramme; Red). Und dann kam das eine zum anderen. Ein verrückter, einmaliger und unvergessener Abend.

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